DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (119)
G u t t e n b r u n n

Guttenbrunn (heute: Zabrani; ung.: Temeshidegkút) liegt am nördlichen Rande des Banats, etwa 5 km südlich des Marosch-Flusses. Die Ortschaft befindet sich etwa 12 km westlich von Lippa (heute: Lipova) und etwa 20 km westlich von der heutigen Kreisstadt Arad entfernt. Sie wird von der Landstraße Arad - Lippa durchquert, und über die Strecke Temeschburg – Radna (Lippa) hat sie auch einen Anschluss zum Eisenbahnnetz. Heute ist Guttenbrunn Gemeindesitz, zu der auch das einst deutsche Dorf Neudorf und das  rumänische Dorf Chesint gehört.

Laut Karl Kraushaar ist diese spätere deutsche Siedlung 1561 als Hedekuth (Hidegkút = Kaltbrunn) dokumentarisch erwähnt worden. Nach anderen Autoren soll dies schon 1493 geschehen sein, als die Siedlung noch Hidegfö hieß. Hedekuth bestand 1717 aus 20 Häusern. An der Stelle, wo diese Siedlung stand, ist das deutsche Dorf Guttenbrunn 1724 mit Kolonisten aus dem Odenwald auf einem Hügel angesiedelt worden. Laut Karl F. Waldner und Dr. Anton P. Petri sollen diese am 4. Juli 1724 am „ ... Rande des Waldes an jener Stelle ... wo eine gute Brunnquell war ...“ angekommen sein. Damit gehört Guttenbrunn nach Neu-Arad und Freidorf zu den ersten deutschen Dörfern des Banats. Später kamen neben denen aus Hessen auch weitere Siedler aus anderen Teilen des „Reichs“ so zahlreich hinzu, dass das Dorf 1736 als „zugebaut“ galt. Um den Zustrom weiter aufzufangen, gründete man im selben Jahr mit Kolonisten aus dem Schwarzwald die Siedlung Gutwill (oder Gutwihl). Diese soll aber nur etwa zwei Jahre lang bestanden haben, ihre Einwohner zogen nach Guttenbrunn in die „Schwarzwälder Gass’“ um. Laut Nikolaus Geiss entstand 1765 durch neue Zuwanderungen auf dem Hügel östlich von Guttenbrunn die Siedlung „Neu-Guttenbrunn“. Durch den späteren Zusammenschluss von Guttenbrunn und Neu-Guttenbrunn kam es zu einer einheitlichen Gemeinde. Mit der Zeit ist auch das Tal zwischen den zwei Hügeln ausgebaut worden.

Bis 1729, als man in Guttenbrunn eine eigene Pfarrei einrichtete, bildeten die hiesigen Katholiken eine Filiale der Lippaer Pfarrei. In jenem Jahr lebten hier 209 Deutsche in 46 Familien, aber bis 1741 stieg ihre Zahl auf 280, in 54 Familien lebten. 1859 stellten die 2.783 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von 94,8 Prozent, dem höchsten in der Geschichte des Dorfes. 1880 hatte das Dorf mit 3.126 Personen die höchste Einwohnerzahl, und zugleich erreichten die Deutschen mit 2.896 Personen ihre höchste Zahl in der Dorfgeschichte. 1909 hatte das damals als Hidegkúth genannte deutsche Dorf laut Dr. Gerhardt Hochstrasser 3.013 Einwohner, von denen etwa 2.665 Deutsche und 243 Rumänen waren, der Rest bestand aus Ungarn. Zugleich hatte das seit 1394 dokumentarisch belegte und einstige rumänische Nachbardorf Zabrani (ung.: Zabrány) 121 Einwohner, von denen 77 Deutsche und 44 Rumänen waren. Dieses Dorf hatte man bei der ersten Gebietsreform nach dem Anschluss des Banats an Rumänien mit Temeshidegkút zusammengeschlossen, und damit erhielt Guttenbrunn amtlich den rumänischen Ortsnamen Zabrani.

