DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (67)
 B  u  s  i  a  s  c  h

Busiasch (amtlich: Buzias; ung.:Buziásfürdö) liegt am Rande der Silascher Hügeln, auf denen der sogenannte „Busiascher Wein" erzeugt wird. Die Ortschaft befindet sich etwa in der Mitte der Landstraße Temeschburg-Lugosch und verfügt zugleich auch über eine Bahnverbindung zu den beiden genannten Städten.

An der Stelle, wo heute Busiasch liegt, soll es laut Gh. Drinovan schon im Jahre 101 eine römische Festung mit dem Namen Ahihis gegeben haben und vorher sogar eine dakische Siedlung, die Azizi hieß. Dokumentarisch belegt ist Busiasch seit etwa 1320, als es vom ungarischen König Karl Robert an Adlige verschenkt wurde. Schon die Römer sollen hier ihre Heilbäder gehabt haben, das das Bruchstück eines Wasserrohrs nachweisen soll, das man laut Valentin Samânta in den 50er Jahren beim Bau von Bunkern gefunden hat. Nach demselben Autor soll Busiasch seine Benennung von einem rumänischen Bauern namens Buzies oder Bâzies erhalten haben, der das Rheuma seines Schweins mit Hilfe des aus einer Quelle sprudelnde Wassers geheilt haben soll. Die erste chemische Analyse dieses Mineralwassers soll 1796 durchgeführt worden sein, aber seine Heilkraft wurde erst in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erkannt. Die bekannteste der kohlensäurehaltigen Wasserquellen ist die seit 1837 ununterbrochen sprudelnde Josef-Quelle. 1839 ist Busiasch amtlich als Kurort anerkannt worden. Laut Karl Kraushaar ist die Ortschaft einige Jahre danach, 1845, mit Deutschen angesiedelt worden, als man den Ort „mit Deutschen, Ungarn und Slowaken vermehrt" hat.

Als die Mineralwasserquellen in den Besitz der Familie Muschong kamen, begann die Blütezeit dieses Kurortes. Als erstes wurden die Sümpfe aus der Umgebung trockengelegt und der auch heute noch existierende Park mit 200 aus Italien gebrachten Platanen angepflanzt. Durch den Park führte später ein 500 m langer überdachter Spazierweg, damit die Heilungsuchenden auch in der Schlechtwettersaison im Kurort weilen. Die Familie Muschong ließ für die Unterbringung der Kurgäste 22 Villen errichten. 1874 fand in Busiasch auch eine Premiere statt; hier wurde das erste Mineralwasser-Freibad Europas eingerichtet. Im Jahre 1900 verfügte der Kurort auch über fünf Tennisplätze, und der Park ist auch mit 20 aus Palermo gebrachten Palmen bereichert worden. Das Busiascher Mineralwasser ist (nach seiner Zubereitung) bis heute eines der gefragtesten Heil- und Tafelwasser des Banats.

Zu den prominentesten Kurgästen Busiaschs gehörten unter anderen Kaiser Franz Josef, Kronprinz Franz Ferdinand und der rumänische König Ferdinand. Da der Kurort vom Bahnhof einige Kilometer entfernt ist, baute man dazwischen eine Schmalspurbahnstrecke, auf der der als „Etelka" bekannter Zug die Kurgäste beförderte. Dieser Zug wurde erst auf Ceausescus Befehl als ein „Überbleibsel der Bourgeoisie" aus der Welt geschafft. Dafür gehörte aber dieser Kurort zu den banater Gemeinden, die in der kommunistischen Diktatur schon in den 50er Jahren zur Stadt erhoben wurde.

