DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (94)
 B a r a t z h a u s e n  und H o d o n

Sowohl Baratzhausen als auch Hodon liegen nordwestlich von Temeschburg auf der Banater Heide, und beide gehören zur Gemeinde Knees (amtlich: Satchinez; ung.: Temeskenéz). Laut Gheorghe Drinovan sind diese Ortschaften schon seit dem 15. Jahrhundert dokumentarisch belegt. Nach der Ansiedlung der Deutschen, die am Anfang dieses Jahrhunderts in jedem der beiden Dörfer einen Bevölkerungsanteil von über 40 Prozent hatten, bildeten diese je eine Filiale der katholischen Pfarrei aus Knees. Seit dem Jahre 1824 gehörten beide Filialen zur Mercydorfer Pfarrei.

Baratzhausen (heute Barateaz; ung.: Barácsháza), von den Banater Schwaben auch Berndjas genannt, liegt nördlich vom Gemeindesitz Knees, mit dem es über eine 9 km lange Straße verbunden ist. In einem guten Zustand befindet sich auch die Kreisstraße Sankt-Andres - Perjamosch, die die Ortschaft durchquert. Eine Bahnverbindung hat die Ortschaft auch, aber die Haltestelle befindet sich 3 km außerhalb des Dorfes. 1890 hatte Baratzhausen 919 Einwohner und war selbst Gemeindesitz; es gehörte zum Wingaer Distrikt und befand sich im Temescher Komitat. Seitdem ist die Einwohnerzahl ständig gesunken, 1992 lebten hier nur noch 584 Personen. 1910 bestand die hier lebende deutsche Bevölkerung aus 348 Personen, die einen Bevölkerungsanteil von über 42 Prozent hatten. Im November 1940 hatte man in diesem Dorf 371 deutsche Volkszugehörige registriert. Nach dem Krieg sank die Zahl der Deutschen ständig, so daß 1977 unter den 634 Dorfbewohnern nur noch 128 Deutsche waren, das entsprach einem Bevölkerungsanteil von 20 Prozent. Die rumänische Bevölkerung stieg bis dahin auf 483 Personen. Bei der Volkszählung von 1992 konnte man nur noch das Ende der deutschen Volksgemeinschaft feststellen. Unter den 584 Einwohnern des Dorfes befanden sich nur noch 5 Personen, die sich zum Deutschtum bekannten. Diese Zahl ist auch noch im Februar 1996 von der Heimatortsgemeinschaft Baratzhausen bestätigt worden. Die Bevölkerung bestand damals außer den 5 Deutschen aus 544 Rumänen, 13 Ungarn, 11 Zigeunern und 11 Sonstigen.

In dieser Lage soll man sich auch nicht wundern, daß die Deutschen aus Baratzhausen in der heutigen rumänischen Presse des Banats nicht mehr erwähnt werden. Ansonsten hatte die deutsche Presse des Banats in den letzten 15 Jahren auch nichts mehr über Baratzhausen zu berichten gehabt. Lediglich die Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) veröffentlichte in den Jahren 1996-97 einige Berichte, in denen das richtige Dorfbild des heutigen „Barateaz" geschildert wurde. Nachdem die Strukturen der „sozialistischen Landwirtschaft" nach dem Sturz Ceausescus zerfallen sind, versuchte die alte Nomenklatura alles zu tun, um für sich zu retten, was noch zu retten war. Zu diesen gehörte auch der Präses der hiesigen LPG Ilie Pepa, der auf der Struktur der „sozialistischen" LPG, den „marktwirtschaftlichen" Landwirtschaftsverein „Egreta" aufbaute. Zu dessen Vorsitzenden wurde selbstverständlich Pepa „geweiht". Im Besitz dieses Vereins befindet sich nun auch das mittelalterliche Kastell, das im 18. Jahrhundert wiedererrichtet wurde und dessen letzter Eigentümer Graf Mihály Méhész war. Die gewesene LPG kaufte das von der Sowjetarmee bzw. von der „Securitate" geräumte Kastell für die Bagatelle von 80.000 Lei. Wie es aber jetzt in den Besitz des von Pepa geleiteten Landwirtschaftsvereins kam, weiß niemand. Man weiß nur, daß das Kastell seit 1994 mit einem Wert von 13.665.957 Lei in den Registern des Vereins „Egreta" verbucht ist.

