DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (11)
B r u c k e n a u

Bruckenau (heute: Pischia; ung.: Hidasliget) war eines der ersten deutschen Dörfer des Banats. Die ersten deutschen Kolonisten wurden hier schon 1724 angesiedelt. 1717 bestand die Siedlung aus 8 Häusern, in denen Rumänen und Zigeuner lebten. 1877 erreichte die Einwohnerzahl mit 1.742 Personen ihren Höhepunkt. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs nahm die Zahl der Dorfbewohner, die damals fast nur Deutsche waren, ständig ab: 1890 = 1.550, 1921 = 1.435 und 1935 = 1.338 Seelen. Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wurden von den rumänische Kolonisten ins Dorf gebracht und in die Häuser der Deutschen einquartiert. Durch die Zuwanderung von Rumänen stieg die Einwohnerzahl wieder an, 1966 auf 1.410 und 1972 auf 1.540 Personen.

Bis in die '80-er Jahren sollen die Bruckenauer Deutschen nur in kleiner Zahl nach Deutschland ausgesiedelt sein, danach folgte aber eine massive Auswanderung; die letzten packten ihre Koffer nach den Dezemberereignissen von 1989. Im März 1990 erschien Bruckenau nicht mehr auf einer veröffentlichten Liste mit der Zahl der „Neuen Banater Zeitung" (NBZ)-Abonnenten. Dies bedeutete, dass, wenn es hier noch NBZ-Leser gab, so war ihre Zahl unter 20. Am Anfang des Jahres 1992 lebten nach Angaben von Katharina Donos in Bruckenau „noch neun deutsche Personen". Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich in der ganzen Gemeinde (Bruckenau, Deutsch-Bentschek, Rumänisch-Bentschek, Murani und Salciua) noch 30 Personen zum Deutschtum, die Hälfte davon, also 15 Personen, lebte in Bruckenau. Man weiß aber, dass die durch die Volkszählung ermittelte Zahl der Deutschen fast überall übertrieben wurde. Man kann also annehmen, dass in kürzester Zeit die deutsche Siedlungsgeschichte Bruckenaus abgeschlossen sein wird, man wird bald nur noch von Pischia sprechen.

Vor gut über einem Jahr besuchten zwei Journalisten der Temeschburger rumänischen Tageszeitung „Timisoara" den Ort und führten dort ein Gespräch mit dem ersten demokratisch gewählten Bürgermeister. Der gelernte Förster Aurel Borodi wurde als Kandidat der Demokratischen Konvention mit fast dreifacher Mehrheit im zweiten Wahlgang zum Bürgermeister Bruckenaus gewählt. Vorher gehörte er der Miliz an, danach war er Polizist. Damit er politisch tätig sein kann und um die „Gestrigen", die heute an der Macht sind, zu bekämpfen, kündigte er seinen Dienst bei der Polizei. Doch der Neugewählte rang damals noch um sein Arbeitszimmer, das von der Sekretärin des Gemeindehauses, Frau Preda, mutwillig besetzt war. Er hat sich auch vorgenommen, den örtlichen Polizeichef, den Feldwebel Vasile Maris, mit Hilfe der Kreiskommandantur abzulösen, da dieser „alte Gewohnheiten" nicht lassen konnte. Sein größtes Vorhaben war aber die Revision der gesamten Bodenverteilung, da er sehr viele Gesetzwidrigkeiten und Ungerechtigkeiten festgestellt hat. Sein Vorgänger Constantin Pora hat gewesenen Nomenklaturisten unrechtmäßig Boden zugeteilt.

Ein weiteres Anliegen des neugewählten Bürgermeisters sei der staatliche Wohnungsfond gewesen. Das sind die Häuser, die man den ausgesiedelten Deutschen zu lächerlichen Preisen abgenommen hat. Diese wurden Ortsfremden vermietet, die aber gar nicht darin wohnen, sondern nur eine Gelegenheit warten, sie abkaufen zu können. Da in Bruckenau eine große Wohnungsnot herrscht, möchte der Bürgermeister diese Häuser Notbedürftigen vermieten. Schließlich wollte Aurel Borodi auch den Mühlenbetrieb wieder in Ordnung bringen.
 