In diesem Jahrhundert hatten die Deutschen bis zum 2. Weltkrieg einen Bevölkerungsanteil von etwa über 35 Prozent; das waren immer rund um 1.050 Personen. Im November 1940 hatte man hier 1.182 Personen als deutsche Volkszugehörige registriert. Bis zur Volkszählung von 1977 sank aber ihre Zahl auf nur noch 536, somit sank auch ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung auf etwa 10 Prozent. 15 Jahre später, im Januar 1992 bekannten sich hier nur noch 274 Personen zum Deutschtum. Sie lebten damals in der Stadt mit 4.793 Rumänen, 334 Ungarn, 214 (oder mehr!) Zigeunern, 7 Serben und 60 Sonstigen. So sank auch ihr Anteil an der Busiascher Bevölkerung auf 4,8 Prozent. Nach den Angaben der Heimatortsgemeinschaft Busiasch (aus Deutschland) sollen im Februar 1996 in ihrem Heimatort 222 Deutsche verblieben sein.

Busiasch und das banat-schwäbische Bakowa sind fast gänzlich vom geschlossenen donauschwäbischen Siedlungsgebiet isoliert. Die meisten Dörfer, die sie umgeben, sind von Rumänen oder Ungarn bewohnt. Trotzdem leben auch in diesen Dörfern auch heute noch vereinzelt einige Deutsche. In dem zur Stadt gehörenden Dorf Silasch (amtlich: Silagiu; ung.: Nagysilas) bekannten sich 1992 zwei Personen zum Deutschtum; 1940 waren noch 25 deutsche Volkszugehörige da. Im Nachbardorf Groß-Sakosch (amtlich: Sacosu Mare; ung: Magyarszákos), das heute zur Gemeinde Darowa gehört, lebten 1940 12 Deutsche, 1992 bekannte sich eine Person zum Deutschtum. Auch im zur Gemeinde Racovita gehörenden Dorf Capat (ung.: Keped) bekannten sich 1940 21 Personen als Deutsche, aber 1992 taten dies in der gesamten Gemeinde Racovita (6 Ortschaften) nur noch 9 Personen: 8 in Hitias und eine in Sârbova. Auch in Boldur und in dem zu dieser Gemeinde gehörende Dorf Sinersig (ung.: Szinerszeg) lebten 1940  37 bzw. 30 Deutsche, bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich hier nur noch insgesamt 4 Personen zum Deutschtum: 3 in Sinersig und eine in Boldur. 1940 lebten auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Türkisch-Sakosch (amtlich: Sacosu Turcesc; ung.: Törökszákos) in sechs der sieben Ortschaften deutsche Volkszugehörige: in Türkisch-Sakosch - 31 Personen, in Rumänisch-Stamora (amtlich: Stamora Româna; ung.: Felsöstamora) - 30, in Icloda (ung.: Iklód) - 24, in Uliuc (ung.: Temesújlak) - 24, in Unip (ung.: Temesújnép) - 15 und im ungarischen Dorf Ötwösch (amtlich: Otvesti; ung.: Ötvösd) - 97. Im Jahre 1992 bekannten sich in den sieben Ortschaften der Gemeinde noch immer insgesamt 30 Personen zum Deutschtum: 8 in Türkisch-Sakosch, je 6 in Rumänisch-Stamora und in Uliuc, 10 in Ötwösch. In Groß-Keweresch (amtlich: Cheveresu Mare; ung.: Nagykeveres), wo heute ein bedeutender Teil der Bevölkerung aus Zigeunern besteht, befand sich in früheren Zeiten ein Rentamt. Wahrscheinlich deswegen stellten die Deutschen hier bis zum 2. Weltkrieg einen Bevölkerungsanteil von über 3 Prozent (1910: 65 Personen; 1930: 51 und 1940: 45). Bemerkenswert ist das „Deutschtum" im zu dieser Gemeinde gehörenden Dorf Vucova (ung.: Temesvukovár). Hier ließen sich laut Prof. Dr. Anton Scherer im Jahre 1940  463 (!) Personen als Deutsche registrieren. Wenn man aber die Ergebnisse des Volkszählung von 1992 beachtet, könnte man glauben, daß 1940 ein Fehler unterlaufen sei, weil sich damals in der ganzen Gemeinde Groß-Keweresch  nur 8 (!) Personen zur deutschen Volkszugehörigkeit bekannt haben: 5 in Groß-Keweresch und 3 in Vucova. Die „Deutschen" von 1940 sind heute überzeugte Slowaken, die ihre vor kurzem erbaute neue katholische Kirche dem Hl. Frantisek weihen ließen und am 4. Mai d. J. ihr Kirchweihfest feierten.

