DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (21)
 G a t a j a

Gataja (amtlich: Gataia; ung.: Gátalja) war und ist eine Ortschaft, deren Bevölkerung verschiedene Nationalitäten umfaßt. Der Anteil der deutschen Bevölkerung betrug hier höchstens 10 Prozent (1910), 1940 erreichten die Deutschen mit 407 Seelen ihren Höchststand. Während der großen Auswanderungswelle zählte man hier im März 1990 nur noch 24 „Neue Banater Zeitung" (NBZ)-Abonnenten. Heute leben in Gataja mit dem inzwischen eingemeindeten Ort Sculia (= Skulia) 8.541 Seelen, von denen sich im Januar 1992 noch 110 zum Deutschtum bekannt haben.

Zur Gemeinde Gataja gehören weitere neun Dörfer. In vier dieser Ortschaften verzeichnete man keinen deutschen Bevölkerungsanteil, und zwar in Berecuta, Mânastire, Sângeorge und in Semlacu Mare (= Groß-Schemlak). In weiteren vier Ortschaften gab es einen kleineren oder mittleren Anteil deutscher Bevölkerung. 1930 stellten sie folgenden Bevölkerungsanteil: in Butin (ung.: Temesbökény) 7,5 Prozent (mit 69 Personen), in Skulia (amtlich: Sculia; ung.: Szigetfalú) 8,3 Prozent (mit 80 Personen), Perkossowa oder Perkos (amtlich: Percosova; ung.: Berkeszfalú) 42,4 Prozent (mit 405 Personen) und schließlich Birda (auch amtlich und ung. so), wo die Deutschen mit 63,6 Prozent die Mehrheit bildeten (793 Personen). Hier zählte man im März 1990 sogar noch 38 NBZ-Abonnenten. Klein-Schemlak (heute: Semlacu Mic; ung.: Vársomlyó) war das einzige Dorf der heutigen Gemeinde Gataja, das als deutsche Ortschaft bezeichnet werden kann. Der Anteil der Deutschen betrug 1930 fast 99 Prozent; von den damals 725 deutschen Seelen leben heute nur noch 8 in zwei Familien. Über die anderen Ortschaften liegen uns keine Daten vor. Bei der Volkszählung vom 7. Januar 1992 bekannten sich erstaunlicherweise in der gesamten Gemeinde Gataja 241 (!!) Personen zum Deutschtum.

Über das heutige Leben in der Gemeinde Gataja, die sich über eine Fläche von 23 qkm erstreckt und aus 10 Ortschaften besteht, berichtete ausführlich die rumänische Tageszeitung „Timisoara" vom 7. April 1993. In seinem Bericht schildert der gute Kenner des gegenwärtigen banater Dorflebens, der Journalist Valentin Samânta, hauptsächlich die „maffia"-artigen Machenschaften, die den Alltag in Gataja prägen. Zwar widersetzt sich der unabhängige Bürgermeister Gatajas, Constantin Coneru, mit allen Kräften den „Gatajaer Maffiosi", die „noch schlimmer seien als die italienische Maffia", aber Erfolge konnte er bis vor einem Jahr nicht verbuchen. Im Unterschied zu ihren Vorbildern, „schachern" die „Gatajaer Maffioten" meist mit Ackerfeldern, Landwirtschaftsmaschinen, Nutztieren und Getreide. Am 27. Mai 1993 wandte sich Coneru in einem offenen Brief an den Präsidenten Rumäniens, Ion Iliescu, und bat um Unterstützung bei der Zerschlagung des Spekulantenrings, der sogar den Schutz der Polizei genieße. Aber wahrscheinlich glaubte der Bürgermeister selbst nicht an eine Hilfe des Präsidenten, der ja selbst aus der alten Nomenklatura stammt.

