DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (37)
E i c h e n t h a l

Eichenthal (heute: Salbagelu Nou; ung.: Gyulatelep) befindet sich heute im Kreis Karasch-Severin, an der Grenze zum Kreis Temesch und gehört zur Gemeinde Sakul (amtlich: Sacu). Die deutsche Siedlung entstand um 1894-95 am Rande der Banater Ebene, dort, wo sie in die Sakoscher Hügel übergeht. Die ersten Siedler kamen aus Groß-Jetscha und aus dem heutigen serbischen Teil des Banats (Lazarfeld, Franzfeld, Ernsthausen, Kleck, Sartscha). Anfangs hausten die jüngeren Siedler in Hütten, während die Mütter mit ihren Kindern im Nachbardorf untergebracht waren. Der Rest der Familie ist erst nach der Errichtung der Wohnhäuser zugezogen. Die Siedlung gehörte anfangs zu diesem rumänischen Nachbardorf Salbagel (ung.: Szilváshely), das heute im Kreis Temesch liegt. Erst 1906 wurde Eichenthal ein selbstständiges Dorf.

Da die Siedler aus verschiedenen Banater Ortschaften kamen, verständigten sie sich in verschiedenen banat-schwäbischen Dialekten, bis sich der Setschaner Dialekt des Wirtes durchgesetzt hat. Nach dem 1. Weltkrieg sind auch einige Deutschböhmen (besonders aus Wolfsberg) zugezogen, die anfangs ihren eigenen Dialekt sprachen, aber bald sind sie von der banat-schwäbischen Mehrheit assimiliert worden.

Eichenthal bestand aus nur vier Straßen: die Vordere, die Mittlere, die Hintere und die Kreizgass’. Das Dorf war anfangs von einem natürlichen aus Akazien, Weißdorn und Brombeerensträucher bestehenden Zaun umgeben. Dieser diente als Schutz vor Wildtieren und zur Einzäunung des Viehs.

Die höchste Einwohnerzahl erreichte das Schwabendorf 1912 mit 499 Personen. Zwei Jahre später bestand die Bevölkerung des Dorfes aus nur noch 419 Personen, von denen 389 Deutsche waren. Einige Jahre später wanderten noch 85 Deutschböhmen aus Wolfsberg, Weidenthal, Sadowa und Temesch-Slatina hinzu. 1930 bildeten die 397 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 98 Prozent. Im November 1940 wurden hier 460 Deutsche registriert. Trotz dieses hohen Prozentsatzes hatten sich die Eichenthaler Katholiken niemals eine Kirche erbaut, sie begnügten sich mit dem mit zwei Glocken ausgestattetem Glockenstuhl. Seelsorgerisch wurden sie immer vom Ebendorfer Pfarrer betreut. Da Eichenthal im Kreis Karasch-Severin weit und breit nur von rumänischen Ortschaften umgeben ist, mussten seine Gläubigen der Pfarrei Ebendorf (heute: Stiuca; ung.: Csukás) aus dem Kreis Temesch angehören. Dafür gab es hier zwei Wirtshäuser und eine gute Blaskapelle. Das 1898 auf der „Mittleri-Gass“ von der Familie Rettinger eröffnete Wirtshaus mit Tanzsaal und Kegelbahn diente im Kommunismus als Kulturheim. Das zweite Wirtshaus befand sich auf der „Vorderi-Gass“ und verfügte auch über einen Tanzsaal und eine Kegelbahn, betrieb aber zugleich einen Krämerladen.

Da die Ansiedlung Eichenthals nicht vom Ärar betrieben wurde, hatte man auch die Schule vernachlässigt. Den Kindern wurde sporadisch von unqualifizierten Privatpersonen das Lesen und das Schreiben beigebracht. Erst 1909 wurde hier eine Volksschule mit ungarischer Unterrichtssprache gegründet. In deutscher Sprache wurde erst nach dem Anschluss des Banats an Rumänien unterrichtet. Nach dem 2. Weltkrieg, als die deutsche Schulen wieder zugelassen wurden, gab es wieder eine deutsche Schule, die aber 1968 wegen Mangel an Kindern endgültig aufgelöst wurde. 1972 hatte man wieder eine Volksschule eingerichtet, aber diesmal für die zugewanderten ruthenischen Kindern.

Bei der Volkszählung vom 7. Januar 1992 konnte im einstigen reinen Schwabendorf unter den 460 Einwohnern kein einziger Deutscher mehr registriert werden, da die letzte deutsche Familie schon 1991 ausgewandert ist. Die Neubürger des einstigen Eichenthals sind heute fast alle Ruthenen. In einigen Jahren wird der Ortsname Eichenthal im Banat total unbekannt sein. Ansonsten ist die Verwendung dieser Ortsbenennung schon von Ceausescu verboten worden. Von nun an gibt es hier ganz sicher nur noch ein Salbagelu Nou.

Auch im rumänischen Gemeindezentrum Sakul (Sacu) lebten einst einige Deutsche. Ihre höchste Zahl erreichten sie etwa 1910, als es hier 125 Deutsche gab, die einen Bevölkerungsanteil von über 9 Prozent stellten. Aber auch vor dem 2. Weltkrieg lebten im rumänischen Dorf noch immer 111 Personen deutscher Volkszugehörigkeit. Es ist anzunehmen, dass heute kein Deutscher mehr in Sacu lebt.

März 1996                                                                                                                       Anton Zollner