DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (12)
G e r t j a n o s c h

Das einstige Schwabendorf Gertjanosch ist anfangs als eine Binnensiedlung entstanden, in die  auch deutsche Kolonisten angesiedelt wurden. Das Dorf ist 1781 von der rumänischen und serbischen Bevölkerung, die 1766 hierher zwangsumgesiedelt wurde, aufgegeben worden. Noch in jenem Jahr ließen sich hier 18 deutsche Familien aus Hatzfeld nieder. Zwei Jahre später standen im Ort schon 56 Häuser. Im nächsten Jahr, 1784, kamen 66 Familien aus „dem Reich“ hinzu, so dass die Zahl der Häuser auf 122 stieg. 1857 bestand das Dorf aus 324 Häusern. 1935 zählte man in der Gemeinde schon 618 Häuser bei einer Bevölkerungszahl von 2.924 Seelen. 1966 erreichte die Bevölkerungszahl des Ortes mit 4.176 Einwohner ihren Höhepunkt, aber seit dem Ende des 2. Weltkrieges lebten hier auch andere Nationalitäten, besonders Rumänen, aber auch Zigeuner. Die Zahl der Deutschen schrumpfte auf etwa 1.000.

Nach Grete Lambert, Journalistin bei der „Neuen Banater Zeitung" (NBZ) lebten 1989 in Gertjanosch nur noch etwa 400 Deutsche. Im März 1990 zählte man hier noch 93 (NBZ)-Abonnenten, was bedeuten könnte, dass damals hier noch gut über 100 deutsche Familien lebten. Im Januar 1991 zählte man hier nur noch 140 Deutsche, zehn Monate später sank diese Zahl auf 117. Trotzdem bekannten sich bei der Volkszählung vom Januar 1992 in Gertjanosch 197 (!) Personen zum Deutschtum. Dieser Trend war damals in der ganzen Gemeinde (also auch in den dazugehörenden Dörfern Groß- und Klein-Jetscha feststellbar. Bei der Volkszählung bekannten sich in der gesamten Gemeinde 321 Personen zum Deutschtum, während vier Monate zuvor hier laut Recherchen der NBZ nur 239 Personen deutscher Volkszugehörigkeit lebten. Neben den 117 Deutschen aus Gertjanosch lebten damals 110 Deutsche in Groß-Jetscha und 12 in Klein-Jetscha.

Im Oktober 1991 berichtete Grete Lambert in der NBZ ausführlich über das, was damals in Gertjanosch noch deutsch war. Der 33-jährige Kurt Benrath betreute zu jener Zeit noch 165 Mitglieder des hiesigen deutschen Ortsforums, von denen aber nur 110 Deutsche waren, jedoch schon 30 Prozent davon saßen schon auf den gepackten Koffern. Die Außenstelle der Bücherei des Hatzfelder Ortsforums wurde bei Hertha Buttil untergebracht. Es wurden hier auch Videovorführungen geboten, aber nur sehr wenige ließen sich zu einem Gemeinschaftsleben hinreißen. Die Leute gingen lieber in das im Altwiener Stil eingerichtete Café, dessen Eigentümerin Magdalena Pfeiffer war. Der Kirchenchor bestand damals aus neun Mitgliedern, der Vorsitzende des Kirchenrates war Josef Schiltz, und die Seelsorge für die verbliebenen Gläubigen wurde vom 73-jährigen Pfarrer Wilhelm Prinzinger gesichert. Deutsche Kriegsveteranen gab es auch nur zwei im Ort: Josef Schiltz und Martin Pfeiffer. Die älteste der Senioren deutscher Volkszugehörigkeit war damals die 1899 geborene Katharina Hess. Von den Deutschen hat kein einziger einen Antrag auf Bodenzuteilung gestellt. Wahrscheinlich haben die Leute die Zeiten realistisch eingeschätzt. Das Zusammenleben mit den 600 Zigeunern, für die Arbeit, Recht und Ordnung tabu sind, kann kein Ansporn für einen Neubeginn sein. Am 14. Oktober 1991 wurde hier noch einmal Kirchweih gefeiert, aber ohne Kirchweihbaum, ohne Kirchweihpaare und ohne Dorffest.

