DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (62)
 K ö n i g s h o f

Königshof (heute: Remetea Mica; ung.: Németremete), ist ein banat-schwäbisches Heckendorf gewesen, das in der Bergsau abseits von der Landstraße Temeschburg - Lippa liegt. Dafür hat das zur Gemeinde Blumenthal gehörende Dorf einen Bahnhof auf der Bahnstrecke Temeschburg - Radna. Wenigstens seit 1890 gehört dieses Schwabendorf ständig zu derselben Gemeinde.

Nach mehreren Autoren ist Königshof um 1770-71 von deutschen Kolonisten gegründet worden. In einer Zusammenfassung gibt auch Karl Kraushaar als Gründungszeit das Jahr 1771 an, aber zugleich behauptet er, daß die Ortschaft 1772 mit 30 Häusern angelegt wurde. Die Zahl der deutschen Bevölkerung ist später durch Binnenwanderung stark gestiegen. Massive Zuwanderungen sollen 1908 und in den Jahren 1936-38 stattgefunden haben.

Die Matrikelbücher sind in Königshof 1781 eingeführt worden, als hier eine kirchliche Verwaltung eingerichtet wurde. Die Pfarrei ist erst später, im Jahre 1807 gegründet worden, und die Kirche hatte man 1831 errichtet.

Die Zahl der Deutschen betrug 1910 schon 694 Seelen, die einen Bevölkerungsanteil von 92,5 Prozent stellten. Nach den Zuwanderungen aus den '30-er Jahren, zählte man 1940 sogar 982 deutsche Volkszugehörige. Demnach folgt, daß Königshof eine rein deutsche Ortschaft war. Im in der Nähe gelegenen Dorf Buzad lebten 1940  16 Deutsche. Wegen den bekannten Folgen des 2. Weltkrieges begann die Zahl der Deutschen in Königshof zu sinken. Dementsprechend nahm die Zahl der zugewanderten Fremden ständig zu, wodurch sich bald das Gefühl der „verlorenen Heimat" unter den verbliebenen Deutschen ausbreitete. 1977 zählte man bei einer ebenfalls ständig sinkenden Einwohnerzahl von 636 Personen nur noch 342 Deutsche. Bis 1992 vollzog sich auch die Umwandlung des einstigen Schwabendorfes in ein „Rußniaken"-Dorf. Von den nur noch 487 (!!) Dorfbewohnern bekannten sich bei der Volkszählung lediglich 14 Personen zum Deutschtum. Die Mehrheit bildeten nunmehr die Ruthenen (Ukrainer, die von den Rumänen auch "Rußniaken" bezeichnet werden) mit etwa über 250 Personen. Die Zahl der Rumänen stieg auch auf 193 Personen. Neben all diesen lebten auch noch 20 Ungarn, 4 Serben und 2 Zigeuner. Nach letzten Angaben der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Königshof, sollen im Februar 1996 im Heimatdorf nur noch zwei Deutsche verblieben sein.

Laut einer Reportage aus der „Banater Zeitung" (eine Beilage der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien") vom 26. Juli 1995 könnte die HOG-Meldung aber falsch sein, da die Reporterinnen H. Henresz und S. Alba damals vor Ort feststellen konnten, daß in Königshof ein einziger „Schwabe" lebte. Dieser Banater Schwabe war der 82-jährige Michael Schutz, einer der wenigen Rückkehrer aus Deutschland. Nachdem er 1994 zu seinen zwei Töchtern nach Deutschland „ausgesiedelt" ist, kehrte er noch im selben Jahr nach Königshof zurück. Er bezog wieder sein Haus, das er absichtlich nicht verkauft hatte, und behauptete kategorisch, daß man ihn von nun an „mit keinen sieben Pferden mehr aus Königshof wegkriegt". Jetzt fährt der alleinlebende Witwer nur noch zu Besuch nach Deutschland zu seinen Töchtern, oder diese besuchen ihn.

Vetter Michl bewirtschaftet nun eines der 270 Häuser aus Königshof, wie auch seinen Gemüse- bzw. Obstgarten. Täglich muß er sich sein Essen zubereiten, und nebenbei betätigt er sich auch noch als „Trommler". Als Kriegsinvalide bekam er bei der Bodenreform 5 ha Feld, die er einem Landwirtschaftsverein zur Bearbeitung übergeben hat. Zu seinem „Viehbestand" zählen ein Schwein, zwei Enten, ein Hund und eine Katze. All dies und eine Rente in Höhe von 140.000 Lei (Stand: Juli 1995), aber auch seine selbstgemachten 150 Liter Schnaps und 500 Liter Wein sollen seinen Lebensbedarf „reichlich" decken. Und sollte er vielleicht einmal pflegebedürftig werden, so hofft er auf die Hilfe der neuen Nachbarn. Den seelischen Trost sucht Vetter Michl an jedem Sonntag in der griechisch-katholischen Kirche (mit orientalischen Ritus), da, wie er behauptet, die römisch-katholische Kirche „nicht mehr benützt wird". Was für eine Zukunft hat noch die Heimatkirche in diesem Fall?

Auch in der Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 7. März 1995 wurde in zwei Reportagen einiges über das Königshof unserer Tage berichtet. In einem davon wird über die junge Kindergärtnerin Oxana Nemes berichtet, die täglich um 10 Uhr wegen den spärlichen Jausen ihrer Schützlinge besorgt ist. Vor einiger Zeit gab es hier noch eine Kantine, in der die Kinder sich noch satt essen konnten. Bald danach gab es hier nur noch die Möglichkeit, sich eine „Langosch" zu kaufen. Wegen der immer größeren Armut, die sich im Lande unaufhaltsam ausbreitet, gab es bis zuletzt diese auch nicht mehr. Nun bringt jedes Kind eben das als Jause mit, was die Eltern einen Tag zuvor auftreiben konnten. Manchmal ist dies auch nichts.

In der zweiten Reportage wird über eine von drei Neubürger-Frauen veranstalteten „Tratschpartie" berichtet, bei der sie sich über die Gemeindeobrigkeit beschwerten. Dabei ging es hauptsächlich um die gewesenen deutschen Häusern in Königshof, die sich heute mehrheitlich im Staatsbesitz befinden. Dabei zeichneten die Journalisten C. Basarab und M. Samânta an einer Straßenecke folgende Diskussion auf: „Duciuc's Nicolae zog aus einem staatlichen Haus in das andere um. Und was ist schon geschehen, wenn er die Ziegeln des über ihn zusammenfallenden Hauses holte und in das neue Haus steckte? Was will man von ihm, wenn doch beide Häuser jetzt dem Staat gehören?", sagte die eine Frau. Darauf antwortete die Zweite: „Mich versuchte man doch auch zu schikanieren, als ich mit den Ziegeln aus dem Keller, meinen Hofzaun errichtete. Was soll das, ist es mein Eigentum?" Da mischte sich schließlich die Dritte ins Gespräch: „In den 12 Jahren, seit ich hier wohne, habe ich vom der Gemeinde nur einen Sack mit Kalk und einen mit Zement erhalten. Ja, sollte ich mit nur soviel ein Haus instandhalten?". Ja, soll man sich da noch staunen, wenn man den Zerfall unserer gewesenen deutschen Dörfern sieht?

April 1997                                                                                                 Anton Zollner