DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (45)
D e u t s c h - S a s k a

Saska, das zwecks einer besseren Unterscheidung von Rumänisch-Saska auch Montan- oder Deutsch-Saska genannt wurde (heute: Sasca Montana; ung.: Szászkabánya), befindet sich auf dem nördlichen Hang der westlichsten Bergkette (Lokwa) der Banater Gebirge, etwa auf der Mitte der Landstraße, die von Orawitz nach Neu-Moldowa führt. Die Wälder, die die Ortschaft umgeben, und das plätschernde Wasser des Bergbaches Nera zaubern eine Idylle, die den Besucher anfangs zum träumen anregt. Doch bei einer genauen Betrachtung erkennt man bald den wirtschaftlichen Verfall dieses Bergdorfs. Der Bergbau, der hier einst betrieben wurde, kann nur noch durch die kahlen Steine, die jetzt bei der Ortseinfahrt lagern vermutet werden.

Das als Bergsiedlung angelegte Saska, das zu fast 25 Prozent deutsch war, ist in allen Richtungen nur von rumänischen oder serbischen Dörfern umgeben. Laut Karl Kraushaar soll das Gründungsjahr 1740 gewesen sein, dem aber von anderen Quellen widersprochen wird. Nach Georg Hromadka wurde das „Kupferbergwerk Montan-Saska" 1730 gegründet. Nach anderen Quellen hatte man hier mit dem Bergbau zwischen 1744 und 1746 begonnen. Einen Beitrag zur Geschichte des Ortes bringt auch die März/April-Ausgabe 1996 des Blattes „Banater Berglanddeutscher", in der behauptet wird, dass Saska als eines der ältesten Bergorte im Banater Bergland „bereits 1731 ein römisch-katholisches Gotteshaus für die aus Österreich angesiedelten Bewohner" hatte. Diese Aussage wird auch durch die österreichische Abstammung der Saskaer Deutschen bekräftigt. Schon ab 1741 gab es im Ort eine deutschsprachige Bergbauschule, die aber auch von „Nationalisten", also von Walachen und Serben besucht wurde. Das oben genannte Blatt behauptet auch, dass man in Saska 1750 anstelle der kleinen Kirche (die heute eine Kapelle ist) dank der Zuwendungen aus Wien eine neue und größere Kirche gebaut hatte. Sie wurde auf einem Hügel errichtet und dem Hl. Franz von Assisi geweiht. Somit ist das Kirchweihfest hier immer am 4. Oktober gefeiert worden. 1750 führte man in Saska durch die Gründung der Pfarrei auch das Kirchenmatrikelbuch ein.

1788, als die Türken wieder in das Banater Bergland einfielen, erlitt auch Saska großen Schaden. 1859 arbeiteten im Saskaer Bergwerk nur noch 80 Bergleute, dafür aber beschäftigte die in der Nähe gelegene „Nera"-Hütte 300 Berg- und Hüttenarbeiter in der Eisenerzverarbeitung. 1877 verkaufte die Wiener Hofkammer mit ihrem gesamten Montanbesitz auch die Kupfergruben und -hütten aus Saska an die „K.-k. Privilegierte Österreichische Staatseisenbahngesellschaft", die kurz „StEG" genannt wurde. Diese stellte
in Saska den Kupferbergbau 1868 gänzlich ein.

1900 hatte Montan-Saska 2.600 Einwohner, 1910 stellten die 420 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 22 Prozent. Bis 1930 sank ihre Zahl auf 257, das waren nur noch 17,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bis 1940 verringerte sich diese Zahl nur sehr geringfügig auf 223 deutsche Seelen. Der gewesene Gemeindearzt Julius Gallfy berichtet in der „Banater Zeitung" (eine Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien") vom 20. Dezember 1995, dass „vor vierzig Jahren", also etwa im Jahre 1955 in „Deutsch-Saska" noch 62 deutsche Volkszugehörige lebten. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 787 Einwohnern nur noch 18 Personen zum Deutschtum. Den Rest der Bevölkerung bildeten 755 Rumänen und 14 Sonstige. Die meisten Dorfbewohner sind in den Jahren des Kommunismus auf der Suche nach einem Arbeitsplatz weggezogen, und die Deutschen wanderten nach Deutschland aus. Die Mehrheit der Verbliebenen sind Rentner, die hier mutig ausharren wollen.

