DURCH GEWESENE DEUTSCHE ORTSCHAFTEN DES BANATS (54)
 F a t s c h e t

Fatschet (heute: Faget; ung.: Facsad) gehört zwar noch zum Banater Bergland, da es vom Ruska-Gebirge (Poiana Ruscai) und von den Lippaer Hügeln umgeben ist, aber es liegt schon am Rande der Lugoscher Ebene. Laut Gheorghe Drinovan wurde Fatschet erstmals 1700 erwähnt, als die Siedlung noch aus 20 Häusern bestand. O. Nica behauptet aber in der Wochenschrift „Agenda" vom 15.06.1995, daß die Ortschaft schon 1548 dokumentarisch belegt worden sei. 1733 wurde hier die katholische Pfarrei gegründet, und erstmals die Matrikelbücher eingeführt. Laut Karl Kraushaar ist 1740 auch hier die Pest ausgebrochen. Nach demselben Autor sollen Deutsche hier erst 1767 angesiedelt worden sein, damals wurden im Ort 37 Kolonistenhäuser gezählt. Über die Herkunft der angesiedelten Deutschen ist in Dokumentationsquellen kaum etwas nachzulesen. Im selben Jahr erhielt Fatschet auch das Recht, hier jährlich acht Märkte abzuhalten, zum Marktflecken soll aber die Ortschaft nach O. Nica erst 1798 erhoben worden sein. 1768 war Fatschet der Sitz eines der 12 von Graf Mercy eingerichteten Verwaltungsdistrikte des Banats. Seit diesem Jahr ist diese Ortschaft bis 1995 immer ein Gemeindesitz gewesen, aber auch sonst war hier bis 1968 immer der Sitz eines Distrikts, Stuhlbezirks oder Rayons. Seit dem 1. Juni 1995 hat Fatschet das Stadtrecht erhalten und ist somit die jüngste Stadt des Landkreises Temesch.

Am Anfang dieses Jahrhunderts betrachtete man die Bevölkerung dieser Ortschaft was ihre nationale Zusammensetzung betrifft als gemischt. Damals lebten hier hauptsächlich Rumänen, Ungarn und Deutsche. 1910 stellten die 374 Deutschen noch über 11 Prozent der Fatscheter Gesamtbevölkerung. Zwanzig Jahre später hatten sie aber einen Bevölkerungsanteil von keine 9 Prozent mehr, da ihre Zahl auf 262 Personen sank. 1940 wurden in Fatschet wieder 355 Deutsche gezählt. 1977 befanden sich unter den 3.783 Einwohnern der Ortschaft noch immer 103 Personen deutscher Volkszugehörigkeit. Auch bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich  von den 4.085 Einwohnern 108 Fatscheter zum Deutschtum, was einen Bevölkerungsanteil von nur noch 2,64 Prozent bedeutet. Neben diesen lebten auch 3.487 Rumänen (13 % mehr als vor 15 Jahren), 426 Ungarn (25,8 % weniger), 40 Zigeuner (in Wirklichkeit müssen es einige Mal mehr sein) und 24 Sonstige.

Auch in einigen nahegelegenen Ortschaften lebten im Jahre 1940 vereinzelt Deutsche: in Dumbrava (ung.: Igazfalva) waren es 10, in Deutsch-Gladna (heute: Gladna Montana; ung.: Galadna) 13 und in Manastiur (ung.: Begamonostor) 14. In der Nähe von Deutsch-Gladna förderten 1784 österreichische Bergleute Eisenerz. 1787 sind in diesem Dorf 34 deutsche Familien angesiedelt worden. Heute lebt in Deutsch-Gladna kein einziger Deutscher mehr. Dafür bekannten sich aber bei der Volkszählung von 1992 in einigen rumänischen Dörfern aus der Umgebung noch immer einige Personen zum Deutschtum: in Dumbrava - 7, in Manastiur - 6, in Batesti - 3, in Saceni - 2 und je eine in Branesti, Temeresti, und in Ohaba Lunga.