Nach dem Zusammenschluss der zwei Ortschaften, im Jahre 1930 hatte Guttenbrunn 2.797 Einwohner, von denen 2.482 Deutsche, 295 Rumänen und 20 Sonstige waren. 1940 ließen sich hier 2.405 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Nach dem 2. Weltkrieg begann ihre Zahl allmählich zu sinken bis 1990-91 als auch hier der Massenexodus der Deutschen stattfand. Bei der Volkszählung von 1977 hatte Guttenbrunn 2.600 Einwohner, aber davon waren nur noch 1.157 Personen Deutsche, der Rest bestand aus 1.403 Rumänen, 25 Ungarn und 13 Sonstigen. 15 Jahre später, also 1992, konnte man nur mehr die fast totale Auflösung der deutschen Dorfgemeinschaft feststellen. Von den 2.146 Dorfbewohnern bekannten sich noch 72 Personen zum Deutschtum; sie lebten im einstigen Schwabendorf zusammen mit 2.031 Rumänen, 29 Ungarn und 14 Sonstigen. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft (HOG) Guttenbrunn waren im Februar 1996 nur mehr 28 Deutsche im Heimatort verblieben gewesen. Nach zuverlässigen Quellen soll ihre Zahl bis heute auf etwa 10 alte Leute gesunken sein.

In den Jahren 1994 und 1995 versuchten offizielle Stellen, hier noch eine deutsche Präsenz vorzuzeigen. Man erhoffte damals noch, in den Genuss von Vorteilen seitens der Partnerstadt Fürth zu kommen. Demzufolge veranstaltete man in Guttenbrunn auch, wenn hier nur noch einige Dutzend Deutsche lebten, den 270. Jahrestag der Ansiedlung der Banater Schwaben. An der Jubiläumsfeier, die am 2. April 1994 bei regnerischem Wetter stattfand, nahmen als Ehrengäste der Vertreter der Patenstadt Fürth, der Arader Präfekt Avram Craciun und der inzwischen verstorbene Gymnasial-Lehrer Daniel Schemmel teil. Begrüßt wurden sie vom damaligen Bürgermeister der Gemeinde, Aurel Modosa. Nach den Ansprachen der Festredner fand in der katholischen Kirche ein Festgottesdienst statt. Am Abend boten die Schüler der Guttenbrunner Grundschule und zwei Chöre aus Arad und Sankt-Anna den Gästen ein kulturelles Programm. Das Jubiläumsfest endete mit einem Abendessen, zu dem die Ehrengäste und viele Guttenbrunner eingeladen waren.

Am 9. April 1995 ist in einem feierlichen Rahmen die dem berühmtesten Sohn Guttenbrunns, Adam Müller-Guttenbrunn (1852-1923), gewidmete Gedenkstätte wiedereröffnet worden. Die gründliche Renovierung und Neueinrichtung ist von der vom gewesenen Botschafter in Rumänien, Dr. Klaus Terfloth, ins Leben gerufene Stiftung „Deutsches Kulturerbe in Rumänien“, von der Landmannschaft der Banater Schwaben und von der Bayerischen Staatsregierung finanziert worden. Zu den  Ehrengästen der Veranstaltung zählten neben den Vertretern der Landsmannschaft der Banater Schwaben und des Demokratischen Forums der Deutschen aus dem Banat auch der Ministerialrat der Bayerischen Staatsregierung Bruno Lieschke und der Arader Präfekt Avram Craciun.

Die Gedenkstätte, die nun über fünf Ausstellungsräumen verfügt, ist in der Ortsmitte, im Postgebäude eingerichtet worden, weil der derzeitige Eigentümer des Geburtshauses des Schriftstellers dieses nicht zur Verfügung stellen wollte. Auf der Straßenfassade des Geburtshauses ist schon 1921 auf Initiative des Deutschen Schwäbischen Kulturverbandes (dessen Obmann Dr. Michael Kausch war) eine Gedenktafel mit folgendem Text angebracht worden: „Geburtshaus Des schwäbischen Heimatdichters Adam Müller-Guttenbrunn geb. am 22. Okt. 1852 – Gew. von der Gemeinde Guttenbrunn auf Anregung der Ortsgruppe des Kulturverbandes 1921“. Der Geehrte konnte damals aus gesundheitlichen Gründen nicht bei der Enthüllung anwesend sein. Vor kurzem wurde neben dieser Gedenktafel auch eine zweite in rumänischer Sprache angebracht. Der übersetzte Text lautet: „In diesem Haus ist am 22. Oktober 1852 der schwäbische Schriftsteller Adam Müller-Guttenbrunn geboren worden“.