Wie sich die Gertjanoscher „Neubürger" ein Zusammenleben vorstellen, erfährt man aus den rumänischen Zeitungen „Agenda" und „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt). In der Nacht des 17./18. März 1993 lieferten sich Rumänen und Zigeuner eine Straßenschlacht, die bürgerkriegsähnliche Ausmaße annahm. Das ganze fing mit einem Streit zwischen einem Rumänen und einem Zigeuner an. Die Rumänen beklagten sich schon seit langem, dass sie mit ihren Frauen nicht mehr die Konditorei oder das Café besuchen können, ohne von Zigeunern belästigt zu werden. Auch über die ständig vom Bulibascha (Stammeshäuptling) ausgehenden Krawalle beschwerten sie sich. Da nach einem Streit zwischen den beiden Volksgruppen die Zigeuner alle Straßenfenstern der Familie Codreanu einschlugen, beschlossen die Rumänen, die Zigeunersiedlung zu „stürmen". Ihre Waffen bestanden aus Eisenstangen, Eisenrohren und Steinen. Das Ergebnis des Ansturms: Die Einrichtungen von fünf Häusern wurden zerschlagen, ein PKW wurde zertrümmert. Beim Angriff wurde auch ein Traktor und LKW eingesetzt.

Die Ortspolizei war nicht imstande, die Ordnung wieder herzustellen und verlangte dafür Verstärkung aus Temeschburg. Erst die herbeigeeilte Gendarmerie konnte 13 Rumänen und zwei Zigeuner verhaften und die Ruhe in Gertjanosch wieder herstellen.

Soll nun das die „alte Heimat" sein, in der unsere alten Landsleute verharren sollen?

Oktober 1993                                                                                                            Anton Zollner
 


Zwei Jahre nach der Wahl

In Gertjanosch (heute: Carpinis; ung.: Gyertyámos) sind die Kommunalwahlen 1992 von der Opposition gewonnen worden. Sowohl der Bürgermeister Stelian Milota als auch sein Vize Trifu Bacala kandidierten auf der Liste der Demokratischen Konvention. Nun berichtet die Tageszeitung „Timisoara" vom 19. April 1994 über die Leistungen, die in den vergangenen zwei Jahren erbracht wurden. Es wurden 500 Meter Gehsteig angelegt, Verkehrsstraßen konnten aber wegen finanzieller Schwierigkeiten nicht repariert werden. Man hatte auch zwei Wasserpumpstationen installiert, aber wegen Geldmangels konnten die nötigen Wasserpumpen nicht angeschafft werden. Auch das Kulturheim und die Gemeindebibliothek wurden renoviert.

Von den 600 Personen, die bei der Bodenverteilung vorgemerkt wurden, sind bereits schon 565 Personen im Besitz ihrer Eigentumsurkunde. Bekanntlich hat kein Deutscher Anspruch auf die Rückerstattung seines enteigneten Bodens gestellt. Inzwischen gibt es in Gertjanosch 15 Boutiquen, eine Ölmühle, eine private Getreidemühle, ein Hanflager (in der gewesenen Hanfrösterei) und eine Ziegelei. Der Vizebürgermeister behauptet, dass „was hier geleistet wurde, ist einmalig im ganzen Kreis", weil der Gemeinde von außen mit keinem Leu geholfen wurde.

Das wären also die „Errungenschaften der neuen Zeit" in einem gewesenen Schwabendorf, wo 1930 2.438 Deutsche fast 83 Prozent der Dorfbevölkerung stellten. Von diesen lebten hier 1977 nur noch 917 neben 2.825 Rumänen, 396 Ungarn, 187 Zigeunern und 11 Serben. Das Ergebnis der Volkszählung von 1992, wonach damals in Gertjanosch noch 197 Deutsche gelebt haben sollen, ist nicht ganz nachvollziehbar, da einen Monat zuvor hier nur noch 117 Personen deutscher Volkszugehörigkeit lebten, von denen schon damals ein Drittel auf den Zug nach Deutschland wartete.

Oktober 1994                                                                                                     Anton Zollner
 


„Da nützt kein guter Wille mehr ...“

Gertjanosch (heute: Carpinis; ung.: Gyertyámos) liegt etwa 30 km westlich von Temeschburg auf der Banater Heide. Die Ortschaft ist sehr gut im banater Verkehrsnetz eingebunden; hier kreuzen sich die Landstraßen DN 59A Temeschburg – Hatzfeld, die von dort weiter nach Groß-Betschkerek (heute: Zrenjanin in Jugoslawien) führt, und die, die von Billed entlang der Landesgrenze bis nach Detta führt. Die Ortschaft ist auch an das Eisenbahnnetz angeschlossen und liegt an der Strecke Temeschburg - Hatzfeld – Kikinda. Von hier aus führt eine Nebenstrecke nach Johannisfeld.

