DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (63)
 F i b i s c h

Fibisch (amtlich: Fibis; ung.: Temesfüres) liegt am nordöstlichen Rande der Banater Hecke, etwa in der Mitte der Landstraße Temeschburg - Lippa, die die Ortschaft durchquert. Fibisch, ein Dorf mit gemischter Bevölkerung, war bis zu Ceausescus administrativ-territorialer Umstrukturierung Rumäniens im Jahre 1967 Gemeindesitz gewesen, danach wurde es ein Dorf, das der Gemeinde Blumenthal (auch Maschlok genannt) angehört.

Nach Gheorghe Drinovan ist Fibisch schon seit 1446 dokumentarisch belegt, die ersten Deutschen ließen sich aber laut Luzian Geier erst um das Jahr 1800 als Zuwanderer hier nieder. Nach demselben Autor siedelten sich in derselben Zeit im Dorf auch Ungarn an. Aus Geiers Recherchen erfolgt, daß im Jahre 1821 in Fibisch neben den 1.300 ansässigen Rumänen auch schon etwa 260 Deutsche lebten. 1910 stellten die 569 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 23 Prozent. Es scheint, als wäre dies der höchste Stand gewesen, da zwei Jahrzehnte später diese Zahl auf 394 gesunken ist, was einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von nur noch etwa 18 Prozent darstellte. Im Jahre 1940 wurden in Fibisch wieder 466 Deutsche gezählt. Bis 1977 sank die Zahl der Deutschen auf 150 Personen, die hier neben 1.610 Rumänen, 195 Ungarn und 21 Sonstigen lebten. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 konnte man feststellen, daß die deutsche Kolonisation des Banats auch in diesem Dorf ihrem Ende zugeht. Unter den 1630 Dorfbewohnern bekannten sich nur noch 14 Personen zum Deutschtum. Bei dieser Gelegenheit mußte man auch feststellen, daß in den letzten 15 Jahren nicht nur 136 Deutsche ihrem Heimatdorf den Rücken kehrten, sondern es wurden auch um 346 Rumänen und 185 Ungarn weniger gezählt.

Zugleich scheint es aber, als würde das Deutschtum in Fibisch doch nicht gänzlich aussterben. Wie die Temeschburger Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) am 13. März 1995 berichtete, hatte man hier auf der Landstraße, die durchs Dorf führt, zum erstenmal eine Tankstelle eingerichtet. Für Aufsehen sorgte dabei nur die Tatsache, daß diese Investition, deren Wert sich auf über 100 Millionen Lei beläuft, von der rumänisch-deutschen Handelsgesellschaft „Nitrobenzen" durchgeführt wurde. Eigentümer dieser Firma sind der Rumäne Vasile Mihai aus Fibisch und der aus Blumenthal stammende Deutsche Walter Papp. Nachdem der orthodoxe Pfarrer die Tankstelle eingeweiht hatte, begann man mit dem Verkauf des Kraftstoffes. Als eine Besonderheit wurde 1995 hier der Verkauf von bleifreiem Benzin eingeräumt, weil dieser damals in Rumänien noch als eine Rarität galt. Aber wichtiger als das „Bleifreie" erschien das Angebot „vor Ort" des Dieselöls. Da die gesamte Umgebung als eine wichtige landwirtschaftliche Zone eingestuft ist, nimmt man gerne an, daß die Fibischer Tankstelle sich am „richtigen Ort" befindet. Man wollte aber nicht bei dieser „Kleinigkeit" bleiben, und darum überlegte man anschließend die Errichtung eines Motels in der Nähe der rumänisch-deutschen Tankstelle aus Fibisch.

Der nächste Bericht über Fibisch ist in derselben Zeitung etwa zwei Jahre später, am 31. Dezember 1996 erschienen. Der Anlaß dazu ist unwichtig, da es darin um einen Verkehrsunfall geht, der weit vom Dorf von einer Schafherde der Fibischer Landwirtschaftlichen Handelsgesellschaft „Oveg" verursacht wurde, weil diese bei Nacht ohne Lichterkennung auf eine Landstraße getrieben wurde. Was für uns in diesem Bericht als wichtig erscheint, ist die Feststellung, daß man sich in einer Ackerbaulandschaft jetzt mit einer intensiven Schafzucht beschäftigt, wo doch die Lebensbedingungen für diese Tiere hier fehlen. „Weiden" können die Schafherden in der gesamten Umgebung nur auf den ... Ackerfeldern, und von einem Ackerfeld zum andern können diese hier nur auf den verkehrsreichen Landstraßen getrieben werden. Wollen die Neubürger des Banats jetzt vielleicht die gewesene Kornkammer Europas in die Ära vor der deutschen Kolonisation zurückführen? Heute kann im Banat alles möglich sein!

April 1997                                                                                                               Anton Zollner