DURCH GEWESENE DEUTSCHE ORTSCHAFTEN DES BANATS (50)
K a r a n s e b e s c h

Über das mittelalterliche Karansebesch wird in meinem Beitrag „Die Karansebescher Burg“ ausführlich berichtet. Die heutige Stadt Karansebesch (amtlich: Caransebes; ung.: Karánsebes) liegt an der Stelle, wo die Sebesch in die Temesch mündet, die von hier an, sich vom Banater Bergland befreiend, ihren Lauf durch die Banater Ebene beginnt. Durch die Stadt führt die Landstraße DN6 Temeschburg – Orschowa, die zugleich einen Teil der Europastraße E-70 bildet. Hier befinden sich auch die Ausgangspunkte der Landstraßen DN58 Karansebesch – Hatzeg und Karansebesch – Reschitz, also zur Hauptstadt des Landkreises. Karansebesch ist auch an das Eisenbahnnetz über die Hauptstrecke Temeschburg – Bukarest angeschlossen.

Laut ungarischen Quellen gab es hier schon 1522 in Karansebesch eine Goldwäscherei, die auch 1845 wieder dokumentarisch erwähnt wurde. Ab 1768 war die Ortschaft Sitz eines „walachischen Distriktes". Graf Mercy teilte damals das Banat in 12 Verwaltungsdistrikte auf. 1803 fand der Umzug des Kommandos des „Walachisch-Illyrischen“ Regiments der 1751 errichteten Militärgrenze (Confinium Militare) von Weißkirchen nach Karansebesch statt.  Durch die mehrheitliche walachische Bevölkerung der Ortschaft und ihrer Umgebung blieb die „Hauptstadt der Gugulanen" bis heute von der rumänischen Bevölkerung geprägt. Deswegen entstand hier schon in der Habsburger Monarchie ein Zentrum der Orthodoxie und der rumänischen Kultur des Banats. In der Zwischenkriegszeit war Karansebesch Sitz eines Stuhlbezirks, und nach dem 2. Weltkrieg wurde die Stadt zum Sitz eines Rayons der Region Banat. Heute hat die Stadt keine Sonderrolle mehr in der Verwaltung des Kreises Karasch-Severin, aber hier sind noch immer wichtige Behörden angesiedelt.

Aus den päpstlichen Steuerlisten ist zu erkennen, dass bereits 1333 hier eine katholische Pfarrei existierte, die 1723 restauriert wurde. Laut Karl Kraushaar soll dies schon zwischen 1717 und 1720 geschehen sein. Seit 1725 werden in dieser Pfarrei die Matrikelbücher geführt. Die heutige katholische Kirche ist 1733 der „Unbefleckten Empfängnis Mariens“ geweiht worden.

Laut Georg Hromadka ließen sich 1719 die ersten österreichischen Handwerker und Kaufleute in Karansebesch nieder. Nach Dr. Johann Wolf soll Karansebesch 1725 mit Deutschen angesiedelt worden sein. 1812-1813 folgte dann auch die Ansiedlung des „Schwowedorfs“ Neu-Karansebesch, das heute ein Ortsteil der Stadt ist, mit deutschen Kolonisten. Den Dialekt der Karansebescher deutschen Bevölkerung stuft derselbe Autor als „baierisch-österreicherisch" ein. 1910 stellten die 2.419 Deutschen aus Karansebesch einen Bevölkerungsanteil von fast einen Drittel dar; in Neu-Karansebesch bildeten die 569 Deutschen drei Viertel der Gesamtbevölkerung. Bis 1940 sank diese Zahl in Karansebesch auf 2.293, in Neu-Karansebesch stieg sie aber auf 751. Dementsprechend entwickelte sich auch der Bevölkerungsanteil der Deutschen; in Karansebesch sank er auf etwa einem Viertel und in Neu-Karansebesch stieg er auf fast 90 Prozent. 1977 zählte man in Karansebesch (mit dem Stadtteil Neu-Karansebesch) bei 27.190 Einwohnern noch 1.988 Deutsche. Bei der Volkszählung, die im Januar 1992 stattfand, bekannten sich noch immer von den 31.985 Einwohnern der Stadt 1.201 Personen zum Deutschtum. Ihr Anteil belief sich aber nur noch auf  3,75 Prozent der Gesamtbevölkerung. Neben den wenigen Bekennern zum Deutschtum lebten hier vor vier Jahren auch noch 28.659 Rumänen, 464 Ungarn, 65 Serben, 737 Zigeuner und 859 Sonstige. Von den 1.201 Deutschen, die 1992 noch hier gezählt wurden, sollen am Anfang des Jahres 1996 laut Angaben der HOG Karansebesch nur noch etwa 80 im Heimatort verblieben sein.

