DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (106)
 K e g l e w i t s c h h a u s e n

Keglewitschhausen (heute: Cheglevici; ung.: Keglevichháza) liegt im nordwestlichen Winkel des rumänischen Banats und gehört zu den Spätsiedlungen dieser Landschaft. Die Ortschaft wird von der im schlechten Zustand befindlichen Landstraße Groß-Sankt-Nikolaus - Alt-Beschenowa - Alt-Beba durchquert, sie verfügt aber über keinen Eisenbahnanschluß.

Die Siedlung soll laut Gheorghe Drinovan schon im Jahre 1000 dokumentarisch belegt worden sein, aber 1552 ist sie durch die Flucht ihrer Einwohner vor den Türken aufgegeben worden. Zur Neuansiedlung von „Keglevichháza" kam es laut Karl Kraushaar im Jahre 1807. Auf dem Vorschlag des Kameraladministrators Freiherr von Ambrozy hatte man 1840 bis 1847 in 19 Gemeinden ungarische, aber auch deutsche Tabakpflanzer zur Betreibung von Tabakkultur angesiedelt. Zu diesen gehörte auch „Keglevitshaza".

Keglewitschhausen war seit seiner Ansiedlung bis zu Ceausescus administrativ- territorialer Umstrukturierung des Landes im Jahre 1968 immer ein Gemeindezentrum gewesen. Heute ist es ein Dorf ohne eigene Verwaltung, das zur Gemeinde Alt-Beschenowa (heute amtlich: Dudestii Vechi) gehört.

1910 stellten die 1.031 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von 86,6 Prozent. Ihre Zahl sank aber seitdem ständig, bis das Dorf ohne Deutsche blieb. Im November 1940 wurden hier noch 986 deutsche Volkszugehörige registriert, aber bei der Volkszählung von 1977 hatten sie mit 269 Seelen nur noch einen Anteil von 33 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Der Rest der Bevölkerung bestand aus 265 Ungarn, 202 Rumänen und 72 Sonstigen. Bis Januar 1992 sank die gesamte Einwohnerzahl auf 577, was auf eine Tendenz der Entvölkerung Keglewitschhausens hindeutet. Von 1910 bis 1921 betrug diese Zahl immer 1.191. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich im Dorf noch 35 Personen zum Deutschtum. Diese lebten damals neben 310 Rumänen, 179 Ungarn und 53 Sonstigen. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Keglewitschhausen waren bis Februar 1995 im Heimatort nur mehr 12 Deutsche verblieben gewesen. Aber schon im Herbst desselben Jahres meldete die banater Presse, daß eine 75-jährige Frau als die letzte Deutsche Keglewitschhausen verlassen hatte, um im Temeschburger „Adam Müller-Guttenbrunn"-Altenheim aufgenommen zu werden. Damit ist auch hier das Deutschtum für immer ausgestorben.

Deutsche lebten aber einst auch im überwiegend von Bulgaren bewohnten Gemeindezentrum Alt-Beschenowa (heute amtlich: Dudestii Vechi; rum.: Besenova Veche; ung.: Óbessenyö; bulg.: Stár Bisnov) und in den zur Gemeinde gehörenden Dörfern Bulgarische Kolonie (amtlich: Colonia Bulgara; ung.: Bolgártelep) und Walkan (amtlich: Valcani; ung.: Valkány). In Alt-Beschenowa, wo 1737-38 vor den Türken flüchtende katholische Bulgaren angesiedelt wurden, lebten 1910  109 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von 1,7 Prozent hatten. 1940 wurden hier sogar 165 Personen deutscher Volkszugehörigkeit registriert. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich 17 Personen zum Deutschtum; die Bulgaren stellten mit einem Bevölkerungsanteil von 86,4 Prozent noch immer die Mehrheit. Das Dorf Bulgarische Kolonie ist 1845 von einer abtrünnigen Gruppe von Alt-Beschenowaern gegründet worden. Die Bevölkerungsmehrheit teilten sich die Bulgaren und die Ungarn. Neben diesen lebten auch einige Deutsche, 1910 waren es sogar 127 Seelen, die einen Bevölkerungsanteil von 17 Prozent stellten. 1992 lebten in dem zu einer Ruinenlandschaft heruntergekommenen Dorf 45 Ungarn, 43 Bulgaren und 15 Rumänen, dafür aber kein einziger Deutscher mehr. Von den 298 Häusern, in denen 1935  778 Einwohner lebten, standen 1994 nur noch 32. Ansonsten gab es damals hier keinen Lebensmittelladen, keine Bäckerei, keinen Friseur, keine Apotheke, keinen Arzt und nicht einmal ein Telefon. Im von Rumänen bewohnten Walkan hatten die Deutschen vor dem letzten Krieg immer mit etwa 100 Seelen einen Bevölkerungsanteil von über 2 Prozent. 1992 bekannten sich hier noch 5 Personen zum Deutschtum.