Das Geburtshaus gehörte nicht der Mutter Müller-Guttenbrunns, Eva Müller. Es sollte aber von einer Verwandten, die keine Nachkommen hatte, dem Schriftsteller testamentarisch vermacht werden. Der „Erzschwabe“ wollte aber das Haus nicht, und äußerte den Wunsch, dieses der Gemeinde für das geplante „Adam Müller-Guttenbrunn“-Museum zukommen zu lassen. Das „Gedächtniszimmer“ konnte aber erst 1924, also nach dem Tod Müller-Guttenbrunns eingerichtet werden.  Wie Peter Krier berichtet, fanden hier des Schriftstellers Sterbebett, sein Schreibtisch, „an dem seine Banater Romane geschrieben wurden“ und andere persönliche Gegenstände ihren Platz. 1934 kam das Geburtshaus des Schriftstellers in den Privatbesitz, aus welchem Grund das „Gedächtniszimmer“ in das Untergeschoss der Schule verlegt werden musste, wobei es die Bezeichnung „Ausstellung“ bekam. Beim Einmarsch der Roten Armee sind die Ausstellungsstücke von Vertrauenspersonen übernommen und untergebracht worden. Dem Temeschburger Dichter, Journalisten und Politiker Nikolaus Berwanger gebührt ein besonderer Dank für seine Bemühungen, das „Adam Müller-Guttenbrunn“-Museum wieder zu eröffnen, was ihm auch 1975 gelungen ist. Dadurch konnte 1977 auch Müller-Guttenbrunns 125. Geburtstag ehrwürdig gefeiert werden. Das Museum konnte aber in der Ceausescu-Diktatur nicht lange überleben, es wurde  Ende der ´80-er Jahre wieder geschlossen. Laut Peter Krier sollen die Gegenstände aus dem Ausstellungsraum erst 1992 nach dem Einsturz der Decke geräumt worden sein. Die derzeitige Gedenkstätte ist vom Arader Kreismuseum fachgerecht eingerichtet worden. Leider sind viele der einstigen Ausstellungsstücke während der Zeit verschollen. Seit der Wiedereröffnung der Gedenkstätte wird diese von der Gattin des gewesenen Bürgermeisters Modosa betreut.

Außer diesem Zeugnis des einstigen Deutschtums in dieser banat-schwäbischen Ortschaft gab es vor einem Jahr neben der katholischen Kirche und dem Friedhof kaum noch etwas, das an die Deutschen noch erinnern sollte. Die Instandhaltung des Friedhofs wird noch mit Hilfe der HOG durchgeführt, doch einbezogen werden nur die Hauptwege. Der Raum zwischen den Gräbern wird immer mehr von Unkraut überwuchert. In einem Teil des Friedhofs werden zur Zeit die Griechisch-Katholiken zur ewigen Ruhe gesetzt.

Laut Karl F. Waldner und Dr. Anton P. Petri ist die erste kleine Kirche in Guttenbrunn 1936-37 errichtet worden. Die 1766 erbaute neue Kirche ist 1866 dem Feuer zum Opfer gefallen. Die heutige Kirche errichtete man 1870-72. Innen schaut die Kirche heute gepflegt aus, aber außen bräuchte sie eine dringende Reparatur. Zur Zeit wird sie hauptsächlich von der griechisch-katholischen Glaubensgemeinschaft benutzt.  Ihr Pfarrer Sabo wohnt mit seiner Familie im katholischen Pfarrhaus, seine Frau läutet die Kirchenglocken, und der Sohn, der an der päpstlichen Universität in Rom Theologie studiert, spielt an der Orgel, wenn er daheim ist.

