DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (49)
Deutsche im Tscherna-Tal

In der Banater Geschichte hatte die Burg von Mehadia als Bollwerk gegen die aus dem Südosten einbrechenden Feinde eine besondere Rolle gehabt. Für eine lange Zeit war sie die erste Wehrburg im Landesinneren, die der Verteidigung Temeschburgs diente, und sie blieb dies auch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Die heutige Gemeinde Mehadia befindet sich in der Nähe jener Stelle, an der das Flüsschen Mehadica, aus dem Semenik-Gebirge  entspringend, in die aus den Südkarpaten kommende Tscherna (ung.: Cserna) mündet.

Karl Kraushaar gibt in seinem Verzeichnis der im 18. und 19. Jahrhundert angesiedelten Banater Dörfer 1740 als das Jahr der Ansiedlung Mehadias an. Es ist aber anzunehmen, dass nach der Einquartierung der Grenzplajaschen des „Wallachisch-Illyrischen“ Regiments der Banater Militärgrenze in Mehadia, sich hier österreichische Offiziere, Handwerker, Lehrer und andere niederließen. 1764 soll man die Ortschaft mit deutschen Ansiedlern erweitert haben. Die katholische Pfarrei ist 1740 gegründet worden, als man hier auch die Kirchenmatrikelbücher einführte. Im selben Jahr soll auch die heutige katholische Kirche „Aller Heiligen“ geweiht worden sein. Zur Zeit bilden die Mehadiaer Katholiken eine Filiale der Pfarrei von Herkulesbad. Im Jahre 1910 lebten in dieser Ortschaft mit gemischter Bevölkerung 250 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von fast 12 Prozent ergaben. Seitdem nahm die Zahl der Deutschen ständig ab, 1940 sank sie auf nur noch 139 Personen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 2.834 Einwohnern noch 20 Personen zum Deutschtum.

Auch in Herkulesbad (heute: Baile Herculane; ung.: Herkulesfürdö), das im Tscherna-Tal, im Schatten des 1.105 m hohen Bergmassivs „Domogled“ (im Mehedinti-Gebirge) liegt, lebten einst Deutsche. Die Heilkraft der Thermalquellen, die hier entspringen, waren schon den Römern bekannt gewesen, die hier bis heute noch deutlich erkennbare Spuren hinterließen. Nachdem sich die Österreicher bis hierher gegen die Türken durchkämpften, ließ General Johann Andreas Hamilton die römischen Heilbäder wieder instandsetzen. Aber 1738 richteten die Türken während ihres Einfalls ins Banat auch in Herkulesbad große Schäden an, so dass die Bäder lange Zeit unbenutzt waren. Gelegentlich des dritten Besuchs des Kaisers Josef II sollte eine Kameralherberge und eine Kapelle gebaut werden, aber wegen des letzten Einfalls der Türken im Jahre 1788 mussten die Umbauarbeiten unterbrochen werden, und die Bäder wurden wieder zerstört. Danach entwickelte sich die Ortschaft zu einem berühmten Heilbadeort, der unter allen Landesherren (Österreicher, Ungarn und Rumänen) von viel Prominenz besucht war. Eine der wichtigsten Besucher war Kaiserin Elisabeth (Sissi), die hier vom 1. März bis zum 13. April 1887 zur Kur weilte. Die Villa, in der sie wohnte, erhielt ihren Namen. Die zum Wahrzeichen der Ortschaft gewordene Herkulesstatue wird im Sommer des Jahres 1997 150 Jahre alt sein. Sie ist 1847 auf Kosten der hier zur Kur weilenden Offizieren und Soldaten des Erzherzogs Karl bestellt worden. Angefertigt wurde die Statue in Wien von Remelmayer und Glantz, als Rohmaterial verwendete man Kanonenrohre.