In den „Jahren des Sozialismus" existierten auf dem Gebiet der Gemeinde fünf Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG). Deren Auflösung war unter dem Vorwand der „LPG-Liquidierung" mit Raub und Diebstahl verbunden. Die Ent- und Bewässerungsanlagen wurden abmontiert und weggeschleppt, samt dem Rohrleitungsnetz. Es verschwanden aber auch Kachelöfen, Zäune und sogar die Dorfstiere. Als am Ende nichts mehr zum holen war, stahl man die Fenster- und Türstöcke. Aber auch nach der Auflösung der LPGs und der Gründung neuer Landwirtschaftsvereine ging es mit den Machenschaften weiter. In den Silos der Vereine „Sumingul" und „I.N.A.-D" wurden 96 Tonnen Getreide gelagert, anstatt dieses den Vereinsmitgliedern rechtmäßig zuzuteilen. Aber auch die Lagerung in den Silos wurde so verantwortungslos durchgeführt, daß das Getreide fast einem Brand zum Opfer fiel.

Aber auch bei der staatlichen Station für die Mechanisierung der Landwirtschaft (SML) „SMA", die jetzt in „Servagromec" umbenannt wurde, schaut es nicht besser aus, obwohl dieser Betrieb nicht aufgelöst wurde, da er als funktionsfähig betrachtet wurde. Das gesamte Betriebsgelände sieht wie nach einem Desaster aus. Im Hof stehen leere Karosserien neben Traktoren und Mähdreschern mit aufgeschlitzten Gummireifen. In einer Reparaturhalle, deren neue Beleuchtungsanlage gestohlen wurde, stehen durchtrennte nagelneue Sämaschinen (!) neben Tonnen von zersetztem Zement. Ein Mechaniker des Betriebs berichtete über den gesetzwidrigen Verkauf von Mähdreschern, Traktoren, Anhängern, Zisternen, Pflügen und ... in der Mitte durchtrennter Sämaschinen, (damit mehrere davon verkauft werden können). Es wurden aber auch Elektro- und Traktorenmotoren gestohlen. Entwendet wurden auch unzählige Werkstatteinrichtungen und Ersatzteile. Dabei ließ der Direktor des Betriebs, D. Stanca, in einer Betriebshalle seine eigene Bullenzüchterei einrichten, deren Pflegepersonal aus der Kasse des Staatsbetriebs bezahlt wurde.

Da ist es auch nicht zum staunen, daß man in den Dorfkneipen die vorherige Benennung des Betriebs, SMT (= Landwirtschaftsmaschinen- und Traktorenstation) mit der derzeitigen Tätigkeit des Direktors assoziiert. SMT soll nun unter den Gemeindebewohnern „Stanca Matura Tot" (Stanca fegt alles weg) bedeuten.

Juli 1994                                                                                                            Anton Zollner
 
 

Gataja verlockender als München? (!?)

Die Großgemeinde Gataja (amtlich: Gataia; ung.: Gátalja) liegt am südlichsten Rand der zu Rumänien gehörenden Banater Ebene. Sie wird von der Landstraße DN 58B (Temeschburg) - Wojtek - Reschitz durchquert. Die Ortschaft hat auch Anschluß an das Eisenbahnnetz über die Strecke Temeschburg - Reschitz.

Laut Ioan und Rodica Munteanu soll Gataja schon 1323 dokumentarisch belegt worden sein, Gheorghe Drinovan gibt dafür aber das Jahr 1343 an. Laut Karl Kraushaar sollen 1794 in Gataja und in den nahegelegenen Ortschaften durch Aussterben viele Häuser leer gestanden haben. 1818 sollen Baden-Durlacher aus Ungarn nach Perkos umgesiedelt worden sein. 1869 hatte die Ortschaft 2.403 Einwohner, deren Zahl bis 1977 auf 5.196 gestiegen ist.

Im eigentlichen Sinn war Gataja niemals eine deutsche Ortschaft gewesen, aber schon 1910 bestanden etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus Deutschen; ihre Zahl betrug damals 352 Seelen. Die meisten Deutschen lebten hier im November 1940, als sich 396 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren ließen. Nach dem 2. Weltkrieg sank auch in Gataja die Zahl der Deutschen unaufhaltbar. 1977 hatte man hier 173 Deutsche gezählt, ihr Bevölkerungsanteil betrug damals nur noch 0,03 Prozent. Diese lebten neben 3.002 Rumänen, 1.391 Ungarn, 513 Zigeunern, 54 Serben und 63 Sonstigen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich noch immer 110 Personen zum Deutschtum, während die Zahl der Zigeuner, die sich zu ihrer Volkszugehörigkeit bekannten, auf 53 gesunken ist. Ihre Zahl müßte wegen der vielen Zuwanderungen bedeutend über der von 1977 liegen. Gesunken ist aber auch die Zahl der Rumänen auf 2.719, die der Ungarn auf 1.042 und die der Serben auf 32. Die gesamte Einwohnerzahl war damit in den letzten 15 Jahren um 22,2 Prozent geschrumpft.

