DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (67)
 B a k o w a

Bakowa (amtlich: Bacova; ung.: Bakóvár) liegt auf der Landstraße Lugosch - Busiasch -Temeschburg, am Rande der Busiascher Heckenlandschaft und gehört somit zum bekannten Busiascher Weinbaugebiet. Über die Zeit der Ansiedlung gibt es widersprüchliche Angaben, man kann aber annehmen, daß dies 1786 geschah (Karl Kraushaar, Franz Schramm). Ein Jahr später sollen hier laut Kraushaar 140 Häuser für deutsche Kolonisten gestanden haben. Den Ortsnamen Bachóvár erhielt das Schwabendorf nach dem damaligen Obergespan des Komitates Krassó (Karasch) Johann von Bachó. Den Beinamen „vár" (Burg) hat Bakowa wahrscheinlich dem Wehrbau aus seiner Nähe zu verdanken, der in der Türkenzeit noch existiert haben soll und der auch auf dem ersten Gemeindesiegel abgebildet gewesen war.

Die ersten deutschen Kolonisten kamen zumeist aus der Pfalz, aus Hessen, aus dem Rheinland, aber auch aus Bayern, Elsaß und Lothringen. Infolge weiterer Zuwanderungen mußte das Dorf schon 1803 und 1808 erweitert werden. 1835 konnten schon über 250 Häuser gezählt werden, zu den späteren Zuwanderern gehörten auch Ungarn, Böhmen Tschechen u.a. 1859 befanden sich unter den 1.646 Einwohnern Bakowas 1.184 Deutsche, 148 Ungarn, 33 „Romanen", 2 Serben und 279 „Slawen" (darunter verstand man wahrscheinlich Böhmen, Tschechen und vielleicht auch Slowaken). Wie heutige Familiennamen vermuten lassen, ließen sich die letzteren bald eindeutschen, da sich laut Dr. Szentklárai schon im Jahre 1898 von den 2.046 Einwohnern Bakowas 2.030 zum Deutschtum bekannten. Damit ist Bakowa spätestens in jenem Jahr zu einem „reinen" Schwabendorf geworden. Bis 1910 sank die Zahl der Deutschen auf 1.895, um dann bis 1940 auf 2.167 Personen zu steigen. Mit der Zahl der deutschen Volkszugehörigen stieg auch ihr Bevölkerungsanteil von 93 Prozent (1910) auf etwa 97 Prozent im November 1940. Nach dem 2. Weltkrieg sank auch in Bakowa die Zahl der Deutschen ständig; 1977 bekannten sich aber noch immer 1.433 Personen von den 1.712 Einwohnern zum Deutschtum. Im selben Jahr lebten im einstigen Schwabendorf auch 227 Rumänen, 28 Ungarn und 22 Zigeuner. Im März 1990 gab es im Dorf noch immer viele Leser der rumäniendeutschen Presse; 103 Familien hatten damals die „Neue Banater Zeitung" (NBZ) abonniert. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 konnte man aber auch in Bakowa das nahe Ende der hiesigen deutschen Volksgemeinschaft vermuten. Von den 1.424 Einwohnern des Dorfes bekannten sich nur noch 241 Personen zum Deutschtum, dafür stieg die Zahl der Rumänen auf 1.046. Aber trotz der massiven Auswanderungen lebten im Februar 1996 noch immer 162 deutsche Personen im einst banat-schwäbischen Heimatort.

Schon im Ansiedlungsjahr Bakowas (1786) wurde im Dorf eine katholische Pfarrei gegründet, zugleich wurden auch die Kirchenmatrikelbücher eingeführt. Sowohl die sofortige Einrichtung einer Pfarrei, als auch die sofortige Aufnahme des lokalen Schulbetriebs ist dem glücklichen Zufall zu verdanken, daß sich unter den ersten Kolonisten auch ein Pfarrer und ein Lehrer befand. Die erste Kirche ist hier von der Wiener Hofkammer erbaut worden, die 1825 eingeweiht wurde. Als Folge eines Blitzschlags mußte sie aber schon 1860 abgetragen werden. 1865 begann man mit dem Bau der heutigen neugotischen Kirche, die nach zwei Jahren vom Bischof Alexander Bonnaz geweiht wurde.

