DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (120)
E n g e l s b r u n n

Die einst fast rein deutsche Ortschaft Engelsbrunn (heute: Fântânele; ung.: Angyalkút) liegt am nördlichen Rande des Banats im Marosch-Tal. Verwaltungsmäßig gehört es heute als Gemeindesitz zum Landkreis Arad. Zur Gemeinde gehören heute weitere drei gewesene deutsche Dörfer: Schöndorf (Frumuseni), Wiesenhaid (Tisa Noua) und Traunau (Alunis). Engelsbrunn wird von der Landstraße Neu-Arad – Lippa durchquert, die Entfernung zu Neu-Arad beträgt nur etwa 6 km. Dort befindet sich auch der nächste Bahnhof.

Laut Karl Kraushaar ist das Schwabendorf 1766 mit deutschen Kolonisten angesiedelt worden, die in „106 Wohnungen“ untergebracht waren. Laut Dr. Anton P. Petri stammten die meisten Ansiedler aus dem Rheinland (90 Personen), aus Luxemburg (87), Lothringen (80) und aus dem Reich (61). Karl F. Waldner zufolge ist das Kolonistendorf vom Lippaer Salzeinnehmer Carl Samuel Neumann Edler von Buchholt gegründet worden. Er ließ hier 97 Häuser errichten, in denen 352 Kolonisten eingezogen waren.

Nach Johann Gross soll es vor der Ortsgründung in der Nähe der späteren Ziegelei eine kleine walachische Siedlung gegeben haben, deren Bewohner nach Lippa und nach Klein-Sankt-Nikolaus (heute ein Stadtteil von Arad) umgesiedelt worden sind. Auf der Mercy-Karte der Jahre 1723-25 war diese Siedlung unter dem Namen „Kiswanda“ verzeichnet gewesen. In den ersten Jahren nach der Ansiedlung trug die neue Ortschaft die Bezeichnung „Kisfaluda“, der Ortsname Engelsbrunn wurde zum erstenmal 1783 auf einer Karte verwendet. Der „Namensgeber“ soll ein aus Holz geschnitzter Engel gewesen sein, der auf dem Gehäuse eines Brunnens in der Ortsmitte angebracht war.  Heute soll dieser Brunnen versiegt sein, an dem „Engelsbrunnen“ erinnert nur noch eine im Park stehende Säule.

Im Gründungsjahr 1766 stellten die 352 Deutschen Engelsbrunns einen Bevölkerungsanteil von 100 Prozent. Bis vor dem 2. Weltkrieg schwankte dieser Faktor immer zwischen 88,3 und 95,5 Prozent. Bis 1838 stieg die Zahl der Deutschen auf 875 (95,3 %), im Dorf lebten zugleich auch 40 Rumänen und 3 Sonstige. 1910 wurden in Engelsbrunn 1.593 Deutsche (93,5 %), 88 Rumänen, 20 Ungarn und ein Sonstiger gezählt. Ihre höchste Einwohnerzahl erreichten die Deutschen 1940, als die 1.662 Personen deutscher Volkszugehörigkeit einen Bevölkerungsanteil  von 95,5 Prozent stellten.

Zwei Jahre nach der Ansiedlung erhielt Engelsbrunn eine eigene Pfarrei, zeitgleich mit der Einführung der Kirchenmatrikelbücher. Die Gottesdienste fanden laut Karl F. Waldner bis 1780 in der 1766 errichteten Schule statt. 1780 ist die Kirche fertiggestellt und zu Ehren des Schutzengels geweiht worden.

Nach dem 2. Weltkrieg sank die Zahl der Deutschen ständig bis heute. Bei der Volkszählung von 1977 gab es unter den 2.542 Dorfbewohnern noch  811 Deutsche. Die Rumänen stellten nun mit 1.293 Personen die Mehrheit, neben ihnen lebten auch 327 Ungarn, 4 Zigeuner und 107 Sonstige. 15 Jahre später, bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 2.186 Einwohnern nur noch 77 Personen zum Deutschtum. Zugleich stieg die Zahl der Rumänen auf 1.597, die der Zigeuner auf 31 und die der Sonstigen auf 166. Die Zahl der Ungarn blieb mit 315 Personen fast unverändert. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Engelsbrunn waren im Februar 1996  im Heimatort nur mehr  17 Deutsche verblieben gewesen.

