DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (48)
 B e r s o w i a

Bersowia (amtlich: Berzovia; ung.: Zsidovin) gehört zwar noch zum Kreis Karasch-Severin, liegt aber schon am Rande der Banater (Gatajaer) Ebene. Dadurch ist die Ortschaft, die am Bersau-Fluß angesiedelt ist, von der hier betriebenen Landwirtschaft geprägt. Durch diese geographische Lage zwischen dem Banater Bergland und dem banat-schwäbischen Siedlungsgebiet, überwiegt in der Umgebung die rumänische Bevölkerung. Der Bevölkerungsanteil der Deutschen ist in Bersowia und in der Umgebung schon immer nur sehr gering gewesen. Die meisten Deutschen wurden hier 1940 gezählt, als ihre Zahl 169 betrug. 1930 lebten hier nur 122 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von etwa sieben Prozent stellten. Auch das benachbarte Dorf Gertenisch (amtlich: Ghertenis; ung.: Gertényes) kann nur als eine deutsche Streusiedlung betrachtet werden, da auch hier 1940 bei demselben Bevölkerungsanteil wie in Bersowia, nur 129 Deutsche gezählt wurden. In dem anderen zur Gemeinde gehörende Dorf Ramna (ung.: Rafna) lebten 1940 nur 26 Deutsche. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 2.327 Einwohnern Bersowias 76 Personen zum Deutschtum; der Rest bestand aus 1.778 Rumänen, 129 Slowaken, 70 Ungarn und 274 Sonstigen. Die katholischen Gläubigen erhielten ihr Gotteshaus erst im Jahre 1930.

In drei nacheinander folgenden Ausgaben, berichtete im Februar 1995 die Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) mit sehr optimistischen Tönen über angebliche Erfolge im Bereich der Kommunalwirtschaft. Schließlich kann der Leser erkennen, daß all diese positiven Einschätzungen nur ein Plädoyer für die Erhebung Bersowias zur Stadt darstellen sollten. Als ein „hartes Argument" für die baldige Verwirklichung dieses Vorhabens der Gemeindeverwaltung soll nun auch die kaum noch nachweisbare Existenz eines römischen „Castrums" eingesetzt werden.

Das durch die fehlende Lokalautonomie verursachte Loch in der Gemeindekasse will man nun wieder mit den altbekannten kommunistischen Methoden stopfen. Alle Pferde- und Kühebesitzer der Gemeinde sind verpflichtet worden, für jedes Tier drei Tage Frondienst zu leisten. Sogar Ziegenbesitzer müssen für 10 dieser Haustiere der Armen einen Tag „patriotischen Arbeitsdienst" verrichten. Jene, die diesen Dienst aus irgend einen Grund nicht abarbeiten können, müssen 2.200 Lei pro Tag in die Gemeindekasse fließen lassen.

Im staatlichen Landwirtschaftssektor der Gemeinde will man jetzt auch neue Wege gehen. Aus zwei Landwirtschaftlichen Staatsbetrieben (LSB = IAS) aus Bersowia und je einem aus Bokschan und aus Moritzfeld soll ein Mammutbetrieb entstehen, der dann diesen Wirtschaftsbereich in der Umgebung beherrschen soll. Als solcher soll dieser alle landwirtschaftliche Arbeitskräfte „aufsaugen" und „zum Wohle beider Seiten" tätig werden lassen.

Im April 1996 berichtete dieselbe Zeitung auch über einen 66-jährigen rumänischen Privatbauern, Rusalin Chincea, der in Bersowia nun nach amerikanischen Farmermethoden arbeiten möchte. Im Sozialismus will er gelernt haben, daß man Landwirtschaft nur auf großen Flächen günstig betreiben kann. Seine 10 Hektar Boden, in deren Besitz er durch das Bodengesetz gekommen ist, wollte er nur noch mechanisiert bearbeiten. Für den Kauf seines Traktors mußte er einen riskanten Kredit von der Bank aufnehmen. Nachdem er die Schulden mit Ach und Krach getilgt hatte, mußte er für die Anschaffung eines Mähdreschers die gesamte Ernte eines Jahre und seine Tiere aus dem Stall verkaufen. Nun hat der Mann in diesem Alter noch den Wunsch „Großbauer" zu werden, um zu beweisen, daß wo ein Wille ist, auch ein Weg zum ... „amerikanischen Farmer aus Bersowia" ist.

Über die Deutschen, die einst in Bersowia und in Gertenisch gelebt und geschafft haben, läßt die banater Presse kein Wörtchen mehr verlauten. Wahrscheinlich hat man sie in der alten Heimat schon längst vergessen. Die Hauptsache ist, daß ihr Boden und ihre Häuser im Dorf geblieben sind.

August 1996                                                                                                        Anton Zollner