DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (46)
Dognatschka und Eisenstein

Am nordwestlichen Rande der Banater Berge befindet sich die Dognatschkaer Bergkette, deren höchste „Spitze“ nur 615 m hoch ist. Inmitten dieser Berglandschaft entstand am Anfang des 18. Jahrhunderts in einem Tal ein Kupferbergwerk, das die Gründung der Ortschaft Dognatschka (heute: Dognecea; ung.: Dognácska) nach sich zog.

Die Geschichte des Dognatschkaer Bergbaus soll laut Ludwig Höcher bis ins Altertum reichen, als die Römer hier Gold-, Silber-, Kupfer- und Eisenerz abbauten. Auch im 16. und 17. Jahrhundert sollen die Türken hier Edelmetalle gefördert haben. Nach der Vertreibung der Türken im Jahre 1716 begann man wieder mit dem mit der Errichtung eines modernen Bergbaus und der Hüttenwerke. Laut Karl Ludwig Lupsiasca begann 1722 die Arbeit im Bleibergwerk, die aber schon 1727 wegen der hohen Produktionskosten wieder aufgegeben wurden. Gleichzeitig wurde hier seit 1722 in den Hüttenwerken auch Kupfer erzeugt. Durch die Ansiedlung von Tiroler Bergleuten entstand im selben Jahr eine Wohnkolonie, aus der der Bergbauort Dognatschka entstanden ist. 1728 kamen weitere österreichische Berg- und Hüttenarbeiter und zwischen 1730 und 1731 wieder Tiroler Bergleute hinzu. Unklar ist, warum Karl Kraushaar trotz dieser Tatsachen 1741 als das Ansiedlungsjahr Dognatschkas angibt. Neben den Deutschen wurden auch Bufänen – das sind walachische Flüchtlinge aus Oltenien – angesiedelt worden, die hauptsächlich als Köhler arbeiteten.

Dognatschka entwickelte sich rasch zu einem Hauptort des Banater Bergbaus. Schon 1723 gab es hier ein Bergamt, neben dem man 1727 auch ein Berggericht eingerichtet hat. Laut Höcher erhielt die Ortschaft 1727 das Marktrecht, und 1730 wurde sie als Städtchen eingestuft. 1793 trug sie sogar die amtliche Bezeichnung „Freie Bergstadt Dognatschka“.

Ab 1740, als man in Dognatschka die Kupfermine „Simon & Judas" erschlossen hatte, stießen die Bergleute auf enorme Kupfererzvorkommen. Laut Francesco Griselini soll das Bergwerk „europäischen Ruhm" erreicht haben. Nach demselben Autor soll der Temeschburger David Hübner, der Mitunternehmer der Kupfermine, „im Laufe der Jahre die phantastische Summe von 2.548.000 Gulden aus der Dognatschkaer Grube geschöpft haben" (Georg Hromadka). Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhundert erzeugte man auch große Mengen von Silber. 1818 ist hier auch eine Goldwäscherei verzeichnet.
1741 hatte man auch in Dognatschka eine deutschsprachige Bergschule eingerichtet, deren Lehrer 1845 Alois Kliemek war. Zugleich gab es in jenem Jahr auch eine orthodoxe „Nationalschule“ für die Kinder der Bufänen. 1741 ist auch der Bau der katholischen Kirche beendet und die katholische Pfarrei gegründet worden. Gleichzeitig hatte man auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. Die orthodoxe Pfarrei ist 1795 gegründet worden.

Um das Jahr 1775 ist im Banat die Kupferproduktion rückläufig geworden; deswegen produzierte man in Dognatschka nur noch 1.800 Zentner im Jahr. Als 1785 die Flößerei auf der Bersau (Bârzava) aufgenommen wurde, brannten walachische Köhler in Kölnik (heute: Câlnic) Holzkohlen für die Hütte aus Dognatschka. Nachdem 1851 die Berg- und Hüttenwerke des Banater Berglands an den Ärar gefallen waren, verkaufte die Wiener Hofkammer ihren Montanbesitz aus dem Banat an die ein Jahr zuvor gegründete „Kaiserlich-Königliche Privilegierte Österreichische Staatseisenbahngesellschaft", die bis in unsere Tage im Banater Bergland als „StEG" bekannt ist. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die in und um Dognatschka gelegenen Kupfer-, Blei-, Zink- und Silbergruben und -hütten, wie auch die Dognatschkaer Eisenhütte, die man später im Jahre 1857 mit zwei Hochöfen ausgestattet hatte, verkauft. Als aber 1873 die für den Erztransport wichtige Eisenbahnstrecke Reschitz – Eisenstein erbaut wurde, verarbeitete man das Eisenerz in Reschitz, und somit ging die Dognatschkaer Eisenhütte schnell ihrem Verfall entgegen.