Engelsbrunn und seine Deutschen sind in der banater deutschen Presse in den letzten 20 Jahren nicht mehr erwähnt worden. Da diese banater Ortschaft dem Kreis Arad angehört, könnte über sie nur in der Arader rumänischen Presse berichtet worden sein, was aber nicht unbedingt bedeutet, dass die Deutschen das Gegenstand dieser Berichte waren. Zwei Beispiele dafür findet man in der rumänischen Tageszeitung „Adevarul“ (Die Wahrheit) aus dem Jahr 1999.

Am 4. Januar 1999 berichtete diese Zeitung über einen tragischen Vorfall, der im Haus mit der Nummer 163 in der vorletzten Nacht des Jahres 1998 stattgefunden hat. Der Familienvater Ioan Fatura (53 Jahre alt) und seine zwei Kindern Mariana (22) und Iaroslav (15) wurden am Morgen des 31. Dezember 1998 in ihrer Wohnung tot aufgefunden. Die Todesursache war eine Erdgasvergiftung.  Während des Schlafs ließen sie im Kachelofen das Gas brennen, das Feuer ist aber wegen der Druckschwankungen ausgegangen. Als es wieder zum normalen Gasdruck kam, verbreitete sich dieses im Wohnraum, begünstigt durch den verschlossenen   Rauchfang, da man so wenig Wärme wie möglich entweichen lassen wollte.

Ein Monat später berichtete dieselbe Zeitung, dass das Waisenkinderheim, das im Haus mit der Nummer 79 untergebracht war, aus hygienischen Gründen geschlossen werden musste. Bei einer Kontrolle seitens des Arader Kreisinspektorats für das öffentliche Gesundheitswesen fand man in der Küche und in den Schlafräumen verschmutzte Wände, aber auch sonst überall nur Schmutz und Unordnung. Das Heim verfügte über kein Warmwasser, da der Boiler defekt war. Eine Desinfizierung der Räume konnte auch nicht unternommen werden, weil es an chlorhaltigen Desinfizierungsmitteln mangelte. Dazu fehlte auch das entsprechende Personal; die Köchin war zugleich auch die Pflegerin der Kinder. Dazu ist nur noch zu vermerken, dass sich das Waisenkinderheim unter der Schutzherrschaft des Christlichen Karitativen Vereins „Udim“ aus der Kreishauptstadt Arad befindet.

Über den wahren Zustand des heutigen „Fântânele“ kann man nirgendwo etwas lesen. Ein Teil der gewesenen deutschen Häusern ist dem Verfall preisgegeben, andere, in denen jetzt die „Neubürger“ Engelsbrunns wohnen, sind nicht mehr gepflegt und instandgehalten. Von den Außenfassaden dieser Häuser ist der Putz schon längst herabgefallen, und die Risse in den Wänden bezeugen die mangelnde Arbeitslust der Bewohner dieser Häuser. Noch schlimmer steht es um die Häuser, deren Zimmern zu Lagerräumen oder Rumpelkammern gemacht wurden. Die Hausgärten liegen auch brach, während sich die „Neubürger“ ununterbrochen über ihre Armut beklagen. Es gibt aber auch Dorfbewohner, die die gekauften deutschen Häuser abreißen und auf ihren Stellen villenartige Neubauten errichten. Diese Bauart passt aber gar nicht mehr in das einst idyllische Dorfbild Engelsbrunns. Auch dies beweist, dass es das eigentliche Engelsbrunn gar nicht mehr gibt, an seiner Stelle entsteht heute „Fântânele“. Nur die katholische Kirche, die noch immer in der Dorfmitte steht, erweckt in der Seele des Besuchers, der das einsteige Engelsbrunn kannte, nostalgische Erinnerungen. Von Engelsbrunn ist nur mehr die Erinnerung geblieben!

Mai 2001                                                                                                                  Anton Zollner