DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (59)
 J o s e f s d o r f

Josefsdorf (heute: Iosifalau; ung.: Józseffalva) liegt auf der Europastraße E-70 zwischen Temeschburg und Lugosch, von dem es 22 km entfernt ist. Das gewesene Schwabendorf befindet sich im Bega-Tal, aber es gehört noch zu der Banater Heckenlandschaft, da es am Rande des Lippaer Hochlandes angesiedelt ist.

Josefsdorf ist kein Kolonistendorf, da es durch Binnenwanderung erst spät entstanden ist. Als sich die Deutschen hier niederließen, nannte man sie auch Ądie Flüchtlinge aus Elisenhain". Elisenhain, das in der Nähe der Mündung der Bega in die Theiß lag, war sehr häufig den Überschwemmungen ausgesetzt, und deswegen mußte die Bevölkerung an einem geschützteren Ort umgesiedelt werden. Durch die Umsiedlung der Elisenhainer Bevölkerung in einen höher gelegenen Ort ist Josefsdorf entstanden. Doch hier mußten die Umsiedler bald feststellen, daß sie im neuen Heimatdorf statt des guten Humusbodens von der Theißebene auf einem kargen, lehmigen Boden saßen. Anbauen konnte man nur Getreide, Tabak und Zirok. Da die Landwirtschaft den Josefsdorfern nicht zum erwarteten Wohlstand verhalf, suchte ein Teil von ihnen ihr Glück in Amerika, und andere machten Josefsdorf durch seine Basaltgruben berühmt.

Als die Gründer Josefsdorfs kann man die ersten 162 Elisenhainer Familien betrachten, die sich hier laut Hans Klein um die Jahreswende 1881-82 niederließen. Gh. Drinovan gibt 1882 als Ansiedlungsjahr der einst rein deutschen Ortschaft an. Die Zahl der Dorfbewohner soll, wie H. Klein behauptet, gleich danach auf 1.300 Seelen gestiegen sein. Dies müßte aber dann auch der Höchststand in der Geschichte des Dorfes gewesen sein, weil im Jahre 1910 die hier lebenden 1.023 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von fast 95 Prozent stellten. Im Jahre 1940 ließen sich in Josefsdorf 817 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren; das waren 60 Personen mehr als zehn Jahre zuvor.

Nach dem Zweiten Weltkrieg sank nicht nur die Zahl der Deutschen, sondern auch die Zahl aller Dorfbewohner drastisch. Bei der Volkszählung von 1977 lebten in Josefsdorf bei nur noch 492 Einwohnern 323 Deutsche; den Rest bildeten 114 Rumänen, 35 Ungarn und 20 Sonstige. Im Januar 1992 bekannten sich hier von den 548 Einwohnern nur noch 25 Personen zum Deutschtum, aber Anfang 1995 sollen hier wieder 29 Deutsche gelebt haben.

Auch im heutigen Gemeindezentrum Groß-Toplowetz (amtlich: Topolovatu Mare; ung.: Nagytopoly) und im zur Gemeinde gehörenden Dorf Sustra lebten 1940 36 bzw. 11 Deutsche. Laut der im Januar 1992 ermittelten Zahlen sollen sich damals in der gesamten Gemeinde Groß-Toplowetz, außer den 25 Deutschen aus Josefsdorf noch 5 Personen zum Deutschtum bekannt  haben: vier in Groß-Toplowetz und einer in Ictar-Budint.

Aktuelle Berichte über Josesfsdorf gab es in den letzten sieben Jahren in keiner der banater deutschen oder rumänischen Zeitungen zu lesen. Demnach scheint es, als würde das einstige Schwabendorf im Dornröschenschlaf versunken sein. Ein deutsches Gemeinschaftsleben kann es hier auch mit den 29 Deutschen (etwa 5 Prozent der Gesamtbevölkerung) nicht mehr geben. Deswegen gibt es hier auch kein Ortsforum der Banater Deutschen. Die letzte deutsche Großveranstaltung fand hier im August 1982 statt, als das 100-jährige Jubiläum der Ansiedlung Josefsdorfs gefeiert wurde.

Interessant wäre nun zu erfahren, was aus der 1937 aus eigener Kraft der Josefsdorfer Katholiken erbauten Kirche geworden ist. Daß unter ihrem Dach keine Kirchweih mehr gefeiert wird, kann als sicher angenommen werden. Man kann auch nur hoffen, daß sie mit dem Aussterben der in der alten Heimat verbliebenen Josefsdorfern nicht, wie es schon in einigen gewesenen deutschen Dörfern der Fall war, zweckentfremdet wird. Die wenigen Deutschen und die noch weniger Ungarn werden aber auf die Dauer nicht imstande sein, ihre Dorfkirche, die auch keinen Pfarrer mehr hat, zu pflegen und zu erhalten.

Februar 1997                                                                                                            Anton Zollner