DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (18)
 B e t h a u s e n

Bethausen (auch amtlich so; ung.: Bethlenháza) ist wie alle banat-schwäbische Dörfer von seiner perfekten Geometrie gekennzeichnet. Von allem, was ein banat-schwäbisches Dorf charakterisiert, sind hier nur die breiten Straßen und die schönen Häuser übrig geblieben. Hinzu kommt noch die originelle banat-schwäbische Benennung des Dorfes, die auch amtlich übernommen wurde. Die Banater Schwaben selbst, die 1930 mit 568 Seelen über 64 Prozent der Dorfbewohner ausmachten, kann man schon auf den Fingern abzählen. Zwar bekannten sich bei der Volkszählung vom 7. Januar 1992 in Bethausen 48 Personen zum Deutschtum, aber im Juni 1993 fand ein Reporter der rumänischen Zeitung „Timisoara" nur noch einige Alte dort. Angelica Farcas, die einzige weibliche Bürgermeisterin des Kreises Temesch, zählte sie auf: Anton Hames, Anna Sibla, Eva Feller, Rosalia Barth, Katharina Kloss und noch einige, deren Name ihr nicht einfiel.

Bei der vor kurzem durchgeführten Bodenverteilung bekam auch das Dutzend Deutsche einen winzigen Teil von dem, was einst hauptsächlich schwäbische Felder waren. Der Großteil der neuen Eigentümer schloß sich zu einer neuen landwirtschaftlichen Genossenschaft zusammen. Trotzdem gibt es unter den Dorfbewohnern viel Unzufriedenheit mit der Art und Weise, in der die Felder der gewesenen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) aufgeteilt wurden. Ansonsten wird auch hier wegen der Weiden gestritten. Was die Privatisierung betrifft, kann man außer fünf privaten Wirtshäusern und Kneipen kaum etwas vorweisen. Aber die Bürgermeisterin will bald mehr vorzeigen können. Sie hofft, daß in Bethausen bald ein „Universal"-Laden eröffnet werden kann, in dem man alles, von Hufeisen bis zum Farbfernseher kaufen kann. Ihr Hauptanliegen ist aber eine Tankstelle in der Ortschaft, da die nächste 20 km entfernt liegt.

Laut eines Berichts der Temeschburger Wochenschrift „Timisoara international" vom 12. März 1994 sind die Bauern der Gemeinde Bethausen in großer Besorgnis. Man will jetzt die hiesige Abteilung der Station für die Mechanisierung der Landwirtschaft (SMA = SML) auflösen. Diese „sozialistische Einheit" besaß einst über 30 Traktoren, heute sind aber davon nur noch acht geblieben. Die Leitung der SML (SMA) behauptet, daß die Abteilung in den letzten Jahren unrentabel gewesen sei. Die Traktoristen behaupten aber, daß sie seit Oktober 1993 einem „Embargo" ausgesetzt sind, da sie seitdem keine Ersatzteile und keinen Tropfen Treibstoff erhalten haben. Aus diesem Grund kann keiner von ihnen seinen Traktor verlassen, wenn er verhindern will, daß er bestohlen wird. Abteilungschef Grigore Bulgarescu erklärte, daß sich seine Leute wie in der Hölle fühlen, weil sie ihre Traktoren nicht nur schützen, sondern aus eigener Tasche auch reparieren und volltanken müssen. Wie sollen sie aber das weiten tun, wenn man ihnen seit August 1993 keinen Lohn gezahlt hat? Auch hier spricht sich herum, daß der einzige Ausweg die Privatisierung sei. Dies wollen nun die Traktoristen selbst durch den Ankauf des jetzigen Staatseigentums versuchen und somit die Bahnbrecher in dieser Branche werden.
 

April 1994                                                                                                               Anton Zollner
 
 

Wie lange werden unsere Kirchen noch im Dorf bleiben ?