Trotz der niedrigen Zahl (162) der noch hier lebenden Deutschen könnte man beim Durchblättern der einzigen deutschen Zeitung Rumäniens, der "Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien" (ADZ), den Eindruck gewinnen, daß Bakowa zum Mittelpunkt des banater Restdeutschtums geworden ist. Dazu trägt wahrscheinlich auch die Tatsache bei, daß hier mit Deutschlands Hilfe eines der drei banater Altenheime eingerichtet wurde. Dadurch sind nun auch Voraussetzungen für die volkstümlicher Veranstaltungen geschaffen worden. Zu diesen gehört hauptsächlich die jährlich mit großem Aufwand veranstaltete Kirchweih. Dagegen ist auch nichts einzuwenden, wenn diese nicht nur dem Zweck dienen würde, den falschen „Wir sind noch da!"-Eindruck zu vermitteln. Daß wir nicht mehr da sind, beweist schon die Hautfarbe der Trachtenträger, aber auch die der meisten Zuschauer. Dies erkennt man auch aus der Fotoserie, die die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" (ADZ) am 30. Oktober 1996 veröffentlichte. Die Namen der „Kerweihbuwe un -madle" bestätigen nur noch diese Feststellung. Aber wie anders könnte man aus den Reihen der 162 meist alten Deutschen 34 Kirchweihpaare herzaubern? Neu für „unsere" Kirchweih ist auch, daß nach der vom katholischen Ortspfarrer Mates Dirschl unternommenen Segnung des Kirchweihstrausses, die Kirchweihpaare sich auch in die orthodoxe Kirche begaben, wo sie vom orthodoxen Pfarrer gesegnet wurden. Den Nagel auf den Kopf traf aber am besten Helmut Weinschrott, der Vorsitzende des DFD Bakowa, in seiner Begrüßungsrede: „Soviel Jugend verschiedener Nationen und Religionen, bereit die Tradition zu erhalten, läßt uns hoffnungsvoll in die Zukunft blicken" (ADZ vom 22. Oktober 1996). Neben dem äußerst wichtigen Altersheim, der eigentlichen wahren Hilfe für die in der alten Heimat verbliebenen Banater Schwaben, muß auch die vom Temeschburger Bistum hier eingerichtete Caritas-Filiale erwähnt werden, die ihr Bestes für die in Not geratenen Menschen tut. Daß der Alltag in Bakowa nicht so glänzend ist, wie dies eine „auspolierte" und für uns fremde Kirchweih vortäuschen will, beweist die Eröffnung einer „sozialen Mikrokantine", in der 30 der ärmsten Schüler der hiesigen (rumänischen) Allgemeinschule einmal am Tag verköstigt werden. Die seit Februar 1997 funktionierende „Mikrokantine" ist vom Caritas- Verband mit der Unterstützung mehrerer Firmen und Ämter eingerichtet worden. Betreut wird die „Mikrokantine" von der Bakowaer Caritas, deren Direktor Pfarrer Dirschl ist. Die nötigen Lebensmittel werden von der Berchtesgadener Arbeitsgemeinschaft gesponsert („Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 12.02.97 und ADZ vom 19.02.97). Die Bakowaer leisten aber nicht nur für die Armen ihres Dorfes Hilfe, sondern auch für die Alten aus Nadrag. Wie die Tageszeitung „Renasterea banateana" vom 13.01.97 berichtet, führte die Bakowaer Firma „Martinus" GmbH in Nadrag nicht nur verschiedene Dienstleistungen für alte Leute durch, sondern sie unternahm auch karitative Tätigkeiten. Sie schenkte dem Nadrager Ambulatorium viele Medikamente, die sie als Hilfslieferungen aus dem Ausland erhalten hat und führte auch medizinische ambulante Behandlungen der Alten und Kranken aus Nadrag durch.

Über den Alltag der Bakowaer Neubürger berichten die Temeschburger rumänischen Zeitungen „Timisoara" und „Renasterea banateana" laufend. So konnte man im Dezember 1994 in der „Timisoara" über die Verhaftung des Bakowaer „Kommandos" erfahren. Das „Kommando" bestand aus sieben rumänischen Jugendlichen im Alter von 16 bis 20 Jahren, von denen die meisten ihren Wohnsitz in Bakowa hatten (Hausnummern 82, 173, 526, 531). Nachts brachen sie in Privatwohnungen ein, von wo sie die verschiedensten Sachen entwendeten; dazu gehörten Goldschmuck, Gemälde und Geld, aber auch Schwarzweißfernseher, Butangasbehälter und sogar eine ... Kommode.

Im Februar 1995 berichtete dieselbe Zeitung über die Zwangsauflösung der Viehfarm „Comtim", die ab dem 1. März 1995 wegen der von ihr verursachten Umweltverschmutzung geschlossen werden sollte. Zu jener Zeit gab es hier 10 ha Boden, die von Auswurfstoffen verunreinigt waren und für deren Sanierung noch kein Konzept vorlag.

Schließlich berichtet die „Renasterea banateana" der Jahre 1996 und 1997 über die Streitsucht der Neubürger Bakowas, wie auch über ihren gegenseitigen Haß, der sie fast ständig bewegt. Als das beste Beispiel dafür kann der Streit zweier Nachbarn zitiert werden, die in den Häusern mit den Nummern 364 und 365 leben. Im Haus mit der Nummer 364 richtete der Temeschburger Ionel Constantin einen Gatter ein, ein Unternehmen, gegen das sich sein Nachbar Victor Poclitar mit allen Mitteln einsetzte. Nachdem der Unternehmer alle Genehmigungen erhalten hat, klagt nun sein aus der Moldau zugewanderter Widersacher auf allen Ebenen gegen die Lärmbelästigung, die ihn mit einem Pegel von etwa 50 dB erreicht. Der Beschwerdeträger verliert aber langsam seine Chance, nachdem er sich auch gegen das Glockengeläut der katholischen Kirche beschwert haben soll.

In der ersten Nachricht dieses Jahres wird sogar über einen Mordfall berichtet. Das Opfer, der 31-jährige Danut Serban, ist in einem Brunnen am Rande des Dorfes von einem Hirten gefunden worden. Zwar fand man keine Zeichen von äußerer Gewaltanwendung, aber während der Untersuchung erfuhr man, daß das Opfer drei Tage vor seinem Verschwinden, seine Konkubine bei einem anderen Neubürger suchte, und daß es dabei auch zu Handgreiflichkeiten gekommen war.

Die letzte Nachricht aus Bakowa stammt aus dem Monat März dieses Jahres und bezieht sich auf einen Brand, der im Garten des Hauses mit der Nummer 455 ausgebrochen ist. Dem Feuer fielen, trotz aller Bemühungen der Bakowaer Freiwilligen Feuerwehr und der Busiascher Feuerwehrkompanie, fünf Tonnen Heu zum Opfer. Die Untersuchungen ergaben schließlich, daß das Feuer durch Brandstiftung entstanden ist.

Aus all diesen Fakten ist zu erkennen, daß das einst so friedliche Zusammenleben der deutschen Volksgemeinschaft von einem Dorfleben eingenommen wurde, das nur noch von Zwistigkeiten und Haßausbrüchen gekennzeichnet ist.

Juli 1997                                                                                                                       Anton Zollner