DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS ( 56 )
 G i s e l a d o r f  und  P a n j o w a

Giseladorf (heute Ghizela; ung.: Gizelafalva) liegt am südlichen Rande des Lippaer Hochlands, dort wo dieses in die Lugoscher Ebene übergeht. Im einstigen Schwabendorf hatten 1910 die 1.082 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von 73 Prozent. Dieser Anteil blieb bis etwa 1940 erhalten, aber die Zahl der deutschen Volkszugehörigen sank trotzdem auf 942 und mit ihnen auch die Zahl aller Dorfbewohner. Es scheint aber, als hätten sich auch damals viele Angehörige anderer Volksgruppen zum Deutschtum bekannt, da noch 1937 die Zahl der Deutschen hier nicht höher als etwa 750 war. 1977 bestand die Bevölkerung dieser Ortschaft nur noch aus insgesamt 527 Personen, von denen 201 Deutsche, 202 Rumänen und 122 Ungarn waren. Die Zahl der Deutschen sank bis 1981 auf nur noch 161 Seelen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 konnte man nicht nur die fast totale Auswanderung der Deutschen, sondern auch eine bedeutende Entvölkerung Giseladorfs feststellen. Im Januar jenes Jahres bestand die Bevölkerung des gewesenen Schwabendorfes aus nur noch 331 Personen, von denen 20 Deutsche, 260 Rumänen und 49 Ungarn waren. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Giseladorf lebten im Februar 1995 in Giseladorf nur noch 14 Deutsche.

Der Grund dieser rapiden Entvölkerung Giseladorfs ist wahrscheinlich die besonders schlechte Infrastruktur dieses Gemeindezentrums. Die Ortschaft liegt abseits von allen Hauptverkehrswegen, die sie mit Lugosch oder Temeschburg verbinden könnten. Die einige km lange Zufahrtsstraße, die das Gemeindezentrum mit dem Abschnitt Temeschburg - Lugosch der Europastraße E-70 verbindet, ist schon immer besonders schwer passierbar gewesen. Die Eisenbahnstrecke verläuft auch parallel zur E-70-Straße, und der nächste Bahnhof befindet sich in Chizatau. Die Telefonverbindung der hiesigen manuell betriebenen Telefonzentrale besteht auch nur aus drei Fernleitungen mit Lugosch.

In der deutschen Lokalpresse wurde in den letzten 14 Jahren über dieses auf den Verkehrswegen kaum erreichbare Schwabendörfchen niemals etwas berichtet. Auch in der rumänischen Temeschburger Presse der letzten Jahren hatte man am 23. April 1996 in der „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) nur sehr kurz über unwesentliche Sachen zu berichten.

Auch im noch entfernteren Dorf Panjowa (amtlich Paniova; ung.: Panyó), das in einem Tal am Rande des Lippaer Hochlandes liegt, lebten noch vor einigen Jahren deutsche Volkszugehörige. Im Jahre 1900 betrug ihre Zahl sogar 603 Seelen. Zehn Jahre später, 1910, bildeten die nur noch 391 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von fast 40 Prozent. Ihre Zahl sank aber bis 1930 noch mehr, und zwar auf 275 Personen und ihr Anteil auf etwa 30 Prozent. 1940 zählte man dann in Panjowa noch immer 274 deutsche Volkszugehörige. Nach dem Krieg, 1948, sind in diesem Dörfchen, das zur Gemeinde Giseladorf gehört, 205 Deutsche verblieben. Ihre Zahl nahm aber auch hier sehr schnell ab, so daß 1964 in Panjowa nur noch 20 deutsche Familien zu Hause waren. 1980 bestand aber die hiesige deutsche Volksgemeinschaft nur noch aus 3 Haushalten in denen 4 Deutsche lebten. An die einstigen deutschen Siedler, die laut Luzian Geier erst 1896 in größerer Zahl ins Dorf kamen (1852 sollen laut demselben Autor nur 12 Deutsche in diesem damals rumänischen Dorf gelebt haben), erinnerte 1990 nur noch eine einzige Frau, die sich bei der Volkszählung von 1992 als einzige Person zum Deutschtum bekannte, und die auch noch im April 1996 hier ausharrte.

