DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (65)
 B l u m e n t h a l

Blumenthal (auch als Maschlok bekannt; heute: Masloc; ung.: Máslak) zählte man einst zu den rein banat-schwäbischen Ortschaften des Banats. Das gewesene Schwabendorf liegt auf der Landstraße Temeschburg - Lippa zwischen Fibisch und Aliosch. Es befindet sich somit am Rande der Banater Hecke. Blumenthal ist nicht an das Eisenbahnnetz angeschlossen worden, da die Strecke einen Bogen um das Dorf macht. Der nächste Bahnhof befindet sich in Königshof.

Laut Gheorghe Drinovan soll Blumenthal schon seit 1332 dokumentarisch belegt sein, 1477 soll die Ortschaft zur Stadt erhoben worden sein. Laut demselben Autor soll aber schon 1561 die Ortschaft nicht mehr besiedelt gewesen sein. Im Jahre 1717 aber sollen hier schon wieder 14 Häuser gestanden haben. Laut Karl Kraushaar hatte man 1770-71 in Blumenthal die ersten 95 Kolonistenhäuser errichtet. 1770 wurde hier auch die Pfarrei gegründet, und ein Jahr später wurden die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. 1787 siedelte man hier wieder 16 deutsche Familien hier an. 1910 lebten schon 1.294 Deutsche im Dorf, die einen Anteil von über 92 Prozent an der Gesamtbevölkerung darstellten. Bis 1930 sank ihre Zahl auf 1.143, aber ihr Anteil stieg auf über 94 Prozent. Im November 1940 hatte die Deutsche Volksgruppe in diesem Schwabendorf 1.173 deutsche Volkszugehörige erfaßt.

Nach dem 2. Weltkrieg verminderte sich auch hier, wie im gesamten Banat die deutsche Bevölkerung. Trotzdem wurden in Blumenthal 1977 bei nur 976 Einwohnern noch immer 658 Deutsche gezählt. Dafür aber bekannten sich bei der Volkszählung vom Januar 1992 von den 836 Blumenthaler Einwohnern nur noch 33 Personen zum Deutschtum, den Rest der Bevölkerung bildeten 694 Rumänen, 19 Ungarn, 8 Zigeuner, 3 Serben und 79 Sonstige. Zwei Jahre zuvor gab es aber noch 32 „Neue Banater Zeitung"-Abonnenten. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Blumenthal lebten im Februar 1996 im einstigen rein deutschen Schwabendorf nur noch 19 Deutsche.

Daß die bei der letzten Volkszählung gesammelten Daten nicht so zuverlässig sind, wurde auch in Blumenthal bestätigt. Diesmal ist aber nicht so sehr die Zahl der Deutschen strittig zu betrachten, sondern die der Zigeuner. In der Tageszeitung „Timisoara" vom 18. März 1994 wurde über einen Konflikt berichtet, der zu jener Zeit zwischen dem damaligen Bürgermeister Aurel Mic und den Zigeunern des Dorfes ausgebrochen war. Auslöser der Unruhe war eine Äußerung des Bürgermeisters im Rahmen eines Interviews, das er einem Rundfunksender gab. Er äußerte darin seine Unzufriedenheit mit den Zigeunern aus Blumenthal, weil diese die ihnen zugeteilten Häuser der ausgewanderten Deutschen zerstören und weil die Zigeuner ihre Kinder nicht zum Lernen in die Schule schicken, sondern nur wegen des Kindergeldes. Diese Aussage empörte die Zigeuner so sehr, daß sie sich am Morgen des 16. März 1994 vor dem Bürgermeisteramt versammelten, um den Bürgermeister wegen seines „Rassenhasses" zur Verantwortung zu ziehen. Sie meinten, daß nicht alle Zigeuner ihre Wohnhäuser zerstören, und es gäbe auch Rumänen, die dasselbe tun, ohne gerügt zu werden. Was aber ihre Kinder betrifft, die sollen in der Schule nur die minimalsten Lese- und Schreibkenntnissen erwerben, da sie mehr nicht bräuchten.

Bemerkenswert an dieser Sache ist nur, daß bei der Volkszählung von 1992 sich nur 8 Zigeuner zu ihrer Volkszugehörigkeit bekannten, aber im Dorf tatsächlich über 40 Zigeunerfamilien lebten. Nach der Auswanderung der Deutschen, deren Häuser aufgrund des Dekrets Nr.223 praktisch verstaatlicht wurden, rief man Leute aus anderen Landesteilen ins Dorf, denen man etwa 100 deutsche Häuser zur Verfügung stellte. Unter diesen Zuwanderern befanden sich auch die Zigeunerfamilien, die nun für Unruhe im gewesenen Schwabendorf sorgen.

Über den jetzigen Zustand in der Blumenthaler Schule berichtete zweieinhalb Jahre später die Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 17. Dezember 1996. Die 1. bis 8. Klassen der Allgemeinschule werden in diesem Schuljahr von 135 Schülern besucht. Auffällig ist nur, daß von den 24 Lehrern, die hier unterrichten, nur vier für diesen Beruf ausgebildet sind. Aber auch von denen lehren nur zwei ihr Lehrfach. Den Rest bilden „Hilfslehrer", von denen einige nicht einmal das Abitur haben, geschweige eine pädagogische Ausbildung. Als Beispiel dafür wird die 27-jährige Elisabeta Sarchiz gegeben. Die Mutter von zwei Kindern, die im Nachbardorf Fibisch wohnt, ist Absolventin eines Temeschburger Industrielyzeums im Fachbereich Textilien.

Bis vor kurzem kannte man nur den Mangel an deutschen Lehrkräften, nun stellt es sich heraus, daß Rumänien nicht einmal über Lehrer für die Schulen des Staatsvolkes verfügt. Dieses Thema wird aber leider noch nicht in der Öffentlichkeit debattiert. Dazu kommt aber noch ein Blumenthaler Beispiel: Statt die Gelder, die der Bürgermeister für die Schulen seiner Gemeinde zugewiesen bekam, zweckmäßig zu verwenden, hatte man diese für andere Zwecken benützt. Nebenbei soll nur erwähnt werden, daß der Bürgermeister Ionel Seculi mit 893 Stimmen als Kandidat der Partei der Sozialen Demokratie Rumäniens (PDSR) im Juni 1996 in dieses Amt gewählt wurde.
 

Mai 1997                                                                                                              Anton Zollner