DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (19)
 K o w a t s c h i

Kowatschi (heute: Covaci; ung.: Temeskovácsi) erhielt seinen Namen wahrscheinlich vom ungarischen Vermessungsingenieur des Ortes, Kovács. Das Dorf ist eine Binnensiedlung und wurde 1843/44 von 30 aus Saderlach (heute: Zadareni) zugewanderten Familien mit insgesamt 130 Personen gegründet. Laut Karl Kraushaar ist Kowatschi zwischen 1840 und 1847 zwecks Tabakbau angesiedelt worden. 1853-70 zogen weitere 100 Familien aus allen Gegenden des Banats hinzu. Um die Jahrhundertwende sollen hier 900 Deutsche gelebt haben. 1930 bildeten sie mit 850 Seelen einen Bevölkerungsanteil von über 97 Prozent. Die ersten sechs Rumänen zählte man in Kowatschi erst 1940. 1948 sank die Zahl der Deutschen auf etwa 700, und die der Rumänen stieg auf etwa 300. Diese Tendenz entwickelte sich unaufhaltsam weiter. 1977 zählte man nur noch 470 Deutsche, aber auch die Zahl der Rumänen sank auf 238. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 mußte man eine allgemeine Entvölkerung des Ortes feststellen. Kowatschi hatte damals nur noch 596 Einwohner: 40 Deutsche, 509 Rumänen, 17 Ungarn, drei Serben, ein Zigeuner und 26 Sonstige. Aber schon sieben Monate später, also bis Juli 1992 stieg die Zahl der Rumänen auf etwa 800 Personen, und die Zahl der Deutschen sank weiter auf 27 Personen, von denen aber ein Dutzend auf gepackten Koffern saßen. Im Dezember 1994 sollen im gewesenen Schwabendorf nur noch 11 Deutsche gelegt haben, aber laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Kowatschi ist im Februar 1996 die Zahl der im Heimatort verbliebenen Deutschen auf 23 Personen geschätzt worden.

Auf den Zerfall des ehemaligen Schwabendorfes wies die „Neue Banater Zeitung" (NBZ) schon am 18. April 1984 hin. Damals beanstandete man nur den Zustand der Zufahrtsstraße, des Kulturheims und des Dorfladens. Bald konnte man aber auch den allgemeinen Zerfall Kowatschis feststellen. Auf der aufgeschotterten Straße war schon damals das Dorf kaum noch zu erreichen. Das „Kulturheim" war nur noch eine Halbruine mit eingeschlagenen Fensterscheiben, beschädigten Türen, die nicht mehr geschlossen werden konnten, weil sogar die klinke fehlte. Benützt wurde das Gebäude, durch dessen Dach das Regenwasser drang, nur noch von den trinkfreudigen Neubürgern, die sich hier bei kaltem Wetter aufwärmten. Im Dorfladen herrschte damals auch eine unbeschreibliche Unordnung, während der Lagerraum total verschmutzt war. Die Verkäuferin öffnete und sperrte den Laden nach Herzenslust. Daß nicht auch die Schule im selben Zustand gewesen ist, war nur der Lehrerin Atiene zu verdanken, die nicht bereit war, in einer Rumpelkammer zu unterrichten.

Auch eine NBZ-Leserin meldete sich nach einigen Tagen zu diesem Thema zu Wort. Maria Elvira Frank beschrieb das Aussehen eines einst sehr reinen Dorfes mit regelmäßig bis auf die Fahrbahn gekehrten Straßen, die von getünchten Maulbeer- und Obstbäumen gesäumt waren. Sie bemängelte am 4. Mai 1984, daß die von den Bewohnern gepflanzten Bäume mit dem Traktor aus dem Boden gerissen wurden. Die Traktoren machten bei Regenwetter die Dorfstraßen durch das Aufwühlen der Erde auch unpassierbar. Sie beklagte aber nicht nur den Zustand der Zufahrtsstraße, sondern auch jenen der daneben führenden Allee, die von 1958 bis 1968 mit der Arbeit und dem Material (Betonplatten) der ehemaligen Dorfbewohner errichtet wurde. Nun aber wurde der Befestigungsrand der Allee von Traktoren aufgeackert, um weitere Ackerflächen zu gewinnen. Zum Schluß ihres Briefes beschrieb die Leserin den Zerfall der Häuser, die von den Deutschen durch die Aussiedlung verlassen wurden. Viele standen schon damals ohne Fenster, Türen und Dachziegel. Nachdem so die Neubürger ein Haus vernichtet hatten, zogen sie ganz einfach in ein neues.

