DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (55)
 E b e n d o r f

Ebendorf (heute: Stiuca; ung.: Csukás) liegt etwa 14 km südöstlich von Lugosch entfernt, dort wo das Banater Bergland in die Heckenlandschaft übergeht. Laut Karl Kraushaar soll die einst fast rein deutsche Ortschaft 1786 zugleich mit Wetschehausen und Darowa (auch Kranischstätten genannt) neu angesiedelt worden sein. Ein Jahr später kamen 60 deutsche Familien hinzu. Schon im Gründungsjahr ist die örtliche Pfarrei ins Leben gerufen worden, und es wurden zugleich auch die Matrikelbücher eingeführt.

Am Anfang dieses Jahrhunderts ließen sich hier auch Tschechen und Slowaken nieder, die unter den Deutschen bald völlig eingedeutscht waren. Laut Dr. Anton Peter Petri sollen fast ein Drittel der Ansiedler aus Mähren, etwa ein Achtel aus Franken und einige Familien sogar aus Böhmen gekommen sein. Die Mehrheit der Kolonisten sollen aus dem „Reich" stammen. Dank dem völligen Eindeutschen der nichtdeutschen Ansiedler kam es dazu, daß sich 1910 von etwa 938 Dorfbewohner 907 als Deutsche bekannten. Die Zahl der Deutschen und ihr Bevölkerungsanteil stieg ständig bis 1940. In jenem Jahr lebten in Ebendorf 980 Deutsche. Zugleich wurden damals auch im benachbarten rumänischen Dorf Dragomiresti (ung.: Dragomér) 13 Deutsche gezählt. 1977 zählte man in Ebendorf bei nur noch 567 Einwohnern noch immer 362 Deutsche. Inzwischen sind hier auch 50 Rumänen und 154 „Sonstige" ansässig geworden. Unter den „Sonstigen" verstand man hauptsächlich die Ruthenen, die aus der Marmarosch in den 60er Jahren hierher kamen. Im Oktober 1991 betrug die Zahl der im Ort verbliebenen deutschen Volkszugehörigen nur noch etwa 30 Personen. Wie mußten sich diese Leute drei Monate später gestaunt haben, als sie erfuhren, daß bei der Volkszählung vom Januar 1992 die 30 Deutschen eigentlich 60 gewesen wären? Dies ist noch ein Beweis dafür, daß sich bei dieser Volkszählung viele Nichtdeutsche aus verschiedenen Gründen zum Deutschtum bekannt haben. Neben den 60 „Deutschen" wurden in Ebendorf diesmal auch noch (nur) 80 Rumänen, 2 Ungarn, ein Zigeuner und 497 „Sonstige", also etwa Ruthenen, gezählt. Die Zahl der heute noch dort lebenden Deutschen ist dem Verfasser dieses Beitrags nicht bekannt, auf alle Fälle müssen es weniger als 30 sein. In Dragomiresti bekannte sich 1992 niemand mehr zum Deutschtum, dafür aber zwei Personen im zur Gemeinde gehörende Dorf Olosag.

In der Banater deutschen Presse wurde in den letzten zehn Jahren fast nichts über das tägliche Leben der Menschen aus diesem Dorf berichtet. Bemerkenswert ist aber auch die Tatsache, daß seit Dezember 1989 nicht einmal die rumänische Presse des Banats etwas über diese Ortschaft geschrieben hat. Den ersten Bericht über Ebendorf veröffentlichte nun nach vielen Jahren Heinrich Lay als „kleine Dorfchronik" im September/Oktober 1996 in der „Banater Post". In dieser schildert der Autor ausführlich die Geschichte des einstigen deutschen Dorfes, aber eine vor Ort geschriebene Reportage über das heutige Leben in diesem Dorf fehlt noch immer. Es ist aber anzunehmen, daß die im Jahre 1812 vom Baron Michael von Bruckental errichtete Kirche während der einmal im Monat stattfindenden Gottesdienste nur sehr spärlich besucht ist. Deutsche Katholiken kann es hier kaum noch geben. Wenn laut H. Lay schon 1982 in der katholischen Kirche nur noch vier Taufen, drei Ehen und sechs Beerdigungen stattgefunden haben, so kann man hier seit 1992 wahrscheinlich nur noch von Beerdigungen sprechen.

Da das von meist rumänischen Dörfern umgebene Ebendorf abseits von allen Hauptverkehrswegen liegt, waren seine Bewohner schon immer einigermaßen vom „Weltgeschehen" isoliert. Dies beweist auch die Tatsache, daß in den letzten Jahren fast kein Zeitungsreporter hierher gefunden hat. Der einzige Verkehrsweg, der Ebendorf mit Lugosch verbindet, ist eine Kreisstraße, die von Lugosch nach Brebu führt. Das Fernmeldewesen besteht auch nur aus ein paar Fernsprechgeräten mit Lokalbatterie und Induktoranruf . Diese sind an die manuelle Telefonzentrale aus Gawoschdia (amtlich: Gavojdia; ung.: Gavosdia) angeschlossen. Ebenfalls hier befindet sich das Postamt, zu dem Ebendorf mit seinen eingemeindeten Dörfern gehört.

Eine deutsche Schule gibt es in Ebendorf wegen Schülermangels seit 1981 nicht mehr. In jenem Jahr wurden die deutschen Grundschulklassen aufgelöst, nachdem es die deutsche Gymnasialstufe (5.- 8. Klasse) bereits seit 1978 nicht mehr gibt. Zur selben Zeit begann man in der gewesenen deutschen Schule, die Kinder der zugezogenen Rumänen und besonders Ruthenen rumänisch zu unterrichten.

In der Nachbargemeinde Ebendorfs, im auf der Europastraße E-70 liegenden Gawoschdia, lebten am Anfang dieses Jahrhunderts auch einige Deutsche unter den mehrheitlich rumänischen Dorfbewohnern. 1910 gab es im Ort sogar 111 deutsche Volkszugehörige, die einen Bevölkerungsanteil von über 7 Prozent stellten. Aber auch 1940 ließen sich hier 80 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren, von denen einige im 2. Weltkrieg ihr Leben lassen mußten. In der zur Gemeinde gehörende Dorf Jena (ung.: Zsena) zählte man in jenem Jahr 17 deutsche Seelen. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich in der gesamten Gemeinde Gawoschdia (mit seinen drei Dörfern) nur noch 7 Personen zum Deutschtum: sechs in Gawoschdia und eine in Jena.

Dezember 1996                                                                                                         Anton Zollner