Zum Deutschtum bekannten sich 1992 einzelne Personen auch in den zur Gemeinde gehörenden Dörfern: Berecuta - 1 (1940 = 0), Butin (ung.: Temesbökény) - 4 (1940 = 83), Mânastire - 1 (1940 = 0), Sculia (ung.: Szigetfalú; 26 (1940 = 62) - in den '70-er Jahren war dieses Dorf an Gataja angeschlossen gewesen), Groß-Schemlak (amtlich: Semlacu Mare; ung.: Nagysemlak) - 10 (1940 = 52), Sângeorge - 4 (1940 = 0) und im einst zu über 40-prozentig deutsche Dorf Perkos, das auch Perkossowa genannt wird (amtlich: Percosova; ung.: Berkeszfalú) - 20 (1940 = 378). Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft waren im Februar 1996 in Perkos noch 15 Deutsche verblieben gewesen.

In der banater Presse sind die Gatajaer Deutschen in den letzten Jahren - mit einer Ausnahme . nicht mehr erwähnt worden. Die Ausnahme war der Maler Georg Lohmüller, über den die Temeschburger Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) im Mai 1997 mit der Überschrift „Gataja ist verlockender als München" berichtete. Aus seiner Biographie erfährt man, daß er mit 7 Jahren angefangen hat zu malen, aber damals benutzte er noch statt Farben Zahnpaste. Nach der Scheidung seiner Eltern mußte er anstatt Seemann zu werden, sich zum Schlosser ausbilden lassen. Seine Ausbildung als Maler erhielt er in einem dreijährigen Lehrgang in der Volksschule für Kunst in Reschitz. Trotz seiner ersten gescheiterten Ehe malte er viel, und seine Werke wurden in Frankreich, Deutschland, Holland, Österreich, Belgien und sogar in Ecuador gekauft. Schließlich kam er wegen eines Gedichtheftes ins Visier der politischen Geheimpolizei „Securitate", die ihn als „Anarchist" betrachtete und dementsprechend behandelte. So kam er dann ins Psychiatrische Krankenhaus aus Gataja, wo er als Metzger arbeitete. Trotz der Tatsache, daß er bis zum 35. Lebensjahr 600 Gemälde schuf und an internationalen Ausstellungen teilgenommen hat, konnte er niemals Mitglied des Verbands der bildenden Künstler aus Rumänien werden. In der Zeit, als er vom Journalisten Claudiu Aldea besucht wurde, malte Lohmüller Tag und Nacht im oberen Stockwerk des von ihm geplanten Hauses, während er alle Bereiche des ländlichen Haushalts seiner zweiten Frau überließ. Sie fügte sich widerstandslos dieser Vereinbarung. Krach hatten sie nur einmal, und zwar als sie ihren einzigen Wunsch äußerte, nach Deutschland auszuwandern. „Hier sind meine Wurzeln, und hier werde ich für immer bleiben", war seine kategorische Antwort.

Den Wunsch, für immer im Heimatort zu verbleiben, könnte auch das Drittel der Gatajaer Bevölkerung gehabt haben, das einen Antrag für einen Anschluß an das Erdgasnetz gestellt hat. Dieses Netz befand sich aber 1998 noch immer in der Projektphase. Die Kosten des Gasnetzes mit einer Gesamtlänge von 45 km sollten sich auf 5.745 Milliarden Lei belaufen haben. Wie die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" (ADZ) im September 1998 schrieb, war und ist das Bürgermeisteramt sehr bemüht, den Einwohnern einen bestimmten Wohnkomfort zu sichern, damit die Großgemeinde so bald wie möglich zur Stadt erhoben wird. Diesem Ziel des Bürgermeisters dienen auch weitere Initiativen, die hier unternommen wurden. Schon 1995 hatte man hier eine Landwirtschaftsbank und eine Sparkasse eingerichtet. Wie die ADZ im März jenes Jahres berichtete, hatte man damals auch das Kulturheim renoviert, Straßen wurden repariert, und ein Kanalisationsnetz mit einer Kläranlage sollten in Betrieb genommen werden. Zur gleichen Zeit ist im Gemeindeambulatorium die Zentralheizung eingeführt worden. Über das Ortszentrum Gatajas schrieb dieselbe Zeitung, daß dort „ein Unternehmen und eine Boutique neben der anderen" ihren Platz gefunden haben. Zugleich gründete die deutsch-rumänische Firma „Rotgau" eine Bäckerei und eine Damenschneiderei. Damals berichtete man auch, daß hier eine Firma mit rumänischem und deutschem Kapital „Solingen"-Eßbestecke herstellen wolle.