Die nun schon 76-jährige Veronika Fritz, die ihren Nachbarn eher als Tante Vroni bekannt ist, lebt laut der „Banater Zeitung" (ADZ) vom 7. Dezember 1994 und der „Renasterea banateana" vom 11. April 1996 unter für uns unvorstellbaren Lebensbedingungen. Ihr eigenes „Haus", das die Nummer 190 trägt, steht am Rande des Heckendorfes nur noch dank der von Nachbarn aufgestellten Baumstämme, die den Einsturz der Außenwände so weit wie nur möglich verzögern sollen. Da ihr Haus nicht an das Stromnetz angeschlossen ist, beleuchtet sie noch immer ihre Wohnräume mit dem Petroleumlicht. Elektrisches Licht, Kühlschrank oder Fernseher sind für sie unbekannte Dinge, und sie wünscht sich diese auch nicht. Von ihrer Rente in Höhne von 16.000 Lei (etwa 8 DM) monatlich kann sie nicht leben. Das Nötigste für ihre Ernährung wächst in ihrem Gemüsegarten, doch fällt ihr die Gartenarbeit immer schwerer, da sie auch an den Folgen eines in ihrer Kindheit erlittenen Blitzschlages leidet. Ihr Überleben verdankt sie hauptsächlich ihren rumänischen Nachbarn, dem orthodoxen Pfarrer und einigen deutschen karitativen Organisationen, die sie hauptsächlich mit Lebensmitteln versorgen. Gesellschaft leisten ihr meist ihr Hund Boby, ihre drei Katzen und ihre Hühner. Nach Deutschland wollte sie aus Angst vor der Fremde nicht ausreisen, aber auf Hilfe aus dem Mutterland wird sie wahrscheinlich fürs ganze Leben angewiesen sein.

Da es in Panjowa niemals eine katholische Kirche gab, richtete sie eines ihrer Zimmer als Hauskapelle ein. Hier hat sie neben den gesammelten Heiligenbildern, Gebetbüchern und Kruzifixe auch einen Hausaltar aufgestellt, vor dem sie als einzige Katholikin des Dorfes ihr tägliches Gebet verrichtet. Nur der Glaube hilft ihr, die Einsamkeit und die besonders harte Not in der sie lebt, zu überwinden.

Wie aus dem oben Angeführten zu erkennen ist, verließen die Banater Schwaben von der Banater Hecke im Unterschied zu jenen von der Heide fast vollständig ihre Heimatdörfer. Auch in dem zur Gemeinde Giseladorf gehörende Dorf Sanovita (ung.: Sziklás), in dem 1940  30 Deutsche lebten, gab es 1992 keinen Deutschen mehr. Dafür bekannte sich im rein rumänischen Dorf Hisias eine Person zum Deutschtum. Aber auch die zu den Nachbargemeinden gehörende Dörfer, in denen 1940 einige Deutsche lebten, wurden von diesen für immer verlassen. So bekannten sich 1992 in der Gemeinde Sekasch (amtlich: Secas; ung.: Temesszékás) mit einst 19 und im dazugehörenden Crivobara (ung.: Krimárvára) mit 10 deutschen Volkszugehörigen nur noch eine Person in Sekasch zum Deutschtum. In der rumänischen Nachbargemeinde Belintz (amtlich: Belint; ung.: Belence), in der 1940  168 Deutsche beheimatet waren (Belintz = 43; Babsa /ung: Babsa/= 12 und Chizatau /ung: Kiszetó/ = 113), bekannten sich bei der Volkszählung vom Januar 1992 insgesamt nur noch 17 Personen zum Deutschtum: eine in Belintz und 16 in Chizatau. Bei derselben Gelegenheit bekannten sich auch in der überwiegend rumänischen Gemeinde Costeiu 14 Personen zum Deutschtum: 8 im Gemeindezentrum, 2 im rumänischen Dorf Hezeris und 4 im ungarischen Dorf Tipari. In diesen letzteren Ortschaften wurden 1940 absolut keine Deutsche registriert.

Januar 1997                                                                                                      Anton Zollner