Nachdem sich die ersten Deutschen 1781 durch Binnenwanderungen in Gertjanosch niederließen, brachte man auch deutsche Kolonisten aus dem „Reich“. Nach Karl Kraushaar soll dies 1785, nach anderen Autoren 1784 geschehen sein. 1785 wurde hier die Pfarrei gegründet, und zugleich sind auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt worden. Laut Kraushaar ist das Dorf 1787 um 66 Kolonistenhäuser erweitert worden.

1910 lebten in Gertjanosch 2.465 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von fast 89 Prozent hatten. Im November 1940 ließen sich 2.779 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Bei der Volkszählung von 1977 stellten die 917 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von nur noch 21 Prozent. Im Januar 1992 bekannten sich von den 3.679 Einwohnern Gertjanoschs nur noch 197 Personen zum Deutschtum. Der Rest bestand aus 3.009 Rumänen, 269 Ungarn, 191 Zigeunern und 13  Sonstigen. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Gertjanosch aus Deutschland waren bis Februar 1996  72 Deutsche im Heimatdorf verblieben.

Über das tägliche Leben in Gertjanosch nach der Auswanderung der Deutschen ist seit 1995 öfter, sowohl in der deutschen (7-mal) als auch in der rumänischen (9-mal) Presse des Banats berichtet worden. Die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ (ADZ) und ihre Beilage fürs Banat „Banater Zeitung“ (BZ) befassten sich hauptsächlich mit den in der Heimat verbliebenen Deutschen. Ärgerlich ist aber, dass hie und da auch Falschmeldungen an den Leser kommen. Nachdem die „Neue Banater Zeitung“ (NBZ) im Oktober 1991 in einer Reportage über die 165 Mitglieder des Ortsforums der Deutschen berichtete, schrieb die BZ im August 1995, dass die Deutschen aus Gertjanosch nach Belieben Mitglieder der Ortsforen von Temeschburg oder von Hatzfeld wären. Im Juni 1999 zitierte dieselbe Zeitung den Bürgermeister Mihai Traian, wonach in seiner Gemeinde „kein Forum gegründet wurde“ und die hiesigen Deutschen Mitglieder des Temeschburger Ortsforums seien. Dieser Aussage hatte man in der BZ schon Ende Juli widersprochen, und in einer Reportage behauptete man, dass ein Ortsforum der Deutschen aus der Gemeinde Gertjanosch schon ein Jahr zuvor gegründet wurde. Erstaunlich an diesen widersprüchlichen Aussagen ist nur , dass sich der Sitz des lokalen deutschen Forums genau gegenüber dem Bürgermeisteramt befindet, und dass der Forumsvorsitzende Matei Rudolf Hepp zugleich auch Mitglied des Gemeinderats ist.

In der anfangs zitierten BZ ist auch zu lesen, dass im einstigen Schwabendorf seit 1985 kein Kirchweihfest mehr stattgefunden hat. In der oben genannten NBZ  wurde aber in einer Reportage berichtet, dass am 14. Oktober 1991 hier noch einmal Kirchweih gefeiert wurde, allerdings ohne Kirchweihbaum, ohne Kirchweihpaare und ohne Dorffest.

1995 sollen laut BZ-Redakteurin Simone Alba 15 deutsche Familien (darunter auch Mischehen) sich entschieden haben, den Heimatort nicht zu verlassen. Zu diesen gehörte auch die Familie Wambach: der 85-jährige Josef Wambach und seine 53-jährige Frau Magdalena geb. Jost mit ihrer 72-jährigen Mutter Magdalena Jost. Magdalena Wambach unterrichtete  31 Jahre lang in der deutschen Abteilung der Gertjanoscher Schule als Mathematik- und Physiklehrerin. Da 1990 wegen Mangels an deutschen Schülern sogar die Grundschulklassen aufgelöst wurden, musste sie in der rumänischen Schule unterrichten. Nachdem die Tochter Elke nach Deutschland auswanderte und Dagmar, die andere Tochter nach Temeschburg zog, entschlossen sich die Wambachs, im Heimatdorf zu verbleiben.