Wenn man als Außenstehender an der nun schon jährlich veranstalteten Busiascher Kirchweih teilnimmt, könnte man meinen, daß hier das Deutschtum einer neuen Zukunft entgegen geht. So zum Beispiel marschierten bei der letzten Kirchweih, die am 15. September 1996 stattfand, nicht weniger als 57 (!!!) Trachtenpaare durch die Stadt, davon waren 16 Kinderpaare. Da muß man sich doch fragen: „Wie konnte man aus den Reihen der 222 zumeist älteren und alten Personen deutscher Volkszugehörigkeit 114 Trachtenträger für dieses traditionelle Fest der Banater Schwaben gewinnen?"

Auf diese Frage antwortete noch während des Kirchweihfestes einer der Veranstalter. Der stellvertretende Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen (DFD) aus Busiasch Dr. Erich Mallinger sagte in seiner Rede, die er vor den Ehrengästen, Gästen und der „dazugekommenen Jugend in rumänischer Volkstracht" hielt: „Wir hatten in unserem Städtchen nie ein einheitliches Trachtengewand. Daher das Kunterbunte. Alle Trachtenkleider sind in den letzten Jahren neu genäht worden. Unsere Jugend - ich möchte unterstreichen, daß sich nur Busiascher Paare am Fest beteiligen - nimmt die Kirchweih sehr ernst, es ist das Fest der ganzen Stadt, alle Ethnien machen da mit." (ADZ Nr. 944 vom 17. Sept. 1996). Da gibt also ein Vertreter des DFD Busiasch uns klar zu verstehen, daß das banat-schwäbische Kirchweihfest nicht mehr ein Fest der Banater Schwaben sei, sondern ein „Fest aller Busiascher Ethnien". Meines Erachtens ist es von so einem Kirchweihfest bis zu einer neuen Ausgabe der Huldigungsveranstaltung „Cântarea României" nicht mehr weit.

Wie steht es dann aber mit den Heimatgefühlen der im Banat verbliebenen Deutschen? Ansonsten wird das oben erwähnte „Kunterbunte" auch von den Namen der Vortänzerpaare bestätigt: Monica Bercec mit Flaviu Popescu und bei den Kindern die dreieinhalbjährige Andrea Popescu mit dem vier Jahre alten Bruno Heger. Nach dem von Stadtpfarrer Reiner Debert zelebrierten Festgottesdienst begaben sich die Trachtenpaare in die rumänisch-orthodoxe Kirche, wo sie vom orthodoxen Pfarrer gesegnet wurden.

Ich möchte in keinem Fall falsch verstanden werden. Deswegen unterstreiche ich, daß ich gegen ein gemeinsames Volksfest der multinationalen Bevölkerung unserer Heimatorten absolut nichts einzuwenden habe. Im Gegenteil, dies könnte in der jetzigen Lage einen Impuls für den ethnischen Frieden in Rumänien geben. Aber ein Volksfest „aller Ethnien" als eine banat-schwäbische Kirchweih vorzugaukeln, ist eine Zumutung, ja sogar eine Entwürdigung des Kirchweihstraußes. Was beabsichtigen die Veranstalter einer solchen „Kirchweihshow"? Wieviel rumänische Trachtenträger ließen sich bei der orthodoxen „Ruga" in der katholischen Kirche segnen?