Beispielgebend für das heutige Leben in Fatschet könnte das Gerichtsverfahren sein, das die Erben der hiesigen Mühle am 2. Februar 1992 eingeleitet haben. Die Eigentümer der Mühle, Johann und Eva Metz, Anton Haller, eine ungarische Familie und zwei Rumänen sind 1948 ohne jede gesetzliche Grundlage enteignet worden. Anfangs wurde die Mühle ebenfalls ohne jeden amtlichen Erlaß von einem staatlichen Fachbetrieb verwaltet und benutzt worden, aber ab 1974 hatten man die abgewirtschaftete Mühle verantwortungslos dem Verfall preisgegeben. Der geschätzte Wert der „Mühle" liegt heute nur noch bei etwa 800.000 Lei (= etwa 400 DM). Trotzdem wird hier vom Amtsgericht und vom Bürgermeisteramt alles unternommen, damit die Ruinen der Mühle und der dazu gehörende Boden nicht in den Besitz der rechtmäßigen Erben gelangen. Volle drei Jahre ist das Verfahren regelmäßig vertagt worden, weil die ... verstorbenen Eigentümer nicht "persönlich" vor dem Richter erscheinen wollten!

Der Fatscheter Bürgermeister Doru Covaci, der auch bei den diesjährigen Kommunalwahlen auf der Liste der Regierungspartei, der Partei der Sozialen Demokratie aus Rumänien, wiedergewählt wurde, wollte schon in seiner ersten Amtszeit zeigen, was er und seine Partei tun können. Vor allem wollte er 1993 den schon vor 127 (!) Jahren aufgegebenen Wasserturm wieder in Betrieb setzen. Dafür erhielt er sogar zwei Millionen Lei, die aber nur für die Aufstellung des Gerüsts reichten. Dagegen gelang ihm auf Anhieb die Wiedererrichtung eines Amtsgerichts, einer Staatsanwaltschaft und eines Notariats in Fatschet. Zu seinen größten „Errungenschaften" zählt aber das, was vielen seiner Amtskollegen trotz aller Bemühungen nicht gelingt: die Erhebung eines Gemeindesitzes zum Rang einer Stadt. Dabei gibt es hier, wie in den anderen Großgemeinden außer einigen Betrieben für Baumaterial und Holzverarbeitung, wie auch einer prekären Landwirtschaft keinen besonderen Wirtschaftszweig. Dazu fehlen auch ein entsprechendes Straßen- und Telefonnetz. Es ist aber nun zu hoffen, daß die sieben im Juni 1996 gewählten Stadträte der Opposition sich endlich behaupten können. Die Regierungspartei und zwei kommunistisch-nationalistisch orientierten Parteien erhielten im Stadtrat nur je einen Sitz.

Wie nun Ion Oltean schon einige Male in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" berichtete, wächst in Fatschet das Interesse an der deutschen Kultur, trotz der immer schrumpfenden Zahl der deutschen Bevölkerung. Mit Hilfe des Vereins „Rumänienhilfe - Faget e.V." aus Königswinter will man hier nun auch ein deutsches Kulturzentrum einrichten. Der katholische Pfarrer aus Königswinter (bei Bonn) und die deutsche Botschaft aus Bukarest spendeten dafür deutsche Literatur. Das Kulturzentrum soll auch mit Audio-, Video- und Fernsehgeräten ausgestattet werden, damit auch hier die deutschen Medien aus dem Mutterland zugänglich werden. Der genannte Verein versucht aber auch die tägliche Not aller Ortsbewohner, und besonders die der Kinder dieser Kleinstadt zu lindern. Im vorigen Jahr erhielten 1.600 Personen, davon 1.100 Kinder Kleidungsstücke. Auch das Internat der hiesigen Schule wurde mit 40 Betten und mit Bettwäsche neu ausgestattet. Ebenso erhielt das Fatscheter Krankenhaus von diesem Verein, dessen Vorsitzender Peter Dornbusch ist, Medikamente und medizinische Instrumente. Aber trotz dieser lebenswichtigen karitativen Hilfeleistungen, die durch gewesene Fatscheter Deutschen initiiert wurden, verfügt das Demokratische Forum der Banater Deutschen über keinen einzigen Sitz im neuen Stadtrat von Fatschet.

November 1996                                                                                                            Anton Zollner