DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (114)
 G r o ß d o r f

Großdorf, auch Nadfal genannt, (amtlich: Satu Mare; ung.: Temesnagyfalú) liegt im Marosch-Tal auf dem banater Ufer, in der Nähe des Gemeindezentrums Sekeschut (amtlich: Secusigiu; ung.: Székesút). Erreichbar ist das Dorf über die Landstraße Arad - Perjamosch, aber es ist auch an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Verwaltungsmäßig gehörte die Ortschaft bis 1968 zum Komitat bzw. Kreis Temesch (-Torontal) oder zur Region Temeschburg bzw. Banat (Rayon Arad), seitdem gehört es zum Kreis Arad.

Dokumentarisch attestiert ist die Ortschaft seit 1333-34. Das heutige Großdorf mit nicht mehr als etwa 1.000 Einwohnern erhielt laut Dr. Ioan Hategan seinen Namen „Magna Villa", weil die Siedlung in früheren Zeiten verhältnismäßig groß war. Schon 1557-58 , also unter türkischer Herrschaft, bestand sie aus 70 bewohnten Häusern. Bis 1717 verringerte sich diese Zahl auf 16, aber 1773 zählte man hier schon wieder 140 bewohnte Häuser. Nach Karl F. Waldner und Dr. Anton P. Petri lebten in Großdorf anfangs nur Serben, 1820 betrug ihre Zahl 1774 Seelen. Neben diesen lebten damals hier auch 152 Deutsche, die durch Binnenwanderung aus den Nachbardörfern zugezogen waren, und 7 Juden. Die ersten Deutschen sind nach 1796 aus Perjamosch zugewandert, die meisten kamen danach aus Perjamosch, Warjasch, Deutsch-Sankt-Peter und Lowrin. Die ersten Einwohner anderer Volkszugehörigkeit als serbisch, deutsch oder jüdisch wurden erst 1880 registriert. Bis 1930 veränderte sich die nationale Zusammensetzung der Dorfbewohner wie folgt: Serben - 821, Deutsche - 455 und Sonstige (überwiegend Rumänen) - 175. Den größten Bevölkerungsanteil mit 37,5 Prozent, hatten die Deutschen im Jahr 1890, als von den 1.562 Einwohnern 587 dieser Nationalität angehörten. Im November 1940 konnten noch 433 Personen deutscher Volkszugehörigkeit registriert werden.

Während und nach dem 2. Weltkrieg hatten die Deutschen aus Großdorf 27 Opfer zu beklagen. 13 Großdorfer sind auf dem Schlachtfeld, 3 in der rumänischen und 10 in der deutschen Armee gefallen. Ebenfalls als Kriegsopfer haben 3 Zivilpersonen ihr Leben verloren. Aus der Russlanddeportation konnten 11 Personen ihre Entlassung aus der Zwangsarbeit nicht mehr erleben.

Bei der Volkszählung von 1977 hatte das Dorf noch 1.148 Einwohner, von denen 181 Deutsche waren. Den Rest bildeten 497 Rumänen, 436 Serben, 25 Ungarn und 9 Sonstige. Fünfzehn Jahre später, im Januar 1992 bekannten sich von den 1.005 Einwohnern nur noch 48 Personen zum Deutschtum. Zugleich ist die Zahl der Rumänen auf 652 gestiegen und die der Serben und Ungarn auf 247 bzw. 15 gesunken. Bei dieser Gelegenheit wurden auch 27 Zigeuner gezählt.

In Großdorf, wo die Deutschen überwiegend römisch-katholischen Glaubens waren, gab es keine Pfarrei; die Gläubigen bildeten laut Karl F. Waldner und Dr. Anton P. Petri immer eine Filiale der benachbarten Pfarreien. 1888 ist die heutige Kirche errichtet und zu Ehren der Hl. Theresia geweiht worden. Vorher gab es nur eine Kapelle im Dorf, die 1831 erbaut worden ist. Laut denselben Autoren soll es hier im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts eine katholische Konfessionsschule gegeben haben, die bis 1940 bestanden haben soll. Aber Luzian Geier behauptet zugleich in der „Neuen Banater Zeitung" vom 23. Mai 1984, dass es nach der 1848-er Revolution hier eine deutsche Gemeindeschule gegeben hat, deren Lehrer Johann Stehlig gewesen sei. Die Gemeindeschule soll nach Geier erst 1868 in eine konfessionelle umgewandelt worden sein, die als solche bis 1918 bestanden hat, in der aber um 1910 Ungarisch als Unterrichtssprache eingeführt worden sei.

Aktuelle Berichte über Großdorf konnte ich weder in der rumäniendeutschen noch in der Arader rumänischen Presse finden. Das Dorf, dessen Einwohner einst zu über 30 Prozent Deutsche waren, ist nur einmal in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" vom 8. Juli 1995 erwähnt worden. Der Arader Lehrer Daniel Schemmel schilderte damals in einem Leserbrief einen Fahrradausflug, den er mit seinen Schülern unternommen hatte. Der Weg führte durch mehrere banater Dörfer, zu denen auch Großdorf gehörte. Der Autor des Leserbriefs hatte kaum etwas über diese Ortschaft zu berichteten, außer der Feststellung, dass damals hier nur noch 12 Deutsche lebten. Von denen saß aber die in Mischehe lebende Familie des Swetko Petkoff schon auf gepackten Koffern, um im nächsten Monat nach Deutschland auszuwandern.

Juni 2000                                                                                                            Anton Zollner