Über die Herkunft der Deutschen aus Herkulesbad kann man vermuten, dass sie die Nachkommen der Militärs sind, die während der Banater Militärgrenze hier stationiert waren oder die der von den Militärs angesiedelten Handwerker. Die katholischen Gläubigen bildeten anfangs eine Filiale der Mehadiaer Pfarrei, heute befindet sich aber hier die Pfarrei für die gesamte Umgebung. Eine kleine katholische Kirche ist 1838 „Mariä Himmelfahrt“ geweiht worden.  1910 bestand die Bevölkerung Herkulesbads aus nur etwas über 500 Einwohnern, davon waren fast 23 Prozent, also 116 Personen Deutsche. In den nächsten 20 Jahren sank sowohl die Gesamtbevölkerung als auch die Zahl der Deutschen um etwa 25 Prozent. 1940 zählte man hier aber wieder 143 Personen deutscher Volkszugehörigkeit. Nachdem 1966 die Zahl der Deutschen auf 43 gesunken war, konnte man bei der Volkszählung vom Januar 1992 neben den 5.458 Rumänen, 88 Ungarn und 97 Sonstigen auch noch 55 Deutsche verzeichnen.

Etwa 6 Prozent der ungefähr 2.100 Einwohner der Gemeinde Teplitz, auch Topletz genannt (amtlich: Toplet; ung.: Csernahéviz) waren von 1910 bis 1940 Deutsche; in Ziffern ausgedrückt waren dies etwa 125 Personen. Für 1940 machen zwei Autoren so unterschiedliche Angaben über die Zahl der hier lebenden Deutschen, dass man diese nicht in Betracht ziehen kann (eine ist fast das Doppelte der anderen). Man könnte aber für dieses Jahr die Zahl von etwa 149 annehmen. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich von den 2.716 Einwohnern noch 15 Personen zum Deutschtum. Der Rest bestand aus 2.607 Rumänen, 15 Ungarn und 79 Sonstigen. Die katholischen Gläubigen der Ortschaft, die eine Filiale der Herkulesbader Pfarrei bilden, verfügen seit 1965 über eine in einem Wohnhaus eingerichtete Kapelle. Die Gemeinde Teplitz, die im Tscherna-Tal auf der Europa-Straße E-70 zwischen Mehadia und Orschowa liegt, verfügt über eine metallverarbeitende Industrie, in der vor 1990 die meisten Teplitzer beschäftigt waren. Landwirtschaft kann im ganzen Tscherna-Tal wegen der gebirgigen Landschaft und wegen der rückständigen Arbeitsmethoden der hiesigen Bevölkerung nicht betrieben werden. 1962 bearbeiteten hier die rumänischen Bauern ihren Boden noch mit dem Holzpflug. Bescheidene Einkommensmöglichkeiten bietet nur die Forstwirtschaft und der Obstbau, der hauptsächlich Äpfel und Zwetschgen liefert. Der Zwetschgenanbau dient vorwiegend zur Schnapserzeugung.

In der Nähe von Teplitz befindet sich die Ortschaft Barsa, die man früher auch Bersing nannte (heute Bârza; ung.: Börzsény). Auch hier hatten die Deutschen 1930 mit 140 Personen einen Bevölkerungsanteil von über 21 Prozent. Diese Zahlen blieben auch im nächsten Jahrzehnt unverändert. Leider sind die Ergebnisse der Volkszählung vom Januar 1992 dem Verfasser dieses Beitrags unbekannt geblieben. Es ist anzunehmen, dass, es hier nur noch vereinzelt Deutsche gibt, wenn überhaupt.

Bemerkenswert scheint die Lage in Schumitza (amtlich: Sumita; ung.: Cseherdös) zu sein. Die Ortschaft liegt zwar nicht im Tscherna-Tal, aber in der Nähe von Mehadia. In diesem am nördlichen Rande der Almascher Berge gelegenen Böhmendörfchen bekennen sich seine Einwohner heute zur tschechischen Kultur. Diese Tatsache ist auch aus der ungarischen Benennung des Ortes (= Tschechischer Waldner) leicht erkennbar. Trotzdem bekannten sich 1940  194 Schumitzer zum Deutschtum. Sollte auch in diesem Fall der Zeitgeist bei der Bekenntnis zu einer bestimmten Volkszugehörigkeit eine besondere Rolle gespielt haben?

Juli 1996                                                                                                                         Anton Zollner