Über die Lage, in der sich die Bruckenauer Mühle damals befand, berichteten die zwei Journalisten Ion Monoran und Ioan Craciun ausführlich. Diese Mühle ist um 1928-29 von zwei Temeschburger Baumeistern Franz Albert (1880-1974) und Johann Bednar (geb. 1891) errichtet worden. Die Maschinen kamen von der  Firma MIAG (aus Braunschweig und Dresden), der Dieselmotor aus Graz. Mit der Zeit wurde sie zur "berühmtesten Mühle der Umgebung", wie ein rumänischer Bürger des Ortes sagte. Nachdem die Kommunisten an die Macht kamen, vertrieb man die "Ausbeuter des Volkes", und die Mühle ließ man verfallen. 1956 versuchte der Staat als neuer Besitzer die Mühle in Betrieb zu setzen, aber mangels Ersatzteilen und Fachmännern gelang dies nicht. Erst 1987 gelang es einigen Fachkundigen die Dieselmotoren durch Elektromotoren zu ersetzen und ... acht Walzen aus Österreich anzuschaffen. Richtig soll aber die Mühle erst nach den Dezemberereignissen von 1989 angelaufen sein, als man sie unter der Leitung des neuen Chefs Cornel Steia instandgesetzt hat. Sie soll danach 2 Tonnen Getreide in der Stunde gemahlen haben, was aber noch immer unter den Bedürfnissen lag. Im Frühjahr 1992 wurde wegen unausreichender Kapazität das Getreide der Ernte des Jahres 1990 zum mahlen angenommen. Um die Lage etwas zu verbessern, wäre es nötig gewesen, eine zweite Arbeitsschicht einzuführen, aber ... ?! Dies ist unmöglich gewesen, weil die Präfektur des Kreises Temesch dies ganz einfach nicht genehmigte.
 
Darin ist noch immer ein gewisser Zentralismus der alten Strukturen zu erkennen. In Wirklichkeit ist die Gemeindeverwaltung noch immer nicht berechtigt ihr Eigentum (wenn auch nur durch Enteignung erhalten) nach eigenen Interessen zu verwalten. Steinig ist noch der Weg zur Demokratie in Rumänien!
 
Oktober 1993                                                                                                   Anton Zollner

 

Chaos in Bruckenau

Der gewesene Förster, Milizmann und Polizist und der erste demokratisch gewählte Bürgermeister Bruckenaus, Aurel Borodi, der noch 1992 heilig versprach, in der Gemeinde die Gerechtigkeit einzuführen, wurde im Juli 1993 beschuldigt, 50 Schafe gestohlen zu haben. Laut Aussagen des Beschuldigten, weideten die Schafe unbewacht auf den Ackerfeldern der Gemeinde. Deswegen ließ er sie einfangen und von einem Schäfer betreuen. Er soll aber die Schäfererzeugnisse mit jenem Schäfer geteilt haben. Dies behauptet nun der Schäfer. Dafür soll er nun vor den Richter kommen. Aurel Borodi behauptet, dass dies alles eine Inszenierung, als Folge seiner Äußerungen während der Wahlkampagne sei. Es ist wahr, dass er sich als Gegner der „Gestrigen" im „neuen" Machtapparat viele Feinde machte.

In dieser Lage hatte man Aurel Borodi seines Amtes enthoben, worauf auch der Vizebürgermeister Eugen Goldic zurücktrat. Um ein totales Chaos zu vermeiden, wählte der Gemeinderat im September 1993 den Imker Ionel Bonchis zum Vizebürgermeister.

Das Chaos verbreitete sich schnell wie die Pest vom Gemeindehaus auf das öffentliche Leben aus. Am 11. August 1993 demonstrierten 50 bis 60 Bauern vor dem Gemeindehaus gegen den Vorsitzenden des Landwirtschaftsvereins „Cocor" (Kranich), dem Dipl.-Ing. Gheorghe Ionescu. Sie protestierten gegen die alte Führungsmentalität des Vorsitzenden und gegen die Ausbeutung der Bauern. Die Vereinsmitglieder waren empört, denn trotz einer guten ernte (3.500 kg Weizen/ha) erhielten sie pro Hektar nur 200 kg Weizen, 50 kg Gerste und 50 kg Hafer.