Verschachert wurde 1990 auch die Viehfarm der Baratzhausener LPG an einen Syrer namens Mohamed Abdul für nur 4,7 Millionen Lei, ein Betrag, der weit unter dem wirklichen Wert der Farm lag. Man wollte damals, als im „post- revolutionären" Rumänien das Chaos herrschte, so schnell wie möglich die Farm verkaufen und den Gewinn unter den LPG-Mitgliedern aufteilen. Seitdem ist die Farm aber schon noch zweimal verkauft worden, ohne daß dies den Behörden zur Kenntnis gebracht worden wäre. Demzufolge hatte das Finanzamt nicht nur keine Steuern kassiert, sondern es wurde gar keine Buchhaltung geführt. In der Farm kann man gewöhnlich außer einigen schlecht bezahlten rumänischen Tagelöhnern und ihrem Vorarbeiter keine verantwortliche Person antreffen. Die Viehfarm ist schnellstens auf Schafzucht umprofiliert worden, aber ohne die entsprechenden Bedingungen zu haben. Weiden sind in der Nähe nicht vorhanden, und darum werden die Tiere bis zu ihrem Abtransport in Richtung Constanza in geschlossenen Räumen gehalten. Da dies gegen die Natur der Schafe ist, verendet ein großer Teil des Viehbestandes unter allerschlimmsten Qualen. Die kranken und verletzten Schafe werden nicht behandelt und auch nicht eingeschläfert, sondern sie müssen nach islamischem Brauch qualvoll verhungern. Die so getöteten Tiere werden dann in einem improvisierten Krematorium verbrannt, und ihre Asche wird vergraben. Die Dorfbewohner von Baratzhausen sind wegen dieser für das Banat unvorstellbaren Mißstände, sehr empört. Man weiß, das all dies der überall im Lande herrschenden Korruption zu verdanken ist, aber ebenso weiß man auch, daß diese syrische Firma als ein Staat im (rumänischen) Staat noch für lange Zeit erhalten bleiben wird.

Gar nicht leicht ist in Baratzhausen die Lage jener Dorfbewohnern, die durch das Bodengesetz in den Besitz von von 6 bis 10 Hektar Ackerboden kamen und sich weigerten in den neuen „Ceapeu" (LPG) des gewesenen LPG-Vorsitzenden einzutreten. 70 Prozent dieser Einzelbauern bearbeiten nur etwa einen Drittel ihres Bodens und erzeugen auf diesem nur die Menge landwirtschaftlicher Produkte, die sie für ihren Eigenbedarf benötigen. Der Rest der Ackerfelder liegt brach und unproduktiv da. Man hat nun den so sehr ersehnten Boden, nicht aber auch die nötigen Landwirtschaftsmaschinen oder Zugtiere und noch weniger die Arbeitslust. Diese Bauern wünschten sich einen Unternehmer, dem sie ihre Felder verpachten könnten, um so ohne besonderen Fleiß und Schweiß, wenigstens einen Teil der Ernte einfahren zu können. Dieser Mann läßt seit Jahren auf sich warten; Banater Schwaben, die das getan hätten, gibt es in Baratzhausen nicht mehr.

Daß man mit Fleiß doch etwas erreichen kann, hatte im vorigen Jahr ein Direktor der Temeschburger Gefügelzüchterei „Avicola" bewiesen. Petru Arnautu, ein ausgebildeter Tierarzt, richtete im Juni 1997 in einem leerstehenden Haus eine private Hühnerfarm ein. Diese war so erfolgreich, daß laut Aussagen des „Farmers" dieser seinen Startkredit in Höhe von fünf Millionen Lei nach nur zwei Monaten (!) tilgen konnte. Anfangs kaufte er 300 Stück Tagesküken, die nach nur 42 Tagen ein Gewicht von je 1,600 kg hatten, und die ihm täglich 250 Eier legten. Bald danach konnte er einen monatlichen Nettogewinn in Höhe von drei Millionen Lei verbuchen. Anfangs funktionierte die Farm als „Ein-Mann-Betrieb", in der der Tierarzt seine bis zu 1.000 Hühner selbst pflegte. Er bereitete das Futter nach eigenen Rezepten zu, impfte das Geflügel und führte Vitaminkuren durch, genau so, wie dies in den Fachbüchern steht.

Hodon (amtlich: Hodoni; ung.: Hodony) liegt südöstlich vom Gemeindesitz Knees an der Kreisstraße Sankt-Andres - Hodon - Knees - Wariasch und hat einen Bahnhof auf der Bahnstrecke, die parallel zur Kreisstraße verläuft. Wegen des besonders schlechten Zustands der Kreisstraße - befahrbar ist nur die Teilstrecke Hodon - Knees - gibt es hier keinen öffentlichen Busverkehr. Aber auch sonst ist Hodon „ein Dorf, das viele Schwierigkeiten hat", wie die Zeitung „Renasterea banateana" vom 9. Mai 1996 die Ortschaft bezeichnete.