Nach meinen Beobachtungen ist es anzunehmen, daß in den letzten 15 Jahren in der banater und rumäniendeutschen Presse über Keglewitschhausen nichts berichtet wurde. Lediglich in zwei rumänischen Zeitungen aus Temeschburg wurde nur wenig über das einstige Schwabendörfchen geschrieben. Im Juni 1994 berichtete die „Timisoara", daß Elena Perian hier eine Molkerei gegründet hat. Nach ihrer Meinung zahlte sie für die von den Bauern gelieferte Milch einen guten Preis, und so wurde sie bald eine gefragte Milchaufkäuferin. Sie wollte aber nicht lange nur Käsesorten produzieren, sondern sie plante eine Expandierung zu einem Milchverarbeitungsbetrieb, der seine Erzeugnisse auch im Ausland absetzen soll.

Über einen weniger erfreulichen Zustand berichtete im November 1997 die „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt). Als der Zeitungsreporter an einem Novembertag durch Keglewitschhausen ging, fiel es ihm auf, daß er trotz der niedrigen Außentemperatur, aus den Rauchfängen der Allgemeinschule keinen Rauch aufsteigen sah. Als er dort eintrat, mußte er feststellen, daß 74 Schüler in ungeheizten Klassenräumen lernen mußten. Die Begründung war, daß für das Spalten der großen Holzklötze kein Mann zur Verfügung stand, weil man sich in der Wahlkampagne für die Bürgermeisterwahl befand. Außerdem mußte der Journalist feststellen, daß es in der Schule auch keine Lehrmittel gab, von einem Chemielabor gar nicht mehr zu sprechen. Das vorhandene Lehrmaterial, das aus Lese- und Anschauungsmaterial bestand, beinhaltete noch immer Texte aus Ceausescus „goldenen Epoche". Als Beispiele für Presseerzeugnisse wurde die „Scînteia" (Organ des Zks der RKP), die Pionierzeitschrift „Cutezatorii" und die Zeitschrift der „Falken des Vaterlandes" „Luminita" angegeben. Die Landkarte trug noch immer die Überschrift „Sozialistische Republik Rumänien", und die an den Wänden angebrachten Satzübungen lauteten: „Die Arbeiter haben ihren Produktionsplan erfüllt", „Die Genossenschaftsbauern fahren reiche Ernten ein" und „Die Pioniere arbeiten im Schulgarten".

Dafür haben aber viele Schüler niemals durch ein Mikroskop geschaut oder einem chemischen Versuch beigewohnt. Auf die an die Lehrkräften gerichtete Frage, was sie sich am liebsten für die Schule wünschen würden, antworteten sie dem Reporter: „Kachelofenheizung und einen Sportsaal". Soll es in Keglewitschhausen so schwierig sein, solch einfache und selbstverständliche Wünsche zu erfüllen?

Juli 1999                                                                                                            Anton Zollner