DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (32)
 I  w  a  n  d  a

Wie der Name des Dorfes vermuten läßt, lebte in Iwanda eine gemischte Bevölkerung. Die Deutschen erreichten ihre Höchstzahl 1940 mit 319 Seelen, die einen Bevölkerungsanteil von etwa 22 Prozent ausmachten. 1910 betrug ihre Zahl 301 und sie hatten damals einen Bevölkerungsanteil von über 20 Prozent. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich hier von den 539 Dorfbewohner nur noch 5 Personen zum Deutschtum. Iwanda war damals noch von 344 Rumänen, 168 Serben, 20 Ungarn und 2 Sonstigen bewohnt.

Berühmt wurde das von Temeschburg 36 km südwestlich liegende Dorf erst Mitte des 19. Jahrhunderts, als man die Heilwirkung seiner „Bitterwasser"-Quellen erkannte. Der Journalist Luzian Geier behauptete in der „Neuen Banater Zeitung" vom 9. Oktober 1985, daß während des 2. Weltkrieges die Verwertung des Iwandaer „Bitterwassers" eingestellt wurde. In der Nachkriegszeit wurden die Quellen durch die in der Nähe errichteten Stallungen der Viehzüchter des Staatlichen Landwirtschaftsbetriebs (SLB = IAS) so verunreinigt, daß man das Heilwasser nur noch aufgekocht trinken konnte. Alle Bemühungen einiger Idealisten, die Iwandaer Heilquellen wieder auszubeuten, blieben bis zu den Dezemberereignissen des Jahres 1989 erfolglos.

Erst am 18. Februar 1994 berichtete die rumänische Tageszeitung „Timisoara", daß das Gelände, auf dem sich die Heilquellen befinden, vom Perjamoscher Johann Hermann gekauft wurde, der mit der Verwertung des Mineralwassers wieder beginnen möchte. Dies sollte aber im Rahmen der „rumänischen Marktwirtschaft" keine leichte Sache werden. Vor allem mußte sich der „Unternehmer" unter die „Patenschaft" des staatlichen Betriebs „Aquatim" stellen und dann ein Dach über die Quellen errichten. Erst danach sollte er mit der Reinigung der Quellen und der Montage der Pumpen und Abfüllanlagen beginnen. Mit diesen Arbeiten konnte man aber nicht anfangen, weil zu jener Zeit die Genehmigung seitens des Gesundheitsministeriums noch fehlte. Währenddessen wartete die banater Bevölkerung sehnsüchtig auf das Iwandaer Heilwasser, das die in den Apotheken fehlenden Arzneimittel ersetzen sollte.

In einem weiteren Bericht über Iwanda, der am 23. Oktober 1995 in der Tageszeitung „Realitatea banateana" (Banater Realität) erschienen ist, wird die jetzige Lage der Grundschule geschildert. In den 249 Familien, die zur Zeit in Iwanda leben, gibt es nur 36 Kinder, die die hiesige Schule besuchen. Deutsche Kinder gibt es in Iwanda keine mehr. Das Gebäude der Schule befindet sich in so einem desolaten Zustand, daß einige Klassenräume so lebensgefährlich sind, daß in ihnen der Unterricht untersagt wurde. In den verbliebenen zwei Räumen werden die 1. Klasse bzw. die 2. bis 4. Klasse simultan unterrichtet. Der letztere Raum ist aber auch so beschädigt, daß wegen der Absturzgefahr der Decke die Schüler in einer hinteren Ecke zusammengepfercht wurden. Dazu kam auch noch das Pech, daß ein vor der Schule arbeitende Kran die Schultoilette umstieß. An deren Stelle wurde eine Holzbaracke erbaut, die nun als Toilette dienen soll. Die zuständigen Behörden versuchen nicht einmal die Eltern mit einem Versprechen zu trösten, weil es einfach für die Reparatur kein Geld mehr gibt.

Einige Tage danach ist in derselben Zeitung ein weiterer Beitrag über Iwanda mit der Überschrift „Requiem für die Kirche mit einem Gläubigen" erschienen. Darin wird berichtet, daß es im Dorf zwei Kirchen gibt, die serbisch-orthodoxe und die römisch-katholische. Aber während die erstere von immer mehr rumänischen Orthodoxen besucht wird, betet in der zweiten nur noch eine Person: die letzte deutsche Seniorin, die in Iwanda verblieben ist. Vor der katholischen Kirche steht auch noch ein von den Deutschen errichtetes Kruzifix auf einem Steinsockel. In dem ehemaligen von einem Eisenzaun umgebenen „Blumengarten" wachsen nur noch Disteln und Unkraut. Zu den Spuren, die das Deutschtum in Iwanda hinterlassen hat, gehört auch eine 1936 an die Kirchenwand befestigte Marmortafel mit dem Namen der acht im 1. Weltkrieg gefallenen Deutschen. An die 13 Gefallenen im 2. Weltkrieg, die fünf Opfer der Flucht, die drei Opfer der rumänischen Internierungslager und an die eine tote im Lager von Donbass wird in Iwanda nie mehr etwas erinnern. Für sie kann man in der „Kirche mit einem Gläubigen" nur noch ein Requiem lesen. Aber viel Zeit dafür bleibt nicht mehr und darum sollte dies vielleicht noch vor dem „Requiem für die Kirche mit der letzten deutschen Iwandaerin" geschehen.

Januar 1996                                                                                                              Anton Zollner