Es scheint aber, daß nicht alle Pläne des vorherigen parteilosen Bürgermeisters Constantin Coneru (der aber ein Sympathisant der Christlich-demokratischen Nationalen Bauernpartei - PNTCD war) verwirklicht werden konnten. Wie die „Renasterea banateana" 1997 öfters berichtete, konnten bis März von der Kanalisation, die inzwischen in den Plänen auf 30 km reduziert wurde, praktisch nur 6,5 km errichtet werden. Der 1996 auf der Liste der Partei der Sozialen Demokratie in Rumänien (PDSR) mit 2.084 Stimmen gewählte Bürgermeister Nelu Barbu beschuldigt dafür die Sparmaßnahmen der derzeitigen Regierung.

Trotz all dem ging hier die neue Abteilung der deutschen Firma „Boldur Beckmann" aus Solingen, wenn auch mit großen Anfangsschwierigkeiten, in Betrieb. Vor allem konnte man mit den großen Schwankungen im örtlichen Stromnetz nicht arbeiten. Deswegen mußte die Firma dringend ihren eigenen Stromgenerator installieren. Danach kamen die Schwierigkeiten mit der Anschaffung des nötigen Treibstoffs, die täglichen 28.000 bis 30.000 Liter Dieselöl mußten aufgespürt und dann mit eigenen Transportmitteln herbeigebracht werden. Zur gleichen Zeit reichte auch der Wasserdruck für die Produktion nicht aus, und deswegen mußte man einen Brunnen bohren, um so eine adäquate Wasserversorgung zu sichern. Mit der Steigerung der Produktion mußte die Zahl der Beschäftigten von 50 auf 146 erhöht werden, wodurch die Betriebsräume zu eng wurden. Die Betriebsfläche der gewesenen Abteilung des Temeschburger Betriebs für elektrische Meßgeräte AEM reichte nicht mehr aus, und es mußte ein neuer Bau errichtet werden. Bis Januar 1997 sind in diese Abteilung der deutschen Firma 4,5 Millionen DM investiert worden, und die vorgesehene Erweiterung benötigte weitere 6 Millionen DM. Durch dieses Vorhaben sollten aber weitere 250 bis 300 neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

Wegen der bekannten „rumänischen" Arbeitsmoral konnten im Durchschnitt von 10 Bewerbern nur 3 eingestellt werden. Sie mußten aber nicht nur im Alter von 20 bis 32 Jahren sein, sondern auch ein perfektes Führungszeugnis vorlegen, sich im Betrieb manierlich benehmen und während der Arbeitszeit dürfen sie nicht unter Alkoholeinfluß sein. Bei der Auswahl der Mitarbeiter ging es anfangs nicht besonders reibungslos zu, da die meisten Bewerber viel verdienen und zugleich wenig arbeiten wollten. Deswegen bevorzugte man Leute, die vorher nicht in „sozialistischen" Betrieben beschäftigt waren. Anfang 1997 verdiente man hier einen Stundenlohn in Höhe von 1,50 bis 2,20 DM (also ein Zehntel des hierzulande üblichen Stundenlohns), die in Lei ausgezahlt wurden. Demnach ergibt sich ein Nettoeinkommen in Höhe von etwa 650.000 Lei im Monat, mit welchem die Menschen aus ländlichen Ortschaften sehr zufrieden waren.