Die alte Mentalität steckt aber nicht nur im Kopfe des Vorsitzenden, sondern auch in den Köpfen der Vereinsmitglieder. Sie verlangten an jenem Tag, dass „jemand" aus Temeschburg kommen solle, ihren Vereinsvorsitzenden ... abzulösen. Wer dieser „jemand" sein könnte, wussten sie aber nicht. Vielleicht ein Vertreter der Kreispräfektur oder der Landwirtschaftsdirektion meinten sie.
In einem Gespräch mit Gheorghe Ionescu erfuhr der Journalist der Tageszeitung „Timisoara", dass der Verein von 152 Bodenbesitzern mit 582 Hektar Boden auf den Strukturen der aufgelösten LPG gegründet wurde. Er erklärte sich vor dem Journalisten auch bereit, eine Generalversammlung des Vereins einzuberufen. Aber laut Satzung müssten 66 Prozent der Mitglieder anwesend sein, versammelt waren nach seiner Aussage immer nur 30 bis 40.

So verging der ganze Tag des 11. August 1993, ohne eine Lösung zu finden. Die Spannung unter den heutigen Bruckenauern stieg aber weiter von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Der Landwirtschaftsverein „Cocor" ist in zwei Lagern gespalten, und „man kann erwarten, dass eines Tages, diese mit Gabeln, Sensen und Beilen aufeinander losgehen". Das ist die Meinung einiger Leute des Dorfes.

Februar 1994                                                                                                    Anton Zollner

 

Drei deutsche Familien in Bruckenau

Laut einer Reportage der „Banater Zeitung" (eine Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien) vom 5. Juli 1995 über Bruckenau (heute: Pischia) leben im einstigen Schwabendorf nur noch drei banat-schwäbische Familien. Von diesen hat nur die Familie Werbos Nachwuchs. Die Kinder, die 12-jährige Coletta und der 11-jährige Michael müssen die deutsche Schule in Temeschburg besuchen, und so kommen sie nur an Wochenenden und in den Ferien nach Bruckenau. Vater Michael Werbos arbeitet als Maurer meist vertragsmäßig in Deutschland. Den fünf Hektar großen Ackerboden, der er durch das Bodengesetz erhalten hat, lässt er von einem privaten Landwirtschaftsverein bearbeiten. Dafür bekam er im vorigen Jahr 3.000 kg Weizen, 1.500 kg Gersten und eine kleine Menge Mais, was kaum ein Fünftel der Ernte darstelle. Das große Schwabenhaus und den großen Gemüsegarten, wie auch das Vieh, bewirtschaftet und pflegt Ehefrau Anna Werbos.

Die Familie Spanhauer besteht nur aus Vater und Sohn. Die dritte „Familie" besteht eigentlich nur aus der Witwe Gertrude Loris, die auch die katholische Kirche betreut. Dass in dieser Lage von einem Deutschtum nicht mehr gesprochen werden kann, ist selbstverständlich. Wie man von den Werbos' erfahren kann, bestünden die „nachbarschaftlichen Beziehungen" mit den „Neubürgern" aus Diebstahl und dem Vergiften der Gänse. Am schönsten sei es im Dorf nur noch, wenn Landsleute aus Deutschland auf Besuch kämen.

Nun scheint es, als würden in Bruckenau trotz der drei noch ausharrenden Familien die Lichter gelöscht. In der katholischen Kirche wird für die paar Gläubigen nur noch jede dritte Woche vom Pfarrer aus Neusentesch (heute: Dumbravita; ung.: Újszentes) der Gottesdienst zelebriert. Ansonsten ist das katholische Pfarrhaus schon dem orthodoxen Pfarrer verkauft worden. Eben darum muss man sich fragen: Wie lange werden die Heimatglocken für die in der Ferne verstorbenen Bruckenauern noch läuten?

Oktober 1995                                                                                                  Anton Zollner
 
 

Bruckenau geht seinem Ende zu

Bruckenau (heute: Pischia; und.: Hidasliget) liegt etwa 20 km nordöstlich von Temeschburg entfernt, am Rande der Banater Heide, dort, wo diese an das Lippaer Hochland grenzt. Verkehrsmäßig wird die Ortschaft von der Landstraße Temeschburg – Lippa durchquert, und sie verfügt zugleich über einen Anschluss ans Eisenbahnnetz.

