DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (96)
 B a d   K a l a t s c h a

Eigentlich war die nach Gh. Drinovan schon seit 1356 dokumentarisch belegte Ortschaft Kalatscha (amtlich: Calacea, ung.: Temeskalácsa) im richtigen Sinne niemals ein deutsches Dorf. Vielmehr war das 5 km vom Dorf entfernte Bad mit demselben Namen 36 Jahre lang ein deutscher Kurort. Das Dorf Kalatscha liegt etwa 4 km westlich vom Gemeindezentrum Orzydorf. Der nächste Bahnhof befindet sich in Orzydorf. Ebenfalls etwa 4 km beträgt die Entfernung zwischen dem Kurort Kalatscha und Mercydorf, dessen Bahnhof bemerkenswert die Benennung „Baile Calacea" (Bad Kalatscha) trägt.

1910 stellten die 192 deutschen Einwohner des überwiegend rumänischen Dorfes Kalatscha einen Bevölkerungsanteil von 17,5 Prozent. In den folgenden Jahren sank sowohl die Zahl der Deutschen als auch ihr Anteil an den Dorfbewohnern ständig. 1940 sind hier 162 deutsche Volkszugehörige registriert worden. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich noch 32 Personen zum Deutschtum, aber laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft in Deutschland sollen im Februar 1996 in Kalatscha nur noch 5 Personen deutscher Volkszugehörigkeit verblieben gewesen sein.

Dafür ist aber Bad Kalatscha als ein deutscher Familienbetrieb entstanden. Das Thermalwasser ist hier durch Zufall entdeckt worden. Die Gräfin Iphigenia d'Harcourt ließ 1904 auf ihrem Gut einen Brunnen bohren, aber das Unternehmen verlief erfolglos. Erst im nächsten Jahr stieß man in einer Tiefe von 515 m auf Wasser, aber es war nicht das ersehnte Trinkwasser, sondern Thermalwasser, das eine Temperatur von 39° C hatte. Am Anfang des Jahres 1910 erwarben die Eheleute Stefan und Margareta Keller aus Orzydorf das erwähnte Gut, auf dem sich die Thermalwasserquelle befand. Dem Rat des Orzydorfer Kreisarztes Dr. Josef Parche folgend, kam der schwer an Rheuma leidende Orzydorfer Michael Amseln im Jahre 1911 auf das Gut der Kellers, um zu versuchen, durch Thermalwasserbäder sein Leiden zu lindern. Nach nur zwei Kuren war der völlig gehbehinderte Mann wieder geheilt. Dies veranlaßte den Kreisarzt, die Gesundheitsbehörde über den Heilerfolg der Thermalwasserkur in Kenntnis zu setzen.

1912 richtete Keller zwei Kammern mit Badewannen ein, und die Behörden genehmigten einen Probebetrieb des so entstehenden Heilbades Kalatscha. Die Patienten kamen mit eigenen Fuhrwerken, und nach dem Baden fuhren sie wieder heim. Nachdem die Heilkraft des Thermalwassers bekannter wurde, hatte man hier 1913 schon 5 eingerichtete Badezimmer.

Zu einem richtigen Kurort wurde Bad Kalatscha erst nach dem Ersten Weltkrieg. Das Gebäude wurde auf 20 Badezimmer erweitert, und für die Verpflegung der Kurgäste ist ein Gasthaus eröffnet worden, gleichzeitig war aber auch die Selbstverpflegung erlaubt. Schon damals konnten hier bedürftige Menschen ihr Leiden lindern, so wie dies auch heute noch der Fall ist. Bald kamen aber auch Kurgäste aus der Ferne, und die deutsche Unternehmerfamilie mußte dann für die Errichtung von Unterkünften sorgen. So entstand neben dem Badgebäude der „Magdalenahof" und 1926 das Gästehaus „Marienheim", neben dem auch eine Kapelle errichtet wurde. In dieser Zeit sind auch der Park und die Blumenbeete angelegt worden. Bald war es soweit, daß das ausschließlich von der Familie Keller betriebene Kurbad gleichzeitig bis zu 200 Kurgästen Unterkunft und Verpflegung bieten konnte. Die Weiterentwicklung dieses Kurbetriebs ist 1948 unterbrochen worden, als man die Familie Keller enteignete und das Kurbad verstaatlichte.

In der nachfolgenden Zeit ist das Kurbad Kalatscha von den Temeschburger Gesundheitsbehörden betrieben worden. Die Kurgäste waren nun „Werktätige", die von ihren Gewerkschaften oder von ihrer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften verbilligte Kurkarten erhalten haben. Man hatte in den nächsten Jahren keine größere Erweiterungen mehr, unternommen, der Kurbetrieb wurde mehr schlecht als recht aufrechterhalten.

Richtige Schwierigkeiten kamen auf das Kalatschaer Kurbad erst in der postkommunistischen Zeit zu. Nachdem Jahrzehnte lang hier nichts investiert wurde, befinden sich die Bauten heute in einem sehr abgenutzten Zustand, und die Badeanlagen sind auch überaltert. Trotz dieser Lage wurde nach 1990 um den Besitz des Heilbades Kalatscha kräftig gerungen. Der Temescher Kreisrat, in dessen Besitz sich nun das Bad befand, wollte den Betrieb wieder in Ordnung bringen und ihn selbst betreiben. Andere Gremien waren dagegen und wandelten den Staatsbetrieb in eine Handelsgesellschaft um. Diese wollte dann den Betrieb mit Hilfe von Zuzahlungen seitens der Gewerkschaften aufrechterhalten. Diese spielten aber nicht mit, und so blieb das Bad ohne Kurgäste; der Kurbetrieb mußte Anfang 1996 eingestellt werden. Nachdem man keinen einheimischen Investor fand, beschloß der Kreisrat, das Kurbad für eine internationale Versteigerung freizugeben. Sehr interessiert an einer Übernahme zeigte sich auch die Temeschburger Klinik für Physiotherapie. Der Kreisrat blieb aber auch weiterhin unentschlossen und unternahm lieber nichts. Währenddessen verfiel das Bad auch ungenutzt weiter. Statt hier Rheumaleiden, Nierenkrankheiten und Verdauungsstörungen zu heilen, ließ man das sich auf 22 Hektar erstreckende Heilbad verkommen. Inzwischen meldeten auch sechs Erben des letzten Besitzers ihren Anspruch auf den Besitz des Kalatschaer Kurbads an.

Im Juni 1997 meldete die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien", daß der Kurbetrieb Kalatscha schon vor einem Jahr einem Manager „unterstellt" wurde. Dipl. Ing. Mircea Meltes soll im Laufe eines Jahres Bad Kalatscha wieder in Gang gebracht haben. 63 Kurgäste sollen jetzt hier verpflegt und untergebracht werden. Die nötigen Lebensmittel sollen in der eigenen Nebenwirtschaft erzeugt werden. Für das Wohl der Kurgäste, die nun doch ihre Kurkarten von ihren Gewerkschaften und von ihren Arbeitgebern erhalten sollen, sorgen 19 Angestellte. Der Manager hoffte auf eine baldige Privatisierung, aber trotz aller Bemühungen hat er es nicht geschafft, den Kurbetrieb zu rentabilisieren. Trotz geringer Kapazität ist das Kurbad noch lange nicht voll ausgebucht. Wie die Erfahrung zeigt, bräuchte Baile Calacea fleißige Eigentümer anstatt Versuchsmanager.

Oktober 1998                                                                                                               Anton Zollner