DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (73)
 D  e  n  t  a

Denta (auch amtlich so genannt) liegt im Süden der Banater Ebene, auf der Europa-Straße E-70 zwischen der Landesgrenze zu Serbien und der Stadt Detta. Die Ortschaft war aber niemals ein „deutsches Dorf" im Sinne des Bevölkerungsanteils.

Zum erstenmal ist Denta 1332 dokumentarisch belegt worden. Die ersten Deutschen sollen hier angeblich schon 1720 angesiedelt worden sein. Belegt ist aber, daß hier 1724 die katholische Pfarrei gegründet worden ist und daß man im selben Jahr auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt hat. Die heutige Stadt Detta war damals eine Filiale der Dentaer Pfarrei. Aber schon 1739 kam es zu einem Rollentausch, bei dem die Pfarrei nach Detta zog und Denta nun ihre Filiale wurde. Laut Karl Kraushaar ist Denta 1794 mit Deutschen „wiederbevölkert" worden. Diese wurden aus anderen Dörfern des Banats hierher umgesiedelt. Bis zum 2. Weltkrieg stellten die Deutschen einen Bevölkerungsanteil von etwa 20 Prozent. Ihre Zahl blieb von 1910 bis 1940 fast konstant; im November 1940 ließen sich hier 665 Personen als Deutsche registrieren. Zur selben Zeit wurden auch in den heute zur Gemeinde gehörenden Dörfern Brestea (ung. Berestye) und Groß-Omor (amtlich: Rovinita Mare; ung.: Omor) 13 bzw. 14 Deutsche gezählt. Die Zahl der Deutschen, die in Klein-Omor (heute: Rovinita Mica) lebten, belief sich damals auf 459 Personen. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich in den vier genannten Ortschaften der Gemeinde Denta insgesamt 42 Personen zum Deutschtum: 40 in Denta und 2 in Groß-Omor. Aber schon drei Monate nach dieser Volkszählung erklärte der damalige Bürgermeister Nicolaie Marta, daß in der gesamten Gemeinde neben den 1.400 Rumänen, 860 Bulgaren, 750 Ungarn und 580 Serben nur noch 34 Deutsche lebten.

Seit den ersten „freien" Kommunalwahlen wählte man in der Gemeinde immer einen Kandidaten der Rumänischen Demokratischen Konvention (CDR) zum Bürgermeister. Von 1992 bis 1996 bekleidete Nicolaie Marta dieses Amt, und 1996 wurde Nicolae Petrin mit 724 Stimmen in diese Funktion gewählt. In einer Bilanz, die N. Marta nach der ersten Hälfte seiner Amtszeit den Journalisten vortrug, berichtete er über die Existenz zweier Landwirtschaftsvereine, die 40 Prozent der Ackerfelder bearbeiteten. Den Rest bewirtschafteten die Bauern individuell. Das Gemeindeoberhaupt meldete auch noch, daß mit der Eröffnung von sechs privaten Verkaufsläden und von sieben Gaststätten und Cafés in Denta die Privatisierung durchgeführt worden wäre. Dazu kamen auch noch ein Lager, eine Fasanenzüchterei und eine Tankstelle. Auch für die Dentaer Mühle war man auf der Suche nach einem ausländischen Investor, der aber zugleich auch eine Teigwarenfabrik und eine Ölmühle einrichten sollte. Als besonders positiv stufte der damalige Bürgermeister die Partnerschaft seiner Gemeinde mit der französischen Ortschaft Le Cres ein. Bis 1994 besuchten die französischen Partner Denta siebenmal und bescherten es immer mit den nötigen Arzneimitteln. Dagegen besuchten in derselben Zeit nur zwei Dentaer Bewohner Frankreich. Es waren die 14-jährige Vilda Popov, die mit Hilfe des Gemeindepartners ihr Augenlicht wiederbekam und ihre Pflegerin.

Ansonsten gab es in Denta, wie überall im Banat nur noch Armut. Im April 1994 wurde die ganze Gemeinde vom Stromnetz abgeschaltet, weil sie kein Geld hatte, um die Stromrechnungen zu bezahlen. Monate hindurch gab es in den Ortschaften der Gemeinde keine Straßenbeleuchtung, und sogar im Gemeindehaus herrschte damals Totalfinsternis. In einem ganz schlechten Zustand befand sich auch das Ortsstraßennetz und die Kommunalstraßen, da das Geld für die nötigen Reparaturen fehlte. Derselbe Bürgermeister beklagte sich auch noch nach einem Jahr über die leere Gemeindekasse. Bloß für den Ausbau des Trinkwassernetzes hat er aus dem Staatsbudget 486 Millionen Lei erhalten. Zugleich ärgerte sich das Gemeindeoberhaupt wegen des schlechten Zustands der Brücken in der Gemeinde. Über eine dieser Brücken, die die Bersau (Bârzava) überquert, müssen 75 Prozent der neuen Bodenbesitzer, um auf ihre Felder zu kommen. Bei einer Unterbrechung des Verkehrs über diese Brücke würde auch auf einen großen Teil der Ackerfelder die Arbeit unterbrochen.

Auch der neue Bürgermeister, Nicolae Petrin, der 1996 ins Amt gewählt wurde, hat seine Amtszeit mit dem linken Fuß begonnen. Gleich nach seinem Amtsantritt begann man mit dem Abbau des ihm unterstellten Personals. Plötzlich hatte das Bürgermeisteramt keinen Kutscher mehr, und aus diesem Grund wurde die Verbindung mit den Dörfern der Gemeinde auf allen Ebenen unterbrochen. Der Neue hatte gleich auch mit der Straßenbeleuchtung seinen Ärger, da er die verbrauchte Elektroenergie genau so teuer bezahlen muß, wie private Gewerbetreibende. Um aus dieser Not auszusteigen, will N. Petrin größere Flächen aus dem Gemeindebesitz an seriöse Investoren verpachten, die er aber bis Juni 1997 nicht gefunden hat. Daraufhin kam dem Bürgermeister eine pfiffige Idee: Er sucht nun die Retter der Gemeindekasse so, wie es noch keinem Manager aus der Stadt eingefallen ist; er sucht sie weltweit übers Internet.

Oktober 1997                                                                                                            Anton Zollner