DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (109)
 B i r d a

Birda (auch amtlich und ungarisch so genannt) liegt im südlichsten Teil der Banater Heide, in der Nähe der Stadt Detta. Die Ortschaft wird von der Landstraße DN 58B Wojtek - Reschitz durchquert und ist auch an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Bis 19. November 1968 war Birda immer Gemeindesitz gewesen, danach ist es durch die damalige territorial-administrative Neugestaltung des Landes der Gemeinde Gataja eingegliedert worden.

Birda soll als rumänisches Dorf schon am Ende des 17. Jahrhunderts erwähnt worden sein. Laut Gheorghe Drinovan bestand die Siedlung 1717 aus 80 Häusern. Die Deutschen ließen sich hier erst ab 1793 durch Binnenwanderungen nieder. Laut Adam Schelken soll Adam Hörl der erste Deutsche gewesen sein, der damals in Birda eine neue Heimat fand. Die ersten Deutschen sind hauptsächlich aus Liebling hierher gezogen, danach kamen weitere Familien aus der Batschka (Kisker, Bulkes, Neu-Werbaß) und aus dem banater Franzfeld. Zuwanderungen von Deutschen fanden hier bis etwa 1912 statt.

1890 hatte Birda 1.082 Einwohner. Bis 1910 stieg die Zahl der Dorfbewohner auf 1.321, von denen 593 Deutsche waren, was einem Bevölkerungsanteil von fast 45 Prozent entsprach. Bis 1930 stieg ihr Anteil auf über 63 Prozent, da sich ihre Zahl auf 793 erhöhte. Im November 1940 ließen sich 809 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Nachdem die Deutschen bis zum Anfang des Zweiten Weltkriegs die Mehrheit der Bevölkerung bildeten, mußten sie nach dem Ende des Kriegs diesen Platz den Rumänen überlassen. 1977 hatte Birda 1.126 Einwohner, von denen nur noch 505 Deutsche waren. Den Rest bildeten 583 Rumänen, 20 Ungarn und 18 Sonstige. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den nur noch 1.032 Dorfbewohnern 51 Personen zum Deutschtum. Zugleich ist die Zahl der Rumänen auf 957 gestiegen, während die der Ungarn auf 10 und die der Sonstigen auf 14 gesunken ist. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Birda sind bis Februar 1995 noch 22 Deutsche im Heimatort verblieben.

Da die deutschen Zuwanderer hauptsächlich aus evangelischen Ortschaften kamen, bildeten sie auch im neuen Heimatort eine evangelische Kirchengemeinde. Ab 1839 war die Birdaer Kirchengemeinde eine Filiale der Klein-Schemlaker Pfarrei, eine kurze Zeit gehörte sie auch der Pfarrei aus Liebling an. Nach Adam Schelken soll als erster evangelischer Seelsorger der aus Chemnitz stammende Hilfsprediger Josef Szrenka am 26. Oktober 1851 sein Amt angetreten haben. Am 28. Oktober 1855 ist hier ein Bethaus eingeweiht worden. Die am 16. Januar 1870 geweihte Glocke fand im vor dem Bethaus errichteten Glockenstuhl ihren Platz. Die heutige Kirche ist von der Kirchengemeinde durch Spenden und mit Unterstützung der Grundherrschaft errichtet worden. Heinrich August Freiherr von Ukermann hat die Bauplätze für die Kirche und Schule kostenlos zur Verfügung gestellt. 1889 bestand die evangelische Kirchengemeinde aus 436 Mitgliedern, bis 1920 stieg ihre Zahl auf 713. Die wenigen katholischen Gläubigen bildeten eine Filiale der Dettaer Pfarrei.

Über das heutige Birda wird in der banater Presse fast nichts mehr berichtet. Die Zeiten, in denen die kommunistischen Medien ständig über die „sozialistischen Erfolge" der Birdaer „Werktätigen" berichteten, sind nun längst vorbei. Die 1970 gegründete Schweinemästerei, die jährlich bis zu 100.000 Zuchtschweine für den Export lieferte, wird auch nicht mehr erwähnt. Nur die Temeschburger rumänische Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) berichtete 1997 zweimal über den Verfall der einstigen schmucken banater Gemeinde.

Im Januar 1997 schilderte der Journalist Doru Macris den hoffnungslosen Zustand, in dem sich damals die Birdaer Schule befand. Bis zur Wende von 1989 wurden in diesem Gebäude die Schüler der Grundschulklassen 1 - 4 unterrichtet. Da aber die Instandhaltung der Schule lange Zeit vernachlässigt wurde, konnte ab 1990-91 hier kein Unterricht mehr stattfinden. Die Grundschulklassen mußten deswegen in die Räume der Allgemeinschule (5.- 8. Klassen) zusammengepfercht werden. Von da an begann dann auch der totale Verfall der einstigen Birdaer Schule. Sehr bald ist das Mobiliar der Schule gestohlen worden, danach folgten die Tür- und Fensterstöcke. Da das Gatajaer Bürgermeisteramt und die Polizei nichts gegen diese Plünderungen unternommen haben, verschwand bald auch die gesamte elektrische Installation, gefolgt von den Innenwänden, die als Ziegelsteine weggeschafft wurden. Als der genannte Journalist das Dorf besuchte, hatte man gerade auch mit dem Abtragen des Daches begonnen. Das Schulinspektorat des Kreises Temesch gehörte auch zu denen, die außer dem Zuschauen nichts Besseres zu unternehmen wußten. Jetzt weiß man nur noch, daß eine Instandsetzung des Schulgebäudes fünfmal teurer wäre, als eine Reparatur 1991 gekostet hätte. Keiner der Zuständigen ist jetzt bereit, die hohe Kosten zu tragen, da auf allen Ebenen der Verwaltung die Kassen leer sind. Daß aber die Behörden den Plünderungen gegenüber machtlos dastehen, ist für jeden Menschenverstand unbegreiflich.

In der zweiten Reportage, die im September 1997 in derselben Zeitung veröffentlicht wurde, ist ein Umweltproblem angesprochen worden. Schon seit vielen Jahren entsorgen Birdas Neubürger ihren Müll und alle ihre Abfälle am Rande der Landstraßen, die vom Ort ausgehen. Nach dem Bild, das die Reportage begleitet, könnte man meinen, daß man nicht die ertragreichen Felder der Banater Heide vor sich hat, sondern eine Mülldeponie. In der Reportage wurde auch darauf hingewiesen, daß die zuständigen Behörden auch in diesem Fall nichts gegen diese Umweltverschmutzung unternehmen und nur tatenlos zuschauen, wie man die eigenen Gesetze und Verordnungen mißachtet.

Februar 2000                                                                                                         Anton Zollner