Auch in den rumänischen Dörfern aus der Gegend lebten 1940 vereinzelt Deutsche unter der Mehrheitsbevölkerung. So gab es nördlich der Stadt entlang der E-70- Straße in Richtung Lugosch Deutsche in den Dörfern Jupa (ung.: Zsuppa) – 107 (1992 = 21), Prisaca (ung.: Gyepesfalú) - 10 und Cavaran (heute amtlich: Constantin Daicoviciu; ung.: Kavarán) - 46. Westlich von Karansebesch, in Richtung Reschitz und an der Grenze zum Kreis Temesch lebten auch Deutsche in den folgenden rumänischen Dörfern: Valea Boului (heute amtlich: Paltinis; ung.: Ökörpatak) - 25, Brebu - 57, Zorlentu Mare (ung.: Alsózorlencz) - 44, Fârliug (ung.: Furlug) - 22, Scaius (ung.: Bojtorjános) - 16, Apadia (ung.: Apádia) - 12 und Duleu (ung.: Dullo). Letzteres ist das einzige Dorf der Umgebung, das auch einen deutschen Namen erhalten hat: Felsenthal. Hier lebten 1940  127 Deutsche. Sie hatten drei Jahrzehnte lang, bis zum 2. Weltkrieg einen Bevölkerungsanteil von etwa 10 Prozent, zeitweilig auch mehr. Und schließlich gab es einige rumänische Bergdörfer um Karansebesch, in denen 1940 nur ganz wenige Deutsche lebten, wie in Borlova (ung.: Borló) - 24, Golet (ung.: Galacs) - 20 und in Petrosnita (ung.: Pétresfalva) - 12.

In der Temeschburger Presse wird über das heutige Karansebesch nur sehr spärlich berichtet. Es könnte aber möglich sein, dass die Presse des Kreises Karasch-Severin mehr über seine Städte und Dörfer schreibt. Allein die Tageszeitung „Timisoara" schrieb in ihrer Ausgabe vom 1. Dezember 1995 in einer Reportage, was sich in unseren Tagen in dem einst idyllischen Städtchen abspielt, dort, wo man einst im Gasthaus „Zum grünen Baum" in fröhlicher Geselligkeit das Leben noch genießen konnte. Als Beispiel für das heutige „gesellige" Leben wird das „Wohnviertel der Jugend" angegeben, das man im Volksmund „Katanga" nennt. Dieser Namen soll auf den total unzivilisierten Zustand dieses Stadtviertels hinweisen, dessen Bewohner meist von kaffeebrauner Farbe sind. Die Mehrheit
dieser Leute aus „Katanga" verbringen den größten Teil des Tages in sogenannten „Bombas", wie man im Banat die ordinärsten Kneipen nennt. Diese schossen hier nach 1990 wie „Pilze nach dem Regen" aus dem Boden. Zu den Stammgästen dieser unhygienischen „Saufbuden" zählen meist Männer, die ihren fast immerwährenden Durst mit gut über eineinhalben Liter Wodka pro Kneipenbesuch löschen. Da ist es auch nicht erstaunlich, dass hie und da ein Gast, der seinen Durst auf diese Art gelöscht hat, zu einem 30 cm langen Schlachtmesser greift und seinen „Saufbruder" ganz einfach aufschlitzt, wie dies Ende November 1995 geschah.

Soll das nun die „alte Heimat" sein, in der wir und unsere Ahnen einst, wenn auch nicht immer fröhlich, aber dafür meist friedlich lebten? Man könnte meinen, dass in den Ortschaften, die von den Deutschen verlassen wurden, das soziale Leben sintflutartig zusammengebrochen ist.

August 1996                                                                                                                 Anton Zollner