DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (88)
 A u r e l h e i m

Aurelheim (heute: Rauti; ung.: Aurelháza) befindet sich auf der Banater Heide nur einige Kilometer von Neuburg an der Bega / Uiwar entfernt. Gheorghe Drinovan fand in den von ihm durchsuchten Nachschlagewerken die ersten Angaben über Aurelheim erst für das Jahr 1890, als die Ortschaft mit 1.123 Einwohnern Gemeindesitz war. Nach Karl Kraushaar soll Aurelheim mit anderen 18 Ortschaften zwischen 1840 und 1847 zwecks Tabakbau angesiedelt worden sein.

Im Jahre 1910 lebten hier 448 Deutsche, die einen Bevölkerungsanteil von fast 40 Prozent hatten. Von da an sank die Zahl der Deutschen und ihr Anteil an der Einwohnerzahl ständig. Im November 1940 wurden in Aurelheim nur noch 349 Deutsche registriert. 1966 hatte das Dorf insgesamt noch 858 Einwohner, aber über ihre nationale Zusammensetzung konnte ich nichts Näheres erfahren. 1977 mußte Aurelheim schon zu jenen Ortschaften gehört haben, in denen die Zahl der Deutschen die hundert nicht mehr erreichte. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten nur noch 13 Personen zum Deutschtum. Sie lebten hier mit 283 Rumänen und 224 Ungarn. Laut eines Berichts aus der Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 13. Februar 1997 sollen damals in Aurelheim noch drei Personen deutscher Volkszugehörigkeit gelebt haben. Damit kann auch in dieser Ortschaft das Deutschtum als aufgelöst betrachtet werden.

Über das Aurelheim unserer Tage ist aus der rumänischen Presse des Banats zu erfahren, daß es Ende 1993 im Dorf zwei oder drei Fernsprechgeräte gab, dafür aber die Straße zum Gemeindesitz Neuburg an der Bega / Uiwar nur sehr schlecht befahrbar war. Im Februar 1997 verkündete man die frohe Nachricht, daß diese Straße die erste Kommunalstraße der Gemeinde war, die wieder instandgesetzt wurde.

Ebenfalls Anfang 1997 sind in der Temeschburger Zeitung „Renasterea banateana" weitere vier Reportagen erschienen, in denen über Aurelheim berichtet wird. Darin ist aus dem Bereich der Landwirtschaft zu erfahren, daß für das 1.150 Hektar große Ackerland des Dorfes, das laut Bodenfondgesetz der Bevölkerung Aurelheims seinerzeit verteilt wurde, nur 135 Besitzurkunden von insgesamt 270 ausgehändigt wurden. Dies ist aber hier als ein „Erfolg" einzustufen, nachdem in den Dörfern Pustinisch und Otelek noch kein Bauer seine Besitzurkunde vom Uiwarer Bürgermeisteramt erhalten hat.

In einer weiteren Reportage wurde berichtet, daß der gewesene Agronom des Dorfes, Eugen Varga, nach dem Zusammenbruch der sozialistischen Landwirtschaft nicht wie seine Berufsgenossen Aurelheim verlassen hat, sondern mit seinen zwei Söhnen Eugen und Siegfried einen Landwirtschaftsverein gründete. Der erstere fing schon 1991 an, die Landwirtschaft unter der Leitung seines Vaters zu praktizieren. Siegfried Varga begann zur gleichen Zeit das Studium der Agronomiewissenschaft auf der Temeschburger Hochschule, um die Familientradition fortsetzen zu können. Im vorigen Jahr bearbeiteten sie mit ihren Mitarbeitern aus den Reihen der Bauern des Dorfes 250 Hektar Ackerland, von den 1.150 ha, die zur Ortschaft gehören. Aus dem erarbeiteten Gewinn gelang es ihnen sogar, zwei Traktoren, einen Mähdrescher und weitere landwirtschaftliche Geräte zu kaufen. Um das Einkommen des Vereins zu steigern, richteten die Vargas eine Minifarm mit 5 Milchkühen, 4 Kälbern, 10 Säuen und 50 Mastschweinen ein. Ansonsten ist dieser Landwirtschaftsverein die einzige größere Arbeitsstätte im Ort, wo ein Teil der Dorfbewohner ihr Brot verdienen können.

In einer weiteren Reportage beschrieb der Journalist Claudiu Aldea den prekären Zustand, in dem sich das 200 Jahre alte Gebäude der Grundschule befindet. Der Bau entspricht auch heute noch dem Zweck, für den er bestimmt war, aber wegen der leeren Gemeindekasse können die großräumigen Klassenzimmer nicht ausreichend beheizt werden. Deswegen müssen etwa je ein Dutzend Kleinschüler mit ihrer Lehrerinnen in ihren Wintermäntel und mit Mützen am Kopf beim Unterricht in der Kälte ausharren. Aber auch sonst ist die Ausstattung der Schule auf keinen Fall zufriedenstellend. In der vor drei Jahren eingerichteten Kanzlei, in der sich die drei Lehrkräfte aufhalten, gab es vor einem Jahr nicht einmal Stühle zum Sitzen. Stattdessen gab es nur eine einfache Holzbank. Über eine Schulbibliothek verfügte die Schule Anfang 1997 auch nicht, von sonstigem Lehrmaterial konnte man gar nicht sprechen, weil man von so etwas in dieser Schule keine Ahnung hatte. Die Schüler der Gymnasialstufe müssen ab der 5. Klasse täglich in die etwa 5 Kilometer entfernte Allgemeinschule aus dem Gemeindezentrum Neuburg an der Bega / Uiwar zu Fuß gehen. Ein Verkehrsmittel, das die Schüler wenigstens im Winter bis zur Schule und zurück bringen könnte, gibt es nicht.

Da nun auch in Aurelheim die Rumänen die Mehrheit der Bevölkerung bilden, haben sie dem Beispiel ihrer Volksgenossen aus dem Gemeindezentrum Neuburg an der Bega gefolgt und mit dem Bau eines orthodoxen Gotteshauses begonnen. Da sie aber zu diesem Zweck kaum finanzielle Unterstützungen erhalten, ist sowohl die Größe der Kirche als auch die Bauzeit dem besonders kleinen Einkommen der „Neubürger" Aurelheims angepaßt.

Juni 1998                                                                                                              Anton Zollner