Im Mai 1996 berichtete die BZ auch über die Familie Pfeifer. Martin und Magdalena Pfeifer, damals 64 Jahre alt, nahmen das Angebot des Vereins für Internationale Zusammenarbeit in Anspruch und ließen sich in der alten Heimat „stabilisieren“, während die Tochter Herta mit ihrer Familie nach Deutschland auswanderte. Die Pfeifers gründeten die Konditorei „Magdalena“, die anfangs so gut funktionierte, dass sie die aufgenommenen Kredite schon in den ersten drei Jahren rückerstatten konnten. Magdalena Pfeifer, die vorher die Gaststätte der Konsumgenossenschaft leitete, stand nun den ganzen Tag vor der Theke und in den Abendstunden vor dem Backofen. Die Folgen dieser Strapazen ließen nicht lange auf sich warten. Nach fast sechs Jahren wollte ihr Herz bei der „Stabilisierung der Deutschen in der angestammten Heimat“ nicht mehr so richtig mitmachen. Hinzu kam auch noch die Konkurrenz dreier weiterer Konditoreien, und die Lebensmittelläden boten auch immer mehr Süßigkeiten dem Käufer an. Aus diesem Grund war das Café „Magdalena“ seit 1998 nur noch in den späten Nachmittagsstunden geöffnet. Man betrieb lieber zusätzlich auf der Straße einen Kiosk mit Eis- und Langoschverkauf. Im Juni 1999 konnte man in der Presse lesen, dass die Konditorei „Magdalena“ geschlossen wurde. Martin Pfeifer gab in der BZ auch die Gründe an: „... die Leute haben kein Geld, um sich in eine Konditorei zu setzen. Da nützt kein guter Wille mehr – wir mussten ein Schloss an- und das Schild ‚Geschlossen’ aushängen“.

Die Auswanderung der Deutschen bedauerte nun auch der Gerjanoscher Bürgermeister Mihai Traian, der dieses Amt 1998 übernommen hat. Er erklärte 1999 einer Journalistin der BZ: „Viele von uns haben sich von den Schwaben etwas abgeguckt. (...) Wenn der Vetter Matz den Straßengraben reinigte, machte es ihm der Ilie nach. Dasgleiche beim Frühjahrsputz vor Ostern oder beim Straßenkehren am Wochenende“. Die wenigen Deutschen, die in der Gemeinde verblieben sind, gründeten 1998 ein eigenes Ortsforum, zu dessen Vorsitzender Matei Rudolf Hepp gewählt wurde. Unter den Mitgliedern befinden sich auch einige Rumänen. Zweimal in der Woche treffen sie sich im Forumssitz, wo ihnen zwei  Fernseher und eine Bibliothek zur Verfügung stehen. Bei den Zusammenkünften soll vor allem die deutsche Sprache gepflegt werden, weil die Jugendlichen, darunter auch Schüler der Temeschburger „Lenau“-Schule, untereinander nur noch rumänisch sprechen. Zum Vorhaben des Forums zählte auch die Einrichtung eines Raums für die Jugend.

Wie die BZ im August 1995 berichtete, hatte damals das einstige Schwabendorf auch keinen eigenen Seelsorger mehr. Sonntags beteten die Katholiken gemeinsam in der Kirche, ein Gottesdienst fand aber nur einmal im Monat statt. Dieser wurde vom Hatzfelder Pfarrer Hans Ghinari zelebriert.

Das Wirtschaftsleben der einst blühenden Gemeinde ist fast total lahmgelegt, und so wird  auch in der Presse kaum etwas darüber berichtet. Im Juli 1999 meldete die BZ, dass seit 1996 eine von der Zeitung nicht genannte „deutsche Gesellschaft“ in Gertjanosch investiert. Die vor einigen Jahren abgebrannte Mühle ist angekauft und ausgebaut worden, so dass hier Mehl von guter Qualität erzeugt werden konnte. Zwei Bäckereien versorgten die Ortschaft mit dem täglichen Brot, das aus diesem Mehl gebacken wurde.

Es scheint aber, als hätte es in diesem Zweig der Lebensmittelindustrie eine starke Konkurrenz gegeben. Die deutsch-rumänische Firma „Fangmeier Agro-Impex GmbH“ mit dem Sitz in Temeschburg behauptete sich seit 1994 immer mehr im Bereich der Broterzeugung. Nachdem sie die Grabatzer Mühle aufgekauft und technisch neu ausgestattet hatte, kaufte oder pachtete sie Ackerland in der Umgebung. Allein auf dem Areal der Gemeinde Gertjanosch verwaltete diese Firma am Anfang des Jahres 2000 etwa 2.500 ha von insgesamt 4.500 ha Ackerland. Angebaut wurde hauptsächlich Weizen, Gerste und Mais, aber auch Kartoffeln, Sonnenblumen und Soja.

