DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (22)
K l e i n - S c h e m l a k

Klein-Schemlak (heute: Semlacu Mic; ung.: Vársomlyó und Kissemlak) war einst eine rein banat-schwäbische Siedlung. Laut Karl Kraushaar ist das deutsche Dorf 1789 angesiedelt worden, Gheorghe Drinovan aber schreibt, daß es erst 1802 dokumentarisch belegt worden sei. 1890 hatte man hier 627 Einwohner gezählt. 1930 bildeten die 725 Deutschen fast 99 Prozent der Dorfbevölkerung. Damals gehörte das Dorf zur Gemeinde Groß-Schemlak (amtlich: Semlacu Mare; ung.: Mezösomlyó und Nagysemlak), heute ist sie eine der neun zu Gataja (amtlich: Gataia; ung.: Gátalja) gehörenden Ortschaften. Von den 713 Deutschen, die 1940 in Klein-Schemlak lebten, fielen 42 dem 2. Weltkrieg zum Opfer, und ein Dutzend fanden durch die Rußlandverschleppung den Tod. Bis 1956 sank die Einwohnerzahl auf 483 Seelen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den nur noch 195 Einwohnern der Ortschaft lediglich 10 Personen zum Deutschtum, den Rest bildeten 179 Rumänen, 2 Ungarn und 4 Sonstige.

Im März 1990 lebten im einstigen deutschen Dorf nur noch zwei deutsche Familien, die aus insgesamt 8 Personen bestanden. Wie es scheint, wollten diese dort ausharren, denn genau drei Jahre später berichtete die rumänische Tageszeitung „Timisoara" vom 11. Mai 1993 von einem Unfall, dessen Opfer der damals 8-jährige Peter Mayer war. Er ist einer der vier Söhne der Familie Mayer, „eine der zwei im Ort verbliebenen deutschen Familien". Mit einem erwachsenen Nachbarn, stiegen die vier 6- bis 11-jährigen Jungen in den Turm der 150 Jahre alten evangelischen Kirche, um dort Rabennester auszuheben. Die Kirche, dessen Schlüssel von der Familie Mayer aufbewahrt wird, ist aber zur Zeit so verfallen, daß sie nur noch eine Ruine ist. So konnte es geschehen, daß der morsche Bretterboden, auf dem Peter stand, durchbrach. Der Junge fiel so aus der Höhe der einstigen Kirchenuhr, auf die darunter liegende Ebene, deren Bretter ebenfalls durchbrachen. Als Glück im Unglück könnte man den Fall bezeichnen, da Peter trotz eines zweiten Aufpralls, diesmal auf den Fliesenboden der Kirche, mit dem Leben davonkam.

Einige Tage zuvor berichtete dieselbe Zeitung über einige Aspekte des Wirtschaftslebens der Ortschaft. Der Hauptfaktor dieses Bereichs sei der Landwirtschaftsverein „Saraca" (Die Arme). Nichts trifft in Klein-Schemlak so gut die Realität wie diese Benennung. Gegründet wurde der Verein mit 213 Hektar Boden im November 1991. Es fehlten aber noch große Landwirtschaftsflächen, da man bei der Bodenverteilung keine Rücksicht auf die zukünftigen Vereinsmitglieder genommen hatte, und diese nun keine einheitliche Fläche zusammenlegen konnten. Die Parzellen der Vereinsmitglieder lagen zerstreut auf dem Areal des Dorfes, so daß diese nicht mechanisch bestellt werden konnten. Aber auch sonst wurden viele Ungerechtigkeiten verübt, die zu großen Unzufriedenheiten führten. Man versuchte dann eine Neuaufteilung, was zu neuen Protesten führte, da inzwischen die Bauern gesät und die Saat gepflegt hatten. Auf diese Weise entstanden sogar zwei Interessengemeinschaften: die Einzelbauer aus den Reihen der im Ort ansässigen Dorfbewohner und die Vereinsmitglieder, die in ihrer Mehrheit in anderen Ortschaften wohnten und meist nur Erben von einstigen enteigneten Bodenbesitzer sind. Interessant an dieser Sache ist nur, daß sich nun die Neubürger Klein-Schemlaks so heftig um den Boden zanken, den sie gar nicht mit Fleiß und Schweiß erworben hatten.

Juli 1994                                                                                                                    Anton Zollner

Anm. d. Verfassers: Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft lebte im Februar 1996 kein einziger Deutscher mehr im Heimatort.