Viel realistischer bewerten die rumänischen Zeitungen die jetzige Lage in unseren Heimatorten. So schrieb die Tageszeitung „Timisoara" am 22. Februar 1995 über Busiasch: Alles, was hier in eineinhalb Jahrhunderten geschaffen wurde, ist in nur einigen Jahren vom „geliebtesten Sohn des Volkes" vernichtet worden. Das Freibad mit Mineralwasser ist dem Verfall preisgegeben worden, die Tennisplätze gibt es nicht mehr, die Palmen sind verschwunden, und das Bad Nr. 1 ist zu einer Ruine geworden. Sogar die von den Badegästen so sehr geliebten Eichhörnchen sind verschwunden; man hat sie mit Spray betäubt, dann getötet und schließlich ausgestopft, um sie vermutlich in Deutschland zu verkaufen. Eine andere rumänische Zeitung schildert die jetzige Lage der öffentlichen Verkehrsmittel. Von den drei Bussen, die bis 1992 als Ersatz für den Nostalgiezug „Etelka" zwischen dem Stadtzentrum und dem Bahnhof verkehrten, wird zur Zeit nur noch einer eingesetzt. Dies soll aber nicht dann geschehen, wenn ihn die Busiascher Pendler brauchen, um täglich zu ihrem Arbeitsplatz in die naheliegende Städte zu kommen. Aus diesem Grund müssen die Pendler, die den Zug um 5 Uhr erreichen wollen, schon um 3,30 Uhr nachts ihr Heim verlassen, um durch die unbeleuchteten Straßen, mit der ständigen Angst, überfallen zu werden, eineinhalb Stunden lang bis zum Bahnhof durch Regen und Schnee zu marschieren.

Viel optimistischer sieht dagegen das Leben in Busiasch die „Banater Zeitung" (BZ - eine Beilage der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien"). So erwartet man darin in den letzten Monaten einen neuen Aufschwung im auf „Phönix" umbenannten Busiascher Mineralwasserunternehmen. Dies soll nun geschehen, nicht nur weil ... dem Manager Carol Moldovan, ein gebürtiger Busiascher, „der Betrieb auf dem Herzen liege, sondern eher weil seine Bindung zu Busiasch auch sentimental beeinflußt sei" (eine neu Theorie der rumänischen Marktwirtschaft?). Laut BZ könnte man sich erst nur dann freuen, wenn „die Stolpersteine der heutigen rumänischen Wirtschaft mit Enthusiasmus aufgeräumt werden könnten" (!). Den Anfang des „Erfolgs" sieht man in der Tatsache, daß der Betrieb das Busiascher Mineralwasser nicht mehr nur in Liter- und Halbliterflaschen liefert, sondern auch in ... Viertel- und Dreiviertelliter- Flaschen. Die Füllanlagen für diese Flaschen sollen aus Deutschland angeschafft worden sein. Jetzt mangelt es im genannten Betrieb nur noch an den Flaschen dieser neuen Größen.

Voller Enthusiasmus soll jetzt nicht nur der Manager Moldovan sein, sondern auch der neugewählte Bürgermeister Florian Petru Aldan. Der auf der Liste der Rumänischen Ökologischen Bewegung gewählte Stadtverwalter äußerte sich bei seinem Amtsantritt, daß er in den bevorstehenden vier Jahren, Busiasch wieder zu einer „Perle des Banats" machen will. Der neue Mann wollte damals dringend alles unternehmen, um den Zustand der Straßen und das Aussehen des Kurparks wieder auf hohem Niveau zu bringen. Aber er hatte auch noch vieles mehr vor: die Erweiterung des Trinkwasser- und Kanalisationsnetzes, den Ausbau des Erdgasleitungsnetzes, den Ausbau der Kläranlage u.v.a. Man darf aber nicht vergessen, daß auch nach den Kommunalwahlen von 1992 viele optimistische neugewählte Bürgermeister „den Stier an den Hörner packen" wollten. Die riesengroßen Haushaltslücken (die aber noch gar nicht so groß waren wie die heutigen) überzeugten sie aber bald, daß nur der bloße Enthusiasmus auch im neuen Rumänien nichts hilft.

August 1997                                                                                                             Anton Zollner