Die Gertjanoscher Ziegelei, die eine über 150-jährige Tradition hat und damit zu den ältesten des Landes zählt, ist seit langem am Rande des Bankrotts. Am Jahresende 1996 meldete die BZ, dass am letzten Tag des Jahres 200 Arbeiter  „technisch arbeitslos“ werden sollen. Während der „technischen Arbeitslosigkeit“ sollten die Anlagen des Betriebs überholt und besser ausgerüstet werden. Die Ziegelfabrik steckte aber auch in organisatorischen Schwierigkeiten. Als ein von der Chefingenieurin Ecaterina Cismas-Panduru geleitetes Tochterunternehmen des pleitegegangenen staatlichen Betriebs „Soceram“ aus Hatzfeld ist die Ziegelei zugleich auch direkt der Bukarester Zentrale untergeordnet. Mehrere Assoziierungsangebote seitens ausländischer Investoren wurden von der Zentrale abgelehnt, obwohl dadurch 500 Arbeitsplätze gesichert werden könnten. Die Temeschburger Tageszeitung „Renasterea banateana“ (Banater Wiedergeburt) berichtete im April 1997, dass die Ziegelei mit der halben Kapazität und mit der Hälfte der Belegschaft wieder Ziegeln produzierte; man wusste aber nicht wie lange noch.

Auch die Gemeindeverwaltung war fast ständig von Pech und Pannen gekennzeichnet. Schon der 1992 gewählte Bürgermeister Stelian Milota konnte die Gemeinde wegen ständig fehlender Gelder nicht so richtig verwalten. Mit dem wenigen Geld in der Gemeindekasse konnte er nur das Allernötigste unternehmen: die Instandhaltung der Schule, des Kindergartens und des Gemeindeambulatoriums. Für die Reparatur der Dorfstraßen reichte das Geld nicht mehr, so dass man sich damit begnügen musste, die Schlaglöcher notdürftig aufzufüllen.

Bei den Kommunalwahlen von 1996 ist der Kandidat der Demokratischen Konvention (CDR) Corneliu Manea mit 1.406 Stimmen in das Amt des Bürgermeisters gewählt worden. Schon im ersten Jahr seiner Amtszeit musste er hilflos zusehen, wie das Grundwasser im Dorf so stark angestiegen war, dass einige Häuser im Wasser standen und eins davon sogar zusammenfiel. Jeder Betroffene musste sich selbst helfen, wie er konnte. Auch der neue Bürgermeister hatte für die Instandhaltung der Unterrichtseinheiten und für das Kulturheim Prioritäten gesetzt. Er war auch mit der Zahl der im Ort angesiedelten Dienstleistungsunternehmen zufrieden, nämlich Schneiderei, Tischlerei, Autoreparaturwerkstatt, Bestattungsdienst, Lebensmittelmarkt und Sparkasse.

Schlimm sah es aber mit den Ärmsten der Armen aus.  Den 300 zumeist in der „Kolonie“ der Ziegelei wohnenden mittellosen Familien konnte man keinen landwirtschaftlichen Boden mehr zuteilen, weil dieser nicht vorhanden war. Lediglich 26 Familien erhielten je 25 Ar Boden, auf dem sie das Nötigste für die Ernährung anbauen sollten. Viele Mitglieder dieser Familien arbeiteten in der Ziegelei, aus der sie aber wegen deren finanziellen Schwierigkeiten entlassen wurden.

Im Juni 1997 kam es im Gemeindehaus zu öffentlichen Auseinandersetzungen. Der Gemeinderatsmitglied Stefan Tomulea beschuldigte Corneliu Manea, dass er das Bürgermeisteramt mit seinem Eigentum verwechsle und ging mit seiner Beschuldigung zur Presse. Im Laufe einer von der „Renasterea banateana“ unternommenen Recherche warf Tomulea dem Bürgermeister Vetternwirtschaft bei der Vermietung der 241 im Staatseigentum befindlichen Häuser vor. Es wurden auch einige konkrete Rechtswidrigkeiten festgestellt, die sich auch auf die Personaleinstellung erstreckten. Viele dieser Anschuldigungen wurden auch von Vertretern des Temescher Kreisrates in ihrer Untersuchung bestätigt, aber Sanktionen wurden von diesen nicht erteilt, auch nicht nach der zweiten Untersuchung.

Trotzdem konnte man im Juni 1999 in der BZ lesen, dass seit 1998 Mihai Traian das Amt des Gertjanoscher Bürgermeisters bekleidet. Aber auch dieser beklagte sich, wie alle seine Vorgänger, über den knappen Haushalt, der ihm zur Verfügung stand. Auch die von ihm genannten „Erfolge“ sind identisch mit denen seiner Vorgänger. Mit einer zusätzlichen „Errungenschaft“ brüstet er sich doch: die baldige Inbetriebnahme einer digitalen „Alcatel“-Telefonzentrale. Er verschweigt aber, dass für die Planung und Montage der Anlage nicht das Bürgermeisteramt, sondern das Fernmeldeunternehmen „RomTelecom“ zuständig ist, und dass dieses auch die Kosten trägt.

Januar 2002                                                                                                  Anton Zollner