Das in der Lugoscher Ebene liegende Bethausen (auch amtlich so; ung.: Bethlenháza) wird in der banat-schwäbischen Mundart auch Bethlenhaas genannt. Dies läßt zu erkennen, daß diese überwiegend deutsche Ortschaft nach dem ungarischen Politiker Graf Bethlen benannt werden sollte. Er soll es gewesen sein, der diese Ortschaft, die von allen Seiten von rumänischen Siedlungen umgeben ist, 1881 angesiedelt hat. Sorin V. Moldovan behauptete in der Tageszeitung „Timisoara" vom 8. Januar 1996, daß die ungarische Regierung Bethausen ursprünglich mit Ungarn ansiedeln wollte, damit diese rein rumänische Landschaft madjarisiert werde. Es sollte aber alles anders geschehen; Bethausen wurde durch eine Binnenwanderung von ärmeren Deutschen aus Zichydorf gegründet. Die ungarische Bevölkerung soll sich erst später hier niedergelassen haben, und zwar durch den Ankauf des Ackerbodens ärmerer Leute. Der ungarische Staat förderte diese Ansiedlung durch das Gewähren von billigen Krediten. Um ethnische und religiöse Konflikte zu vermeiden, durften sich hier bis 1900 nur Katholiken niederlassen. Die Rumänen kamen erst nach diesem Jahr aus dem Arader Komitat hierher.

Zu der amtlichen Benennung Bethausen kam das Dorf erst nach dem Anschluß des Banats an Rumänien, infolge des Streits, der zwischen den Deutschen und den Ungarn wegen der Namensgebung ausgebrochen ist. Die Ungarn wollten ihr Dorf weiter nach dem ungarischen Politiker benennen. Die Deutschen setzten sich damals ein, daß die ungarischen Ortsbenennungen Bethlenháza, Vecseháza, Csukas, Gyulatelep und Daruvár in Rumänien jetzt offiziell Bethausen, Westhausen, Ebendorf, Eichenthal und Kranichstätten heißen sollten. Da dem damaligen Lugoscher Subpräfekten Cornel Grofsorean für alle Fälle das deutsche Bethausen (vom Bethaus) harmloser vorkam als der Name eines ungarischen Politikers, gab er dem Wunsch der Deutschen nach. Die anderen Umbenennungen wurden jedoch nicht genehmigt.

Im Jahre 1910 lebten in Bethausen 605 Deutsche, die somit einen Bevölkerungsanteil von fast 60 Prozent stellten. 1940 zählte man hier aber nur noch 574 Personen deutscher Volkszugehörigkeit. Im selben Jahr lebten einige Deutsche auch in rumänischen Dörfern aus der Umgebung. In dem heute zur Gemeinde gehörende Dorf Leucusesti (ung.: Lökösfalva) wurden 10 Deutsche gezählt. In der Gemeinde Balinz (amtlich: Balint; ung.: Balinc) lebten in jenem Jahr auch einige Deutsche, im Gemeindezentrum selbst sogar 82, die einen Bevölkerungsanteil von etwa über 6 Prozent darstellten. In den zur Gemeinde gehörenden Dörfer Bodo (ung.: Nagybodófalva) und Târgoviste (Vásáros) gab es auch 15, bzw. 17 Deutsche. In den etwas weiter gelegenen rumänischen Dörfern Jupani (ung.: Zsuppány), Sudrias (ung.: Begaszederjes) und in dem entfernteren Ohaba Lunga (ung.: Hosszúszabadi) wurden damals 14, 10 und 48 Deutsche gezählt. Die letzteren bildeten in diesem Gemeindezentrum einen Bevölkerungsanteil von fast 10 Prozent. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich in diesen Ortschaften noch immer einige Personen zum Deutschtum: in der Gemeinde Bethausen - 51 (48 in Bethausen, 2 in Leucusesti und 1 in Cladova), in der Gemeinde Balinz - 5 (4 in Balinz und 1 in Bodo) und in Ohaba Lunga - 1.

