DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (115)
D e u t s c h - S a n k t - P e t e r

Auch wenn in Deutsch-Sankt-Peter heute kaum noch Deutsche leben, trägt die Ortschaft noch immer den amtlichen Namen
Sânpetru German, der so wie die ungarische Benennung Németszentpéter Übersetzungen des deutschen Ortsnamens sind. Die Ortschaft liegt im Marosch-Tal, in der Nähe des banater Ufers dieses Flusses, der das Banat vom „Arader Land" - also vom Kreisch-Gebiet - abgrenzt. Verkehrsmäßig liegt das einstige Schwabendorf in der unmittelbaren Nähe der Landstraße und der Eisenbahnstrecke Arad - Groß-Sankt-Nikolaus. Verwaltungsmäßig ist heute das einst zu 75 Prozent banat-schwäbische Gemeindezentrum ein Dorf der Gemeinde Sekeschut (amtlich: Secusigiu: ung.: Székesút) und gehört zum Kreis Arad.

Dokumentarisch soll die Ortschaft 1335 (nach Karl Kraushaar 1332) belegt worden sein, als sie den Namen „Sancto Petrus" trug. Laut Ion Hategan kam sie am 12. August 1421 als Schenkung in den Besitz des Tschanader Bistums, aber um 1466 gehörte sie Peter Maczedonay. Um 1557-58, also unter türkischer Herrschaft, bestand sie aus 18 Häusern, aber schon 1582 war die Siedlung nur noch von 4 serbischen Schäferfamilien bewohnt. 1716, als Temeschburg vom Türkenjoch befreit wurde, war Sankt-Peter „entvölkert, unbebaut und unkultiviert", „der Streifen links der Marosch war ein ausgesprochenes Sumpfland" (Zacharias Bönisch). 1718 wurden hier wieder 14 Häuser gezählt, und 1728 befand sich Deutsch-Sankt-Peter auch auf Mercys Landkarte.

Über das Jahr der Ansiedlung der Deutschen in Deutsch-Sankt-Peter geben die in Betracht gezogenen Quellen verschiedene Daten an. Laut Karl F. Waldner und Dr. Anton P. Petri soll im Februar 1724 die Siedlung schon als „neu angesetzter deutscher Ort" bezeichnet gewesen sein, woraus sie annehmen, dass die ersten Deutschen hier schon 1723 ansässig wurden. Dagegen behauptet Z. Bönisch, dass in Deutsch-Sankt-Peter die Pfarrei , deren erster Pfarrer Peter Lauer gewesen sein soll, schon 1721 gegründet wurde. Daraus könnte man schließen, dass hier damals deutsche Katholiken gelebt hätten. Es ist aber belegt, dass sie Pfarrei nicht 1721, sondern erst 1724 gegründet wurde, und die Matrikelbücher sind erst nach 20 Jahren, 1744 eingeführt worden. Dafür sind sich alle Autoren einig, dass 1764 der Distriktverwalter Knoll die Ortschaft um 34 Häuser für deutsche Kolonisten aus Elsass-Lothringen erweitern ließ. 1766 sollen weitere 60 deutsche Familien angesiedelt worden sein.

Die heutige Kirche ist in den Jahren 1773-74 errichtet und den Hl. Peter und Paul geweiht worden. Laut Z. Bönisch ist die
Errichtung des Gotteshauses den Bemühungen des damaligen Pfarrers Josef Herdegen zu verdanken. Der heutige katholische Friedhof ist 1785 seiner Bestimmung übergeben worden. Vorher gab es noch folgende Friedhöfe: den Friedhof im Wald („Kerchhofswiese"), den „Pestfriedhof" und den neben der alten Kirche.

1841 betrug die Zahl der Deutschen in Deutsch-Sankt-Peter 1.871, diese hatten einen Bevölkerungsanteil von 96,8 Prozent, der aber bis heute ständig gesunken ist. Es ist anzunehmen, dass die damals mit ihnen im Dorf lebenden 60 „anderen" Personen Serben waren. Ab 1880 gehörten zur hiesigen Bevölkerung auch Rumänen und Ungarn; neben den 2.437 Deutschen wurden auch 97 Rumänen, 62 Ungarn und 161 andere gezählt. Von 1910 bis vor dem 2. Weltkrieg pendelte sich die Zahl der Deutschen auf zwischen 1.900 und 2.000 ein, während ihr Anteil an der Bevölkerung bei etwa 75 Prozent stabil blieb. Im November 1940 ließen sich wieder 2.255 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Nach dem Krieg sank die Zahl der Deutschen und ihr Bevölkerungsanteil ständig, so dass man 1977 unter den 2.201 Dorfbewohnern nur 1.019 Deutsche zählen konnte. Den Rest bildeten 641 Rumänen, 403 Ungarn, 134 Zigeuner und 4 Sonstige. 15 Jahre später, 1992, war die ethnische Zusammensetzung der Dorfbewohner radikal verändert: die 1.952-köpfige Bevölkerung bestand aus nur noch 99 Deutschen, dafür gab es hier 1.191 Rumänen, 310 Ungarn, 333 Zigeuner und 19 Sonstige. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Deutsch-Sankt-Peter sind bis Februar 1996 im Heimatdorf nur noch 20 Deutsche verblieben.