Bruckenau ist als Siedlung schon 1332 dokumentarisch belegt worden; sie trug damals den Namen „Piske“. Laut Karl Kraushaar war der Ort schon 1728 auf der Landkarte des Grafen Mercy vermerkt gewesen, und in den Jahren 1759 und 1763 ist er durch die Ansiedlung neuer deutscher Kolonisten erweitert worden. Eine Pfarrei existierte hier schon 1333, die im Jahre 1759 restauriert wurde. Ein Jahr später, 1760, sind die Kirchenmatrikelbücher eingeführt worden, davor sind die Taufen, Ehen und Sterbefälle aus dieser Ortschaft von der Jahrmarkter Pfarrei registriert worden.

Bis zum 2. Weltkrieg zählte man Bruckenau mit einem deutschen Bevölkerungsanteil von über 80 Prozent zu den banat-schwäbischen Ortschaften des Banats. 1910 stellten die 1.277 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von 86 Prozent. Auch 30 Jahre später ließen sich hier 1.281 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Bis 1977 sank der Bevölkerungsanteil der Deutschen auf etwa 41 Prozent. Die 580 Deutschen lebten damals neben 732 Rumänen, 55 Ungarn und 35 Sonstigen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 1.166 Einwohnern nur mehr 15 Personen zum Deutschtum, in Wirklichkeit sollen es aber nur noch 9 gewesen sein. Zur selben Zeit betrug die Zahl der Rumänen 1.073, die der Ungarn 40 und die der Sonstigen 38 Seelen. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Bruckenau lebten im Februar 1996 im Heimatdorf nur mehr 6 Deutsche. Auch in dem heute zur Gemeinde Bruckenau gehörenden rumänischen Dorf Murani (ung.: Temesmurány) lebten 1910  97 Deutsche, die einen Anteil von 6 Prozent an der Gesamtbevölkerung hatten. Ihre Zahl nahm aber ständig ab, so dass hier 1940 nur noch 52 deutsche Volkszugehörige registriert wurden. Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich in diesem westlich vom Gemeindezentrum gelegenen Dorf lediglich 3 Personen zum Deutschtum.

Wie die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien“ (ADZ) im September 1999 berichtete, lebten damals im einstigen Schwabendorf nur noch fünf Deutsche, zwei von ihnen waren die beiden Peter Spanhauer (senior und junior). Der 93-jährige Vater und der 71-jährige Sohn lebten damals zu zweit im selben Haushalt; die Ehefrau und Mutter verstarb 1989. Der 70-jährige Sohn und Bruder Matthias ist mit seiner Familie 1988 nach Deutschland ausgewandert, diesen treibt aber das Heimweh zwei- bis dreimal im Jahr zu Besuch in die alte Heimat. Die beiden Spanhauers lebten nun von ihrer Rente und dem Geld, das sie als gewesene Russland-Deportierte zusätzlich erhielten. Um ihr Einkommen aufzubessern, halten sie Ziegen und Schafe und ließen den rückerstatteten Boden bestellen.

Bei fünf deutschen Einwohnern, alle im Seniorenalter; kann man annehmen, dass Bruckenau als deutsche Ortschaft seinem Ende entgegengeht. Die Häuser befinden sich zumeist in einem guten Zustand, weil sie von ihren neuen Bewohnern aufgekauft wurden. Dafür müsste das Dach der katholischen Kirche dringend repariert werden. Die fünf Deutschen und die paar Dutzend Ungarn können aber diese Arbeit nicht mehr selbst finanzieren. Der Dreifaltigkeitssäule hatten vermutlich Dorfbewohner die Engeln gestohlen. Ersetzt werden diese wahrscheinlich nie wieder, weil die wenigen Gläubigen für diese Kosten nicht mehr aufkommen können. Dafür ist der katholische Friedhof noch einigermaßen in Ordnung gehalten, nur wenige Gräber sind dem Verfall preisgegeben.

Gestohlen und als Altmetall verwertet werden hier nicht nur bronzene Engel, sondern auch die Wasserhähne und -rohre des „Sauerbrunnens“, der wegen seines Heilwassers auch über Bruckenau hinaus in ganz Banat bekannt ist. Da der alte artesische Brunnen versiegt ist, hatte das Bürgermeisteramt vor drei Jahren für 40 Millionen Lei Tiefbohrungen vorgenommen und eine neue Pumpe montieren lassen. Zuvor hatte man den Brunnen überdachen lassen, damit die Benutzer beim Füllen ihrer Wassergefäße nicht mehr der Witterung ausgesetzt sind. Nun ist der Brunnen seit April 2001 außer Betrieb, und wie sich Ioan Cionca, der alte und zugleich seit 2000 neugewählte Bürgermeister, äußerte, wären für die Inbetriebsetzung weitere 60 Millionen Lei nötig. Diese ist aber dringend fällig, weil das Grundwasser der gesamten Umgebung stark mit Nitriden verseucht ist.

