DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (99)
K r e u z s t ä t t e n

Wenn man in Segenthau (heute: Sagu) von der Europastraße E-671 (DN 69 Temeschburg - Arad) rechts abweicht, erreicht man nach 5 km, am Ende der Gemeindestraße DJ 93 das gewesene Schwabendorf Kreuzstätten (heute: Cruceni; ung.:
Temeskeresztes). Das Dorf befindet sich am östlichen Rande der Banater Heide und gehört heute zur Gemeinde Segenthau im Kreis Arad.

Nach Karl Kraushaar ist Kreuzstätten 1771 mit 65 Häusern angelegt worden; damals hatte die Ortschaft 280 Einwohner. Die meisten Siedler kamen aus Lothringen (30 Personen), aus dem „Reich" (23), aus Elsass (18), Baden-Württemberg, Bayern und Luxemburg (je 10 Personen). 1810 hatte das damalige Schwabendorf schon 536 Einwohner. 1841 sind hier neben den 697 Deutschen auch die ersten 22 Rumänen und 5 Juden registriert worden. Die Zahl der Rumänen überstieg bis zum Zweiten Weltkrieg niemals drei Dutzend, mit Ausnahme der Jahre 1890 und 1900, als hier einige Personen rumänischer Volkszugehörigkeit mehr ihre Heimat hatten. 1910 lebten im fast rein deutschen Dorf 962 Deutsche, 91 Ungarn und 29 Rumänen, erstere stellten somit einen Bevölkerungsanteil von fast 90 Prozent. Im November 1940 wurden hier von 1.174 Dorfbewohnern 965 Personen als deutsche Volkszugehörige registriert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank die Zahl der Deutschen unaufhaltsam, die der Rumänen nahm aber ständig zu. 1977 gab es unter den insgesamt 813 Dorfbewohnern noch 283 Deutsche, dafür aber 465 Rumänen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 613 Einwohnern Kreuzstättens nur noch 10 Personen zum Deutschtum. Laut Angaben der
Heimatortsgemeinschaft Kreuzstätten lebte im Februar 1996 im gewesenen Schwabendorf kein einziger Deutscher mehr. Damit ist das Deutschtum im Cruceni der Zukunft für immer ausgestorben. Als Zeitzeugen der einstigen deutschen Dorfgemeinschaft sind in Kreuzstätten nur noch die Kirche und der Friedhof geblieben.

Die katholischen Gläubigen bildeten anfangs eine Filiale der Segenthauer Pfarrei. 1783 erhielt die Kirchengemeinde eine
Kaplanstelle, und zugleich wurden auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. 1807 erhielt Kreuzstätten eine eigene Pfarrei. Mit dem Bau der heutigen Kirche hatte man 1780-81 begonnen, geweiht wurde sie der Heiligen Kreuzerhöhung am 14. September 1783 vom Tschanader Bischof Emmerich Christowich. Das Pfarrhaus hatte man aber erst im Jahre 1859 errichtet.

215 Jahre später, fast genau am selben Tag der Kirchweihe, und zwar am 13. September 1998, fand in Kreuzstätten, in dem kein einziger Deutscher mehr lebt, eine Jubiläumskirchweih statt. Gastgeber waren die heutigen rumänischen Einwohner und Gäste die gewesenen deutschen Bewohner der Ortschaft. Nachdem man die Spenden der einstigen Kreuzstätter für ihre gewesene Kirche und für den Friedhof dem griechisch-katholischen Kirchenrat übergeben hatte, beschlossen die neuen Nutzer dieser Einrichtungen, die Geldgeber zum 215-jährigen Jubiläum der Kirchweihe einzuladen. Die deutschen Gäste wurden von ihren rumänischen Gastgebern auch beherbergt. Am Vorabend des Kirchweihfestes fand ein Totengedenken im Friedhof und beim Kriegerdenkmal statt. Am Sonntag ist der Festgottesdienst neben zwei katholischen Priestern auch vom griechisch- katholischen Ortspfarrer zelebriert worden. Der rumänische Kirchenrat überraschte dann seine deutsche Gäste mit einer Blaskapelle, die den ganzen Tag aufgespielt hatte. Nach dem Mittagessen im Pfarrhaus folgte eine weitere Überraschung: vierzehn rumänische Jugendliche in banat-schwäbischer Kirchweihtracht führten einige deutsche Kirchweihtänze vor. Danach tanzten alle Anwesenden im Park bis in die späten Abendstunden.

Man könnte diese Veranstaltung nun auch als einen gelungenen Versuch betrachten, den Ausgewanderten die Verbindung zum Heimatort aufrecht zu erhalten, vor allem wenn sie sich regelmäßig wiederholen würde. Es scheint als würde die Überlassung der katholischen Kirchen der gewesenen deutschen Dörfer, in denen es keine Deutsche oder Katholiken anderer Volkszugehörigkeit mehr gibt, an die griechisch-katholische Glaubensgemeinschaft, die einzige Lösung sein. Dadurch wäre ihr Weiterbestand für viele weitere Jahre gesichert. Leider ist aber dadurch ein Umbau des Altars kaum vermeidlich. Sehr wichtig aber ist auch, dass in diesem Fall die katholischen Friedhöfe dieser Ortschaften nicht zu stillen „Museen" verkommen würden, sondern als funktionierende Einrichtungen erhalten werden könnten. Was soll aber mit den Kirchen und Friedhöfen aus jenen Dörfern geschehen, in denen es unter den rumänischen Zuwanderern keine griechisch- katholische Glaubensgemeinschaft gibt? Viel Zeit gibt es nicht mehr, um diese Frage zu beantworten.

Januar 1999                                                                                                    Anton Zollner