Wie es nun in Kowatschi mit seinen Neubürgern, den Moldauern aussieht, konnte man im August 1991 in einer weiteren NBZ-Reportage erfahren. Grete Lambert zitierte den damaligen Bürgermeister der Gemeinde Sankt-Andres (der auch Kowatschi angehört): „Kowatschi ist das schwarze Schaf der Gemeinde". Dieser klagte, daß die zugezogenen Moldauer sich nicht eingliedern wollten und daß sie sich gegen die Gemeindeverwaltung stellten. Sie ließen auch die Häuser, in denen sie wohnten, verkommen; von den 250 Häusern des Dorfes waren schon 1991  70 unbewohnbar geworden. Die einzige positive Leistung, die man im Ort von Januar 1990 bis August 1991 verzeichnen konnte, war die Verlegung von anderthalb Kilometer Wasserleitung.

Aber die Neubürger Kowatschis widersetzten sich auch den Vorschriften des Gesetzes für die Bodenverteilung. Sie machten die Rechte der ehemaligen Bodenbesitzer streitig. Die Interessenverschiedenheit zwischen den ehemaligen Bodenbesitzern und den Neubürgern sorgte für ständige Unruhe. Im Dezember 1993 berichtete die Tageszeitung „Timisoara", daß am ersten Weihnachtstag 100 Bewohner des Dorfes endlich ihre Besitzurkunden für den zugeteilten Boden zur Hand bekamen.

Ansonsten ist Kowatschi, wie aus der „Timisoara" vom 4. Mai 1993 zu erfahren ist, die einzige ländliche Ortschaft des Kreises Temesch, die eine Partnerschaft mit dem französischen Verein „S. O. S. Villages Roumains" geschlossen hat. Trotz der Schwierigkeiten, die man diesem Verein an den Landesgrenzen machte, brachte man Kleider, Arzneimittel, Gemüsesamen, Fernsehgeräte und Heizöfen für die Schule und den Kindergarten, aber auch die Ausrüstung für eine Bäckerei. Schließlich ergriff der „S. O. S. Villages Roumains" auch die Initiative, die sechs Kilometer lange Straße, die Kowatschi mit der Landstraße Temeschburg - Arad verbindet, auszubauen und so auch bei schlechtem Wetter die Verbindung des Dorfes mit der Außenwelt zu sichern.

Dieser langersehnte Wunsch der Neubürger aus Kowatschi ging nun, wie die Tageszeitung „Realitatea banateana" (Banater Realität) vom 23. November 1995 berichtet, mit Hilfe ihrer französischen Freunde in Erfüllung. Die Partnergemeinde Schindretzheim schenkte 100.000 DM für die Asphaltierung dieser Verbindungsstraße. Die modernisierte Zufahrtsstraße zu Kowatschi wurde am 22. November 1995 feierlich seiner Bestimmung übergeben. Nun haben die Kowatschier einen weiteren heißen Wunsch; sie hätten gern ein einziges Telefongerät im Dorf, mit dem sie bei Bedarf auch um Hilfe rufen können. Der Anschluß kostet aber so viel Geld, daß man sehnsüchtig wieder auf einen ausländischen Spender wartet.

Januar 1996                                                                                                       Anton Zollner