In Dognatschka lebten 1910 bei einer Gesamtbevölkerung von etwa über 3.400 Einwohnern, 1.031 Deutsche, die ein Drittel aller Dorfbewohnern ausmachten. Seitdem sank ihre Zahl ständig bis heute. 1930 zählte man im Dorf nur noch 706 Deutsche, damit sank ihr Anteil auf ein Viertel der Dorfbewohner. Nachdem im November 1940 hier noch 620 Deutsche registriert wurden, halbierte sich bis im Jahre 1977 diese Zahl; die 308 Deutschen bildeten einen Bevölkerungsanteil von über zehn Prozent. Der heutige Stand der deutschen Bevölkerung kann nur vermutet werden. Nachdem sich bei der Volkszählung vom Anfang des Jahres 1992  193 Personen (von insgesamt 2.267) zum Deutschtum bekannt haben, behauptete die Journalistin Helen Alba in der „Banater Zeitung" (Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien") vom 5. April 1995 (also drei Jahre später), dass „in Dognatschka noch an die 300 Deutsche leben". Diese Zahl scheint sehr übertrieben zu sein (wer will davon profitieren?), nachdem das hiesige Ortsforum der Deutschen zur selben Zeit 178 Mitglieder hatte.

Laut demselben Bericht soll es in Dognatschka im Rahmen des Ortsforums unter der Leitung seines Vorsitzenden Lothar Nikolaus eine rege Vereinstätigkeit geben. Man treffe sich regelmäßig zu Teenachmittagen und Videofilmvorführungen, und man höre gute Musik. Auch das Brauchtum soll hier noch gepflegt werden, wie zum Beispiel zum Letztfasching, an dem der „Johannes" bei einem Dorfumzug verbrannt wird. Die Hl. Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute, hat auch ihren Ehrenplatz in der katholischen Kirche behalten.

In den Dognatschkaer Bergen befindet sich in der Nähe von Bokschan, auf der Straße in Richtung Dognatschka das Bergarbeiterdorf Eisenstein (heute: Ocna de Fier; ung.: Vaskö). Die Siedlung, die anfangs „Pogschaner Eisenstein“ und später „Morawitza“ hieß, entstand 1760 als Arbeiterkolonie, nachdem man in der Umgebung Eisenerz entdeckt hatte. Hier befand sich das bedeutendste Banater Eisenerzlager mit sehr hohem Eisengehalt. Das Eisenerz wurde anfangs in Bokschan verhüttet, aber 1815 transportierte man es mit zwei Pferden- und vier Ochsenzügen in die Eisenhütten von Reschitz.

Die eigentliche Bergortschaft Eisenstein ist viel später, 1815, entstanden, als laut Karl Ludwig Lupsiasca, auch der Bau einer Kirche erwähnt wurde. Die Ortschaft ist vorwiegend mit Bufänen besiedelt worden. Wahrscheinlich wurden zugleich auch Deutsche als Facharbeiter angesiedelt. 1855 hatte die Wiener Hofkammer auch die Eisensteiner Eisengruben mit dem Banater Montangebiet an die „StEG" verkauft. 1919 fiel das gesamte Banater Bergland an Rumänien. Damit wurde die „StEG" in eine rumänische Aktiengesellschaft umgewandelt; sie hieß von nun an „Uzinele de Fier si Domeniile din Resita", abgekürzt UDR (= Reschitzer Eisenwerke und Domänen).

1910 haben in Eisenstein noch 120 Deutsche gelebt, was einen Bevölkerungsanteil von neun Prozent bedeutet. Bis 1930 halbierte sich diese Zahl, und 1940 wurden nur noch 62 Deutsche bei etwa 1.000 Einwohnern gezählt. Ob heute noch vereinzelt Deutsche im einstigen Eisenstein leben, ist dem Verfasser dieses Beitrags nicht bekannt. Man kann aber davon ausgehen, dass in Kürze diese Ortsbezeichnung nur noch in Bibliotheken anzutreffen ist.

Juni 1996                                                                                                                    Anton Zollner