DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (92)
 K l e i n - J e t s c h a

Klein-Jetscha (heute: Iecea Mica; ung.: Kisjécsa) liegt auf der Banater Heide, etwa 5 km südöstlich von Groß-Jetscha und auf der Landstraße Gertjanosch - Billed. Laut Gheorghe Drinovan ist die Siedlung schon 1467 dokumentarisch belegt worden; sie soll damals den Namen Öcse getragen haben. Nach Karl Kraushaar ist das Schwabendorf Klein-Jetscha 1770 mit deutschen Kolonisten neu angesiedelt worden. Die neue Siedlung bestand damals aus 100 Häusern. Laut Norbert Neidenbach hatte das Dorf am 31. Dezember 1771  479 Einwohner. Die hiesige Pfarrei ist 1772 eingerichtet worden, im selben Jahr führte man auch die Kirchenmatrikelbücher ein. Die katholische Kirche wurde am 24. April 1813 eingeweiht.

1890 hatte Klein-Jetscha mit 1.658 Dorfbewohnern die höchste Einwohnerzahl. 1910 lebten hier 1.308 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von 96 Prozent hatten, und der bis zum 2. Weltkrieg erhalten blieb. Im November 1940 hatte man hier 1.099 deutsche Volkszugehörige registriert. Nach dem Krieg sank auch hier die Zahl der Deutschen in hohem Maße, aber durch die vielen zugewanderten Rumänen, mußte das Dorf Ende der '50-er Jahren um etwa 75 Häuser erweitert werden. Bei der Volkszählung von 1977 befanden sich unter den 1.213 Einwohnern der Ortschaft nur noch 383 Deutsche. Die Zahl der Rumänen betrug damals 783 Personen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 1.113 Einwohnern Klein-Jetschas noch 20 Personen zum Deutschtum; die Zahl der hier lebenden Rumänen ist inzwischen auf 1.018 Personen gestiegen. Aber auch diese kleine Zahl sollte man nicht so ernst nehmen, da laut einer Meldung der „Neuen Banater Zeitung" schon einige Monate zuvor, im Oktober 1991 im einstigen Schwabendorf nur mehr 12 Deutsche gelebt haben. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Klein-Jetscha waren im Februar 1996 im Heimatort nur noch 8 Deutsche verblieben.

Über das heutige Leben aus Klein-Jetscha, das einst fast 100-prozentig von Banater Schwaben bewohnt war und in dem es heute fast keine Schwaben mehr gibt, ist in den letzten Jahren in den Temeschburger Zeitungen kaum noch etwas berichtet worden. Nur in drei Ausgaben der rumänischen Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) ist sehr spärlich etwas über Klein-Jetscha geschrieben worden. In einem der Berichte brachte der Bürgermeister der Gemeinde Gertjanosch, zu der heute auch das gewesene deutsche Dorf gehört, im Dezember 1996 seine Freude zum Ausdruck, daß die Klein-Jetschaer Schule nun endlich im Rahmen des PHARE-Programms repariert werden konnte. Stolz war der Bürgermeister damals auch, daß sich das Bürgermeisteramt endlich vornehmen konnte, die 5 km lange Gemeindestraße Groß-Jetscha - Klein-Jetscha wieder instandzusetzen. Im Oktober 1997 meldete das Gemeindeoberhaupt in derselben Zeitung, daß die geplante Straßenreparatur auch durchgeführt wurde. Diese Gemeindestraße ist ein Abschnitt der Landstraße, die 1902 als Schotterweg errichtet worden ist und die von Gertjanosch über Klein-Jetscha nach Groß-Jetscha führte. 1978 ist Klein-Jetscha über eine asphaltierte Landstraße auch mit Billed verbunden worden. In den nächsten Jahren sind auch diese Straßen wie fast alle anderen des Landes nicht mehr instandgehalten worden.

Im letzen Zeitungsbericht über Klein-Jetscha ging es um den alltäglichen und allgegenwärtigen Diebstahl. Im April 1997 hatte die Polizei drei Neubürger des gewesenen Schwabendorfes verhaftet, weil sie im Februar 1997 50 Säcke mit Düngemittel von der Handelsgesellschaft „Tandem junior" GmbH gestohlen hatten. Der Wert des Diebesgutes belief sich auf 2.850.000 Lei. Diese Straftat ist nun in einem Dorf, in dem vor einigen Jahrzehnten der Diebstahl unbekannt war, zu einem „Normaldelikt" geworden. Auf diese Weise verwandelte sich das einstige Klein-Jetscha langsam aber sicher zu dem heutigen Iecea Mica.

August 1998                                                                                                               Anton Zollner