DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (42)
 Deutsche im „Almascher Land"

Das „Almascher Land" besteht aus dem Almascher Gebirge und der gleichnamigen Senke, die das Almascher vom Semeniker Gebirge trennt. Das „Almascher Land" ist ein Typisches rumänisches Siedlungsgebiet, und eben darum ist es heute interessant zu hören, daß auch hier Deutsche gelebt haben.

Die größte Ortschaft dieser Gegend ist Bosowitsch (amtlich Bozovici; ung.: Bozovics), in der auch die meisten Deutschen der ganzen Umgebung beheimatet waren. Ihr Bevölkerungsanteil überschritt aber niemals fünf Prozent. An „Industrieeinrichtungen" gab es hier niemals mehr als eine Goldwäscherei, die 1845 hier bestand. 1863 wurde die Landstraße Bosowitsch - Steierdorf-Anina dem Verkehr übergeben. Dieser Verkehrsweg durchquert auch heute noch eine der schönsten Gegenden des Banater Berglands. Die wunderbare Naturlandschaft mit ihren Höhen, Schluchten und Berggewässern fasziniert jeden Reisenden, der hier vorbeikommt.

Bosowitsch gehörte bekanntlich zur österreichischen Militärgrenze, die 1751 in Pantschowa, Weißkirchen, Mehadia, Karansebesch und anderen Ortschaften gegründet wurde. 1768 organisierte man das „Walachische Bataillon", mit vier Kompanien und 2.383 Grenzern in Teplitz (Toplet), Globurau, Ilova und Ohaba-Bistra. 1773 kamen auch Grenzer des „Almascher Landes" hinzu. 1775 wurde das „Walachische Bataillon" mit dem „Illyrischen Regiment" zu dem „Walachisch-illyrischen Regiment" vereint. 1777 ist die Existenz einer „Deutschen Unteroffiziersschule" in Bosowitsch verzeichnet. 1845, als in Weißkirchen durch Umstrukturierung der Militärgrenze das „Illyrisch-Banater Regiment" eingerichtet wurde, gehörten zu diesem auch drei Regimenter des „Almascher Landes", die ihren Sitz in Bosowitsch, Dalboset und Prigor hatten.

1910 lebten in Bosowitsch 329 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von fast drei Prozent darstellten. Zwanzig Jahre später sank ihre Zahl auf 173, aber der Bevölkerungsanteil stieg auf etwa 4,7 Prozent. 1940 stieg die Zahl der Deutschen auf 266. Aber zugleich wurden damals auch in anderen zum „Almascher Land" gehörenden rumänischen Dörfern Deutsche gezählt, wie etwa 15 in Dalboset (ung.: Dalbosfalva), 11 in Prilipet (ung: Perebö), 12 in Rudaria (heute: Eftimie Murgu; ung.: Ógerlistye) und 11 in Minischtal (amtlich: Valea Minisului). Bei der Volkszählung von 1992 bekannten sich von den 2.668 Einwohnern Bosowitsch’s noch immer 34 Personen zum Deutschtum. Sie lebten im rumänischen Zentrum des „Almascher Lands“ neben 2.466 Rumänen, 87 Tschechen, 10 Ungarn und 71 Sonstigen.

Über die Herkunft der Bosowitscher Deutschen ist dem Verfasser dieser Zeilen nichts bekannt. Karl Kraushaar gibt aber als Ansiedlungsjahr 1821 an, dokumentarisch ist Bosowitsch schon 1484 attestiert worden. Im Jahre 1958, als ich mich hier einige Wochen lang dienstlich aufhielt, gab es bei der Post eine Angestellte, die Deutsche war. Sie war aber keine Einheimische, sondern eine Hatzfelderin, die nach ihrer Ausbildung hier eine Stelle zugeteilt bekam. Sie behauptete damals, daß alle Deutsche aus Bosowitsch 1944 mit dem deutschen Heer in Richtung Westen geflohen seien.

Die katholische Pfarrei ist im Jahre 1820 gegründet worden, als man zugleich auch die Matrikelbücher einführte. Die 1827 geweihte kleine „deutsche Kirche" - gemeint war die katholische - stand 1958 ständig geschlossen und dem Verfall preisgegeben am Rande des Dorfparks. Bis 1966 war ich zweimal im Jahr in Bososwitsch, aber bis zur Kirche kam ich nie wieder, da man aus diesem Dorf wegen den in allen Bereichen herrschenden Mängeln so schnell wie möglich wegwollte. In Minischtal, das eher eine Forstabeitersiedlung war, gab es damals auch kein Anzeichen dafür, daß dort noch Deutsche leben würden.

Somit kann man leicht feststellen, daß neben der „Klissura" (Donauenge) auch das „Almascher Land" eine Landschaft ist, die von den Deutschen noch vor dem „großen Exodus" für immer verlassen wurde. In diesen schönen Teilen des Banater Berglands wird es ganz bestimmt kein Deutschtum mehr geben.

Mai 1996                                                                                                              Anton Zollner