1717 bestand die Siedlung noch aus 15 Häusern, aber 1890 hatte Hodon schon 1.600 Einwohner. 1910 stellten die 576 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von über 43 Prozent, der bis 1930 auf fast 50 Prozent angestiegen ist. 1940 hatte man hier 620 Personen deutscher Volkszugehörigkeit registriert. Bei der Volkszählung von 1977 stellten die 184 Deutschen nur noch einen Bevölkerungsanteil von 15 Prozent. Damit begann damals auch hier das Deutschtum seinem Ende entgegen zu gehen. Dies bestätigte sich auch tatsächlich im Januar 1992, als von den 1.108 Einwohnern des Dorfes sich nur noch 27 Personen zum Deutschtum bekannten.

Vor zwei Jahren lebten in Hodon 400 Familien, die mit wenigen Ausnahmen alle rumänisch waren. Da die große Mehrheit der Jugend schon vor 1989 in die Städte gezogen ist, gehören die meisten Hodoner zur dritten Generation. Die Dorfstraßen sind verwüstet, daß man meinen könnte, es habe hier ein Krieg stattgefunden. Um die Straßen, die alle nicht mit Stein oder Schotter belegt sind, wieder befahrbar zu machen, hatte sie ein Traktorbesitzer auf seine Kosten begradigt. Das 1986 in Betrieb gegangene Trinkwassernetz ist zusammengebrochen und wurde deswegen stillgelegt. Brot ist hier seit 1990 nicht mehr gebacken worden. Die an eine Privatperson verpachtete Bäckerei hatte in kürzester Zeit Pleite gemacht und ist seitdem außer Betrieb. Auch das Telefonnetz war 1996 in einem so schlechten Zustand, daß die 30 Fernsprechgeräte mehr „ruhten" als sie funktionierten. Erst in letzter Zeit ist hier eine neue automatische Telefonzentrale mit 40 Anschlüsse in Betrieb gesetzt worden. Sie verfügt über zwei Fernleitungen mit der Telefonzentrale aus Knees, ohne aber auch Zugang zum automatischen Fernleitungsnetz zu haben. Zur gleichen Zeit gab es in Hodon eine ganze Menge von „Boutiquen", die meisten führten aber Süßigkeiten, Zigaretten und alkoholische Getränke. Für ein Kleidungsstück, ein paar Schuhe oder für Haushaltsartikel mußten die Dorfbewohner in die Kreisstadt fahren.

Trotz dieser hoffnungslosen Lage, versuchen einige Optimisten immer wieder mit Initiative und Fleiß, etwas an ihrem Los zu ändern. Dies versuchte vor einiger Zeit auch der Arbeitslose Ioan Beltechi. Nachdem er seine Stelle als Elektriker beim staatlichen Betrieb „Comtim" verloren hatte, gründete er mit anderen Bauern aus Hodon einen landwirtschaftlichen Verein. Die Dürre und der Hagel, der im Sommer 1996 über die Gegend fiel, ließen von der Ernte nur wenig übrig. Die schlechte Ernte, die hohen Zinsen, die für die Kredite zu zahlen waren, und die vom Staat diktierten niedrigen Aufkaufspreise der Agrarprodukte, führten zur Pleite des Vereins. Der 39-Jährige hatte aber eine Frau und vier Kinder zu ernähren, und deswegen hatte er den Mut, einen neuen Versuch zu machen. Beltechi gründete diesmal mit anderen Gleichgesinnten eine landwirtschaftliche Gesellschaft, die aber eventuelle Verluste in der Landwirtschaft mit dem Gewinn aus anderen Tätigkeiten ausgleichen sollte. Neben der Bestellung seiner sieben Hektar Ackerboden und dem Boden seiner Partnern, pachtete er noch fremden Boden bis zu 60 Hektar, damit die Leistungskapazität der Gesellschaft voll ausgelastet sein solle. Als Nebentätigkeit richtete er auch einen Dienstleistungssektor ein, der verschiedene landwirtschaftliche Arbeiten für Dritte verrichtete. Da die Bezahlung dieser Tätigkeit nach dem Volumen der durchgeführten Arbeiten geschah, sicherte er so ein Einkommen, der unabhängig von der zukünftigen Ernte war.

Wie man nun aus der banater Presse leicht erkennen kann, haben die Dezemberereignisse von 1989 den Menschen und besonders jenen vom Lande kaum bessere Zeiten gebracht. Bei einer genaueren Betrachtung kann man leider sogar das Gegenteil behaupten.

Oktober 1998                                                                                                Anton Zollner