In Bethausen zählte man aber auch 1977 noch immer 197 Deutsche unter den 865 Dorfbewohnern. Heute leben in der einstigen deutschen Ortschaft nur noch 23 Deutsche neben 646 Rumänen, 48 Ungarn, 15 Ukrainern und je einem Serben und einem Bulgaren, wie auch einigen Zigeunern.

Nach ihrer Konfession besteht die Dorfgemeinschaft aus 450 Orthodoxen, 70 Katholiken und 45 Pentikostalen und Adventisten. Den Rest bilden gewesene Orthodoxen, die in den Jahren 1990-93 zum Neoprotestantismus übergetreten sind und für die hier 1992 mit ausländischer Hilfe im Rahmen ihrer „Evangelisierung" ein neues Bethaus erbaut wurde. Außerdem gibt es in Bethausen eine größere Kirche der Katholiken und eine kleine Kapelle der Orthodoxen. Diese Kapelle war für jene Zeiten gedacht, in der die Rumänen zahlenmäßig im Dorf eine kleine Minderheit darstellten. Die durch die Aussiedlung der Deutschen entstandene Zuwanderung der Rumänen führte dazu, daß diese Kapelle für die orthodoxe Glaubensgemeinschaft zu eng wurde. Da in der Kapelle an den Gottesdiensten nicht mehr alle Gläubigen aufgenommen werden können, überlegte man die Errichtung einer orthodoxen Kirche. Dafür sind die nötigen Baupläne schon vorhanden, und das Grundstück ist auch schon genehmigt, aber es fehlen die finanziellen Mittel. Die Banater Mitropolie hatte inzwischen schon andere Prioritäten gesetzt, und die zugewanderten Rumänen sind nicht bereit, für die Kirche ihrer „neuen Heimat", mit der sie sich gar nicht verbunden fühlen, Geld zu spenden. In dieser Lage blieb den Orthodoxen keine andere Wahl mehr, als das gewesene Kulturheim, wo meist deutsche Veranstaltungen stattfanden, in eine orthodoxe „Kirche" umzubauen. Dies gelang aber nicht in vollem Maße, da der Altar nicht in Richtung Norden orientiert werden konnte, und da kein Turm vorhanden ist, mußten die zwei Glocken im Park aufgestellt werden.

Unter diesen Umständen haben die Orthodoxen nun immer weniger Verständnis dafür, daß sie als Mehrheitsbevölkerung Bethausens für die Ausübung ihres Glaubens über keine Kirche verfügen, währenddessen aber die katholische Kirche mit nur noch wenigen Gläubigen und einem Gottesdienst im Monat fast ständig leer dasteht. Dies veranlaßte nun viele von ihnen, die gemeinsame Benützung der katholischen Kirche zu beanspruchen. Der orthodoxe Pfarrer hält sich aus diesen öffentlichen Diskussionen zurück in der Hoffnung, daß dieses Problem von der Banater Mitropolie und von der Diözese des Temeschburger Bistums geregelt wird. Der Lugoscher katholische Stadtpfarrer Peter-Pal T., der neben den Katholiken aus Lugosch und Bethausen auch jene aus Darowa, Ebendorf, Giseladorf, Wetschehausen und Scaius seelsorgerisch betreut, ist kategorisch gegen diesen „Kirchenhandel". Er wünscht sich in keinem Fall, daß eine ähnliche Benutzung von katholischen Gotteshäusern auch in anderen gewesenen deutschen Dörfern Schule macht. Er besteht darauf, daß solche Unternehmungen erst hundert Jahre nach dem Tode des letzten Gläubigen der Pfarrei durchgeführt werden können. Daß dieser gute Wunsch des katholischen Pfarrers nicht auch zu verwirklichen ist, ist schon heute sicher anzunehmen.

Unterdessen wird die Kampagne der Orthodoxen weitergeführt, um wenigstens für eine bestimmte Zeit in die katholische Kirche einzuziehen. Diese Tendenz ist aber nicht nur in Bethausen vorhanden. Mit der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus dem Banat scheint auch, daß unsere Kirchen auf längere Sicht nicht im Dorf bleiben werden können.

Oktober 1996                                                                                                        Anton Zollner