Über das tägliche Leben schrieben öfters sowohl die „Renasterea banateana“ (Banater Wiedergeburt) als auch die ADZ der Jahre 1997-98. Unter anderem veröffentlichte man damals Fotos des zerstörten Bushaltestellen-Häuschens. Zu dieser Zerstörung kam es, nachdem als Folge des wirtschaftlichen Zusammenbruchs keine Pendler mehr in die Stadt zur Arbeit fuhren und deswegen der gesamte Busverkehr eingestellt wurde. Die Bruckenauer müssten sich aber im Vergleich zu den Bewohnern des Dorfes Murani glücklich fühlen, da ihnen täglich fünf Züge sowohl in Richtung Temeschburg, als auch nach Lippa zur Verfügung stehen, während die Murani-er nicht einmal eine befahrbare Straße bis zum Gemeindezentrum haben. Dies ist aber nur ein kleines Übel in der einstigen blühenden deutschen Gemeinde.
                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                  Das Gemeindeoberhaupt klagt bei allen Gelegenheiten über das geringe Haushaltsbudget, das ihm „von oben“ zugeteilt wird. Als Beispiel nennt er das Jahr 1998, als der Gemeinde 225 Millionen Lei zugeteilt wurden, von denen 100 Millionen nur für die Straßenbeleuchtung ausgegeben wurden. Außerdem hatte die Gemeinde damals Schulden in Höhe von 150 Millionen Lei. Praktisch konnten in jenem Jahr nicht einmal Pläne geschmiedet werden, da man nicht einmal die Schulen der Gemeinde instandsetzen konnte. Dies hinderte aber den Bürgermeister nicht daran, sich einen Geländewagen vom Typ ARO für 40 Millionen Lei anzuschaffen. Um Geld in die Gemeindekasse zu bekommen, beschloss der Gemeinderat Geldstrafen für jene Bürger zu verhängen, die vor ihrem Haus den Straßengraben nicht reinigen. Es wurde aber auch die Einführung von Gebühren für den Verbrauch des Mineralwassers in Erwägung gezogen, doch konnte man sich nicht einigen, wie dies geschehen soll. Es wären so drei oder vier Kassiere nötig gewesen, um die Verbraucher rund um die Uhr abzukassieren. Man hatte auch beschlossen, die einst berühmte Bruckenauer Mühle zu reparieren, man wusste aber nicht, woher das Geld zu nehmen.

Auch das Gesundheitswesen widerspiegelte damals die chaotischen Zustände, die im heutigen „Pischia“ herrschen. Das Ambulatorium der Gemeinde hatte damals vier Personalstellen, besetzt waren sie von den Ärztinnen Edith Ionescu, Daniela Adâncu, der Kinderärztin Dorina Bivolaru und einer Arzthelferin. Die Bevölkerung war mit ihnen aber sehr unzufrieden, weil sehr viele Sprechstunden ausfielen, und ab 17 Uhr und bis zum nächsten Morgen gab es kein Sanitätspersonal in der ganzen Gemeinde, trotz der Dienstwohnungen, die diesem zur Verfügung gestellt wurden. In den Dörfern der Gemeinde ließen sich die Ärztinnen auch nur äußerst selten sehen, sie hatten den Anspruch, dass sich die Patienten im Gemeindeambulatorium zur Untersuchung begeben sollen, wobei die Sprechstunden in Murani im Dorfambulatorium stattfinden sollten. Auch dies beweist, dass sich hier, wie in fast allen ländlichen Ortschaften des Banats nicht nur Chaos, sondern auch Willkür herrschen. Dies bestätigte auch die Temeschburger Tageszeitung „Prima ora“ (Die erste Stunde) im September 2001 indem sie berichtete, dass der Bruckenauer Bürgermeister beim Wildern im Jahrmarkter Forst ertappt wurde.

November 2001                                                                                                  Anton Zollner