Ein Teil der Guttenbrunner Häuser wird, „wie in der Zeit der Deutschen“, noch immer geweißt, aber einige sind schon eingestürzt und die meisten dem Verfall preisgegeben wurden. In drei Schwabenhäusern sind Kinderheime eingerichtet worden. Eine Schweizer Stiftung kaufte diese Häuser auf und ließ sie zweckentsprechend umbauen. Von den 322 Häusern, die 1999 im Besitz des Bürgermeisteramtes waren, sind 167 an ihre Mieter verkauft worden. Wie die Arader Tageszeitung „Adevarul“ (Die Wahrheit) im Frühjahr 1999 berichtete, entsprach der damalige Zustand der gewesenen deutschen Häuser genau dem Charakter ihrer Bewohner. Das Haus mit der Nr. 3, das einst Stefan Belger gehörte, wurde von den aus Râmnicu-Vâlcea zugewanderten Ioana Stanciu und Valentin Teodor für 60.000 Lei gekauft. Sie hegen und pflegen dieses Haus mit viel Einsatz und Freude. Vor zwei Jahren bemühten sie sich auch das Nachbarhaus (mit der Nr.2) zu kaufen, das sie genau so instandsetzen wollten wie das erstere. Besonders gut gepflegt war auch das Haus des letzten Guttenbrunner deutschen Ehepaares Georg und Margarethe Stuber. Der einzige Deutsche männlichen Geschlechts war damals 64 und seine Frau 79 Jahre alt. Als die gesamte deutsche Bevölkerung nach Deutschland auswanderte, weinten sie sehr, aber als Kinderlose konnten sie sich für diesen Schritt nicht entscheiden.

Im Gegensatz zu diesen positiven Aspekten zitiert dieselbe Zeitung auch zwei Beispiele für das totale Abwirtschaften von deutschen Häusern. Eduard Dumitru, der Sohn eines Bukarester Rumänen und einer Guttenbrunner Deutschen, ließ das Elternhaus verfallen, weil er nicht über das nötige Geld für eine Instandsetzung verfüge. Seine Eltern sind verstorben, und seine Schwester lebt in Köln. Er überlebt im Heimatdorf mit einer Erwerbsunfähigkeitsrente in Höhe von 500.000 Lei (= etwa 50 DM), die er aber lieber seinem Alkoholgenuss opfert, der ihm auch eine Leberzirrhose beschert hat. In einem viel schlimmeren Zustand befand sich damals auf der Hauptstraße das deutsche Haus, das von der Mieterin Sânziana Câta mit ihren 8 Kindern und ihrem Lebensgefährten bewohnt war. In den 10 Jahren, in denen sie hier wohnten, haben sie das Haus zu einer Ruine - mit Wänden ohne  Putz, ohne Fenster und ohne Türen -  verfallen lassen. Diese „Familie“ lebte von einer Sozialhilfe in Höhe von 326.000 Lei, konnte aber damit ihre Miete nicht mehr bezahlen. Aus diesem Grund wurden sie vom Bürgermeisteramt von weiteren Mietzahlungen enthoben. Schließlich reparierte dieses Amt auch das Haus, dem der Einsturz drohte.

Während sich aber der Bürgermeister dieser zerrütteten Familie gegenüber großzügig erwies, bestand er im Falle der 87-jährigen Ungarin Ilona Szabó darauf, dass sie ihren jährlichen Beitrag für die Gemeindewacht in Höhe von 40.000 Lei bezahlen müsse. Hier muss aber erwähnt werden, dass die bettlägerige alleinlebende Frau total mittellos ist, und deswegen auf die finanzielle Hilfe ihrer in Arad lebenden Kinder angewiesen ist.

Der im Sommer 2000 neugewählte Bürgermeister Alexandru Siminaica begann seine Amtszeit laut derselben Zeitung „Adevarul“ mit einem „Erfolg“, der auch die aus 20 Landkreisen zugewanderten Neubürger der Gemeinde begeisterte. Er schaffte einen Stromgenerator an, der im Kulturheim montiert wurde, damit im Falle der noch immer üblichen Stromausfällen die hier abgehaltenen Hochzeiten nicht unterbrochen werden müssen.

April 2001                                                                                                                       Anton Zollner