DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (34)
F r a n z d o r f

Franzdorf (heute: Valiug; ung.: Ferenczfalva) befindet sich im Banater Bergland, am Fuße des Berges, der im Semenik-Gebirge die höchste Spitze (1.449 m) hat und den Namen „Gozna" trägt. Die ersten Ansiedler Franzdorfs (nach dem Kaiser Franz I. benannt) waren Forstarbeiter aus Österreich, die am 29. Juni 1793 auf eine Lichtung im Bersau-Tal ankamen und dort im Freien übernachteten.  Laut Karl Lupsiasca errichteten sie ihre Nothütten auf dem freien Platz, der sich heute vor der Schule befindet und „Unter den Linden" heißt. Danach mussten sie erst den Wald roden, bevor sie ihre 71 Häuser, die Dorfschule und ein Bethaus aus Holz erbauen konnten. Die Häuser wurden von 68 zumeist ledigen Männern und von den drei Steierdorfer Anführern der Ansiedlung besetzt. Nur 29 Kolonisten kamen mit ihren Frauen und 27 Kindern nach Franzdorf.

Im selben Jahr 1793 wurde die hiesige Pfarrei gegründet, und zugleich hatte man die Kirchenbücher eingeführt. 1807 errichtete man ein Schulhaus, eine Kirche und je eine Wohnung für den Lehrer und für den Pfarrer aus festen Baumaterialien. Der erste Lehrer war Josef Pricklmayer und der erste Pfarrer der Franziskanerpater Benedikt. Die heutige katholische Kirche ist 1861 dem Hl. Franziskus von Assisi geweiht worden. Sie ist das spezifischste Gotteshaus für das Banater Bergland. Die Mauern der im romanischen Stil errichteten Kirche bestehen aus Bruchstein und Brennziegeln, an denen asymmetrisch der Glockenturm angebaut wurde. Die in Rundbogenform aus Holz angefertigte Decke erinnert an den Holzreichtum des Berglands, aber auch an die Rodungsarbeit der ersten Siedler.

Die Besiedlung Franzdorfs geschah auf Anregung der Bergwerksdirektion aus Montan-Reschitz, um den immer größeren Bedarf der Reschitzer Eisenwerke an Holzkohle zu decken. Das Holz wurde anfangs über die 1795 entlang der Bersau errichteten Triftanlagen bis Reschitz befördet. 1802 baute man zum selben Zweck den Fahrweg Franzdorf – Reschitz über Cuptoare. Da aber auch auf diesem Weg die Beförderung des Holzes schwierig blieb, verarbeitete man das Holz zu Holzkohle bald vor Ort und transportierte diesen so leichter in die Hüttenwerke. Dadurch konnte der Triftbetrieb 1813 eingestellt werden.

Zwei Jahre nach der Ansiedlung, im Jahre 1795 zwang man die als Köhler beschäftigten Bufänen (aus Oltenien vor den Türken geflüchtete Walachen), die in der Umgebung hausten, sich im Dorf niederzulassen. Sie bauten sich ihre Häuser anfangs am Berghang ober- und unterhalb der deutschen Siedlung. So kam es, dass Franzdorf zu einem Ort mit gemischter deutscher und rumänischer Bevölkerung wurde. 1836 zählte man hier 612 Bufänen. Bis 1910 sank der Bevölkerungsanteil der Deutschen auf 40 Prozent, was in Zahlen ausgedrückt 878 deutsche Seelen bedeutet. Ihre Zahl und ihr Anteil an der Bevölkerung Franzdorfs sanken ständig bis heute. 1930 zählte man hier noch 571 Deutsche, aber bis im November 1940 waren es nur noch 444. Bei der Volkszählung von 1977 verzeichnete man im Dorf bei 1.491 Einwohnern noch 169 Deutsche. 1992 ging die sinkende Zahl der Deutschen mit einer Entvölkerung Franzdorfs einher; neben den verbliebenen 109 Deutschen, wurden weiter nur noch 1.046 Rumänen, 18 Ungarn und 12 Sonstige gezählt. Ein Jahr später, 1993 sollen in Franzdorf nur noch etwa 30 bis 40 Deutsche gelebt haben, bei weiter rückläufiger Tendenz.

Franzdorf blieb viele Jahre nach seiner Gründung eine von der Außenwelt nicht wahrgenommene Ortschaft. Erst nach dem 1. Weltkrieg, als oberhalb des Dorfes ein Stausee errichtet wurde und besonders nach der Errichtung der viel größeren Talsperre oberhalb des Dorfes im Jahre 1956 verwandelte sich Franzdorf plötzlich in eine Touristenattraktion des Banats. Anfangs war der Ort zwischen den zwei Stauseen das begehrte Ausflugsziel der Reschitzer Bevölkerung, bald entstanden aber immer mehr Ferienhäuser verschiedener Betriebe oder Sportvereine. Bald kamen immer häufiger auch Touristengruppen aus den verschiedensten Teilen des Banats und des Landes nach Franzdorf, von wo aus man die schönsten Ausflüge in das Semenik-Gebirge unternehmen konnte.

Zu einer Ortschaft mit einem touristischen Charakter, wie man sie sich hierzulande vorstellt, wurde Franzdorf aber niemals. Nach dem Umbruch von 1989 und besonders nach der massiven Auswanderung der Deutschen begann man hier, die schlimmsten „Geschäfte" mit den Häusern und dem Boden der Ausgewanderten zu treiben. Die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ (ADZ) und besonders die rumänische Tageszeitung „Timisoara" des Monats März 1994 berichteten ausführlich über die „Grundstücksaffäre von Franzdorf". Aber diese Affäre widerspiegelte im Grunde doch nur den Machtkampf der neuen Parteien und Machthaber des Banater Berglands. In der Affäre sind unter anderen höchste Persönlichkeiten aus den Kreisen Karasch-Severin und Temesch verwickelt gewesen. Zum Sündenbock wurde aber nur der Franzdorfer Bürgermeister Vasile Ponoran gemacht. Er wurde wegen Fälschungen in den Besitzurkunden von Häusern, Villen und Grundstücken vom Präfekten des Kreises Karasch-Severin seines Amtes enthoben. Die „mächtigen" Nutznießer seiner Fälschungen haben ihn am Ende fallengelassen, nachdem „ihr neues Eigentum" im Grundbuch eingetragen war.

Februar 1996                                                                                                              Anton Zollner