DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS ( 75 )
 H o p s e n i t z

Hopsenitz, auch als Ofsenitz und Offsenitza bekannt (amtlich: Ofsenita; ung.: Karácsonyfalva), liegt westlich von Detta und nördlich vom Gemeindesitz Banlok in der Banater Ebene. Das Dorf ist über einen einzigen Verkehrsweg, einer mit Schotter belegten Gemeindestraße mit dem Gemeindezentrum verbunden. Das einzige Verkehrsmittel, das vor etwa zwei Jahrzehnten noch Hopsenitz mit dem Rest der Welt verband, war ein Bus. Als Kommunikationsmittel diente damals nur ein Fernsprechgerät.

Aber Hopsenitz war nicht nur verkehrsmäßig von seiner Umgebung isoliert. Die Ortschaft war auch sonst kaum im Banat bekannt. Außerhalb seiner engsten Umgebung wurde Hopsenitz erst durch das Pseudonym des Temeschburger Schauspielers Hans Kehrer alias Stefan Heinz wahrgenommen. Durch seine besonders gut gelungenen Rolle als „Vetter Matz vun Hopsenitz" machte er seinerzeit „sein Heimatdorf" Hopsenitz auch über die Grenzen des Banats hinaus bekannt. Hopsenitz war aber niemals Hans Kehrers wahres Heimatdorf, da der Pädagoge, Journalist, Schriftsteller und Schauspieler eigentlich in Totina (Klein-Sankt-Peter) geboren wurde.

Hopsenitz ist laut Karl Kraushaar 1807 mit Deutschen angesiedelt worden. Zugleich hatte man auch die Pfarrei gegründet und das Kirchenmatrikelbuch eingeführt. Eben darum ist es nicht zu begreifen, warum Gheorghe Drinovan in seiner „Mikromonographie des Kreises Temesch" 1850 als das Jahr der dokumentarischen Belegung dieses Dorfes angibt. Dieses Belegungsjahr wurde nun in dem vor kurzem vom Temescher Kreisrat herausgegebenen „Mikromonographischen Führer" übernommen.

1910 lebten in Hopsenitz 728 Deutsche, die bis etwa 1940 einen Bevölkerungsanteil von über 71 Prozent stellten. Im November 1940 wurden hier 788 deutsche Volkszugehörige registriert. Obwohl zahlenmäßig klein, mußten viele Bewohner des Schwabendörfchens in den beiden Weltkriegen ihr Leben opfern. Im Ersten Weltkrieg hatten die Hopsenitzer 28 Tote zu beklagen. Der Zweite Weltkrieg verlangte schon mehr als das Doppelte dieser Zahl als Menschenopfer. Durch die Kriegsereignisse mußten 59 Männer ihr Leben verlieren. Die Hopsenitzer hatten auch 23 Tote während der Rußlanddeportation zu beklagen. Selbst in den kommunistischen Internierungslagern mußten zwei Personen sterben. Den Hopsenitzern gebührt ein besonderes Lob für die Errichtung eines Denkmals auch für die Opfer des Zweiten Weltkriegs, und zwar in einer Zeit, in der man sich in anderen deutschen Dörfern so etwas gar nicht vorstellen konnte.

Nach dem Krieg schrumpfte die deutsche Bevölkerung auch hier unaufhaltsam. Trotzdem bildeten 1977 die 271 deutschen Volkszugehörigen noch immer die Mehrheit der 567 Dorfbewohner. Bis zur Volkszählung von 1992 sank die Zahl jener, die sich zum Deutschtum bekannten, auf 43 Personen. Zugleich schrumpfte auch die gesamte Bevölkerung auf nur noch 342 Einwohner; die Mehrheit bildeten nun die 213 Rumänen. Neben diesen lebten vor fast sechs Jahren auch 31 Zigeuner, 25 Ungarn, 14 Serben und 16 Sonstige. Heute lebt in Hopsenitz kein einziger Deutscher mehr.

1910 lebten auch im heutigen Gemeindezentrum Banlok (amtlich: Banloc; ung.: Bánlak) 205 Deutsche. Ihre Zahl verminderte sich aber noch vor dem Zweiten Weltkrieg auf 35 Personen. 1940 wurden auch in den zur Gemeinde Banlok gehörenden Dörfern einige Deutsche registriert: in Partos (ung.: Partos) - 34 und in Soca (ung.: Karácsonyliget) - 11. 1992 bekannten sich in diesen Ortschaften nur noch insgesamt 8 Personen zum Deutschtum: 7 in Banlok und eine in Soca.

Nicht zu übersehen ist die Tatsache, daß wenigstens in den letzten 14 Jahren keine deutschsprachige banater Zeitung etwas über Hopsenitz zu berichten hatte. Dasselbe gilt nun auch für die Temeschburger rumänischen Zeitungen nach Dezember 1989. Aber auch keine der hiesigen Heimatzeitungen und -zeitschriften hat etwas über dieses banat-schwäbische Dorf geschrieben. Wenigstens die Schilderung des vollzogenen Niedergangs dieses Schwabendörfchens sind wir den Nachkommen der einstigen Hopsenitzer schuldig.

November 1997                                                                                         Anton Zollner