Über das heutige „Deutsch"-Sankt-Peter wird in der banater Presse nur noch sehr wenig berichtet. Ein wahres Bild des
gewesenen deutschen Dorfes schilderte im Sommer 1995, wenn auch nur sehr spärlich, der Arader Lehrer Daniel Schemmel in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien". Die katholische Kirche, auf deren Westseite sich noch immer eine Sonnenuhr befand, war gerade vor kurzem überholt worden, so dass sie damals gepflegt aussah. Aber das 1876 errichtete große und geräumige Gemeindehaus war dem Verfall preisgegeben. Seitdem die fast 2.000-köpfige Ortschaft nach den Plänen Ceausescus zu einem bedeutungslosen Dorf abgestuft wurde, sind die Fensterstöcke und der Fußboden verschwunden, und den Bau ließ man verfallen. Auch die gewesenen Häuser der ausgewanderten Deutschen befanden sich in einem verwahrlosten Zustand, genauso, wie die einstige Bauernmühle. Der 72-jährige Josef Esch, dessen Haus die Nummer 57 trägt, beklagte sich damals über die Vereinsamung der 18 Deutschen, die im Heimatort verblieben waren. Den artesischen Brunnen gab es auch nicht mehr, da er versiegt ist, aber auch das Schulinternat existierte nicht mehr. Als Zeugen des einstigen Deutschtums blieben in Deutsch-Sankt-Peter außer der Kirche und dem Friedhof nur mehr die Marien-Statue, die Statue des Hl. Florian und das Kriegerdenkmal.

Auch aus den Seiten der Arader rumänischen Tageszeitung „Adevarul" (Die Wahrheit) kann man einiges über das heutige Leben in „Sânpetru German" erfahren. So wird berichtet, dass im Januar 1999 eines der letzten mit Schilf bedeckten Häusern abgebrannt ist. Als die Arader Feuerwehr ankam, hatte Ion Muzicas's Haus kein Dach und keine Möbel mehr, dafür konnte man aber die Ausbreitung des Feuers auf die Nachbarhäuser verhindern.

Im Dezember 1998 berichtete die Zeitung über eine Kontrolle, die vom Inspektorat für öffentliche Gesundheit in den Gaststätten und Lebensmittelläden der Ortschaft durchgeführt werden sollte. Als erstes wurde das Buffet der Konsumgenossenschaft kontrolliert. Hier stellte man fest, dass es im Lokal kein Warm- und kein fließendes Kaltwasser gab, die Möbel waren in einem unzulässigen abgenutzten Zustand, die Wände waren von Rauch verschmutzt, der Deckenputz abgebröckelt und der Fußboden total verdreckt. Aus diesen Gründen ist das Lokal sofort geschlossen worden. Aber während die Kontrolleure im Buffet weilten, hängte der Rest der Ladenbesitzer ein Schloss an die Ladentüre und verschwanden danach spurlos bis zur Abreise der Kontrolleure.

Als einen positiven Aspekt der Gemeindeverwaltung bewertete die Zeitung die Ausbesserungsarbeiten der Dorfstraßen. Ebenfalls als positiv präsentierte man die Tatsache, dass auf einigen Feldern nicht mehr Getreide oder Gemüse geerntet, sondern Erdöl gefördert wird. Laut Bürgermeisterin Constantina Cordovan sind die Dorfbewohner, auf deren Feldern Erdöl gefunden wurde, sehr glücklich, da sie auf diese Weise ihre Ackerflächen „rentabilisieren" konnten. Die Pacht, die die Temeschburger Firma „General Petro Service" den Bodenbesitzern zahlt, ist viel höher als der Gewinn nach der Bestellung dieser Felder. Aus diesem Grund wünschen sich die Bauern, dass man auch auf ihren Feldern ... „Sonden sät". Doch haben nur wenige von ihnen das Glück, unter ihren Feldern auf das „schwarze Gold" zu stoßen.

August 2000                                                                                                                   Anton Zollner