Man wäre 1997 in Gataja auch mit dem Gesundheitswesen zufrieden gewesen, wenn die von der Weltbank versprochene Ausstattung geliefert worden wäre. Unzufrieden waren eher die zwei Allgemeinärzte, die sich mit 8.542 zu betreuenden Einwohnern der 7 zu ihrem Bezirk gehörenden Ortschaften überfordert fühlten. Auch ein Kinderarzt fehlte seit Jahren, und dazu befanden sich die Kommunalstraßen zu einigen Dörfern der Gemeinde in so einem schlechten Zustand, daß sie in Notfällen ein Hindernis für die Rettung der Menschen darstellten. Dazu kam auch die Tatsache, daß in der einzigen Apotheke der Gemeinde nicht alle notwendigen Arzneimittel auf Lager waren.

Trotz all der anfangs aufgezählten positiven Aspekte bezeichnete Bürgermeister Nelu Barbu die Lage der Jugendlichen besonders kritisch: sie haben keine Häuser, keine Arbeit, und sie sind auch bei der Bodenverteilung leer ausgegangen. Seit 1989 gibt es in Gataja auch keine Unterhaltungsmöglichkeiten, da hier keine kulturelle Tätigkeiten mehr stattfinden. Das zum „Nationalhaus" gewordene Kulturheim befindet sich nun schon im guten Zustand, aber benützt wird es kaum. Nur Filmvorführungen finden hier zwei- bis dreimal in der Woche statt, aber diese werden überwiegend von Schülern besucht.

In einer vor einigen Jahren noch unvorstellbaren Lage befand sich 1997 die Gatajaer Landwirtschaft. Bei der Anwendung des Bodengesetzes von 1991 reichten die Nutzflächen der gewesenen LPG nicht aus, um allen Berechtigten die vorgeschriebenen Flächen zukommen zu lassen. Diejenigen, die keinen LPG-Boden erhalten haben, machte man zu „Aktionären" des gewesenen Staatlichen Landwirtschaftsbetriebs (SLB = IAS), der nun auf Landwirtschaftliche Handelsgesellschaft „Socgat" AG umgetauft war. Laut einem Gesetz von 1994 war der Betrieb verpflichtet, den „Aktionären" jährlich je 600 kg Getreide für ein Hektar Ackerland zu „bezahlen". Die „Aktionäre" konnten aber wegen den finanziellen Schwierigkeiten des Betriebs schon ab 1995 nicht mehr in den Besitz dieser Getreidemengen kommen. Als Folge dieses Zustands forderten sie, daß man ihnen die Felder, die ihnen nach dem Gesetz zustehen würden, zur Benutzung freigibt. Damit waren alle zuständige Behörden einverstanden und erteilten so auch die nötigen Genehmigungen. Von den insgesamt 1.550 ha Felder der „Aktionäre" wurden 467 Hektar von diesen beansprucht. Davon wurde auf 140 Hektar ein neuer Landwirtschaftsverein gegründet, und 327 Hektar sollten individuell von ihren Benutzern bestellt werden. Die neuen Vereinsmitglieder nahmen sofort einen Kredit in Höhe von 8 Millionen Lei auf, mit dem sie den Traktoristen für das Ackern und das Säen einen Vorschuß zahlten. Nachdem aber die Hälfte der Vereinsfelder geackert waren, kamen die Vertreter der LHG „Socgat" AG und vertrieben die Traktoristen von „ihren" Feldern. Alle Beschwerden der Betroffen trafen bei allen zuständigen Stellen auf taube Ohren.

Dieser Mißstand ist aber nur einer von vielen. Das Schlimmste ist, daß auch hier wie im ganzen Banat, immer mehr Ackerfelder brach liegen bleiben. Im Frühjahr 1997 lagen in der gesamten Gemeinde etwa 2.000 Hektar Ackerfelder unberührt da, und der Bürgermeister Nelu Barbu vertrat die Meinung, daß diese wegen der finanziellen Not ihrer Eigentümer oder Verwalter über das ganze Jahr unbestellt bleiben werden. In dieser katastrophalen Lage hört man nun immer öfter Aussagen von zuständigen Amtspersonen, in denen sie die Auswanderung der Banater Schwaben aufrichtig bedauern.

September 2000                                                                                                         Anton Zollner