Wie die Tageszeitung „Timisoara" am 3. August 1995 berichtete, befinden sich drei Viertel der Häuser des Dorfes im Besitz von Temeschburger und Reschitzer Wochenend- und Feriengenießer. Es ist also anzunehmen, dass die Häuser, in denen einst Deutsche wohnten, nun als Ferienhäuser eingerichtet sind. Sie befinden sich im besten Zustand, und die vielen Blumen, die sie umgeben verstärken noch mehr diesen Eindruck. Überall sind Satellitenantennen angebracht, und der Grillrost scheint auch von keinem Hof mehr zu fehlen, ebensowenig wie das Auto.

Aber das schöne, von Bergen und Wäldern umgebene Dorf, in dem einst Österreicher Arbeit und eine neue Heimat gefunden haben, hat heute auch seine Schattenseiten. Die Häuser der noch hier lebenden Einheimischen sollen verwahrlost und ungepflegt dastehen. Die Ufer der Nera, in dem einst kristallklares Wasser floss, sind von Bergen von Hausmüll bedeckt. Die Kommunalverwaltung unternimmt gegen diesen Missstand nichts, so wie sie auch nicht gegen das Autowaschen in der Nera einschreiten will. Da ist es auch nicht zu staunen, dass das Wasser der Nera immer trüber wird. All diese Missstände werden von der genannten Zeitung in die Schuhe der Einheimischen geschoben.

Auf den Straßen begegne man auch vielen hungrigen Hunden, die den Passanten nachlaufen, in der Hoffnung, dass ihnen etwas zum Beißen nachgeworfen werde. Alle diese Hunde sollen der Gemeindeärztin gehören.

Die Autorin der erwähnten Reportage beschuldigt die Einheimischen auch besonderer Faulheit, Nachlässigkeit und schwerer Umweltverschmutzung. Dass die rumänischen Bergbauern des Banater Berglands nicht besonders fleißig sind, ist kein Geheimnis, und eine österreichische oder deutschböhmische Wirtschaft werden sie nie betreiben können. Aber die „Faulheit", derentwegen sie von der Temeschburger Journalistin gerügt werden, besteht eher darin, dass die Alteingesessenen nicht willig sind, die Pflege der Häuser und Höfe der „Neubürger" zu übernehmen. Die Autos werden auch nicht von den Einheimischen in der Nera gewaschen, da sich diese ein Auto gar nicht leisten können. Auch der Müll, der entlang der Nera gelagert wird, besteht laut Autorin aus „Waschmittel- und Kaffeeverpackungen, aus Konservendosen und aus Flaschen". Dabei müsste der rumänischen Journalistin doch schon bekannt sein, dass der Berglandrumäne seine Wäsche am Fluss höchstens mit Hausseife wäscht. Kaffee trinkt auch kaum einer von ihnen, da er diesen als teuren Luxusartikel betrachtet. In den vielen Jahren, in denen ich das Banater Bergland bereiste, habe ich auch noch nie einen Bewohner der Region getroffen, der sein Essen aus der Konservendose genommen hätte. Sie essen meist nur das, was in ihrem Garten wächst. Was nun schließlich die Flaschen betrifft, bin ich mir ganz sicher, dass jeder Einheimische seine Flaschen - egal welchen Typs - eher sammelt als sie wegwirft, da er nur mit Hilfe dieser Flaschen seine Winterversorgung sicherstellen kann, egal ob hier von Tomatensaft oder von „Zuika" die Rede ist. Waschmittel, Kaffee, Konserven und Getränke führen nur „Touristen" oder „Weekendler" mit sich in die ... Natur!

Bedauernswert ist eher der Zustand der katholischen Kirche, für deren Instandhaltung keine Gläubige mehr da sind. Von den jetzigen Dorfbewohnern kümmert sich keiner mehr um diesen „Fremdkörper". Nun will sich das Temeschburger bischöfliche Ordinariat der Saskaer Kirche annehmen und sie renovieren lassen. Es soll auch von nun an vom Orawitzer Pfarrer monatlich einmal die hl. Messe gelesen werden. Doch scheint es, als könnte dieses Vorhaben ohne Pfarrkinder kaum bewältigt werden. Aus diesem Grund hat der Heimatverband der Banater Berglanddeutschen die Initiative ergriffen und in Deutschland eine Spendenaktion eingeleitet.

Juni 1996                                                                                                                   Anton Zollner