DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (31)
A  n  i  n  a

Anina, das 1952 durch die Eingemeindung Steierdorfs zur Stadt erklärt wurde, liegt mitten im Semenik-Gebirge, also im Banater Bergland. Anina entstand eigentlich am 24. Juni 1773, als durch die Ansiedlung von 34 Holzschlägern und Köhlern mit ihren Familien aus der Steiermark die Waldarbeiterkolonie Steierdorf gegründet wurde. Sie sollten von hier aus den Holzkohlebedarf der Hütten von Orawitz und Tschiklowa decken. An der Stelle, wo der Orawitzer Kaplan ihnen die erste hl. Messe gelesen hat, errichteten sich die Steierdorfer laut Karl Ludwig Lupsiasca die erste Kirche aus Holz. Die Pfarrei wurde hier schon 1774 errichtet. Anstelle der hölzernen Kirche errichtete das Ärar 1786 neben einer neuen Kirche auch eine Schule. Die heutige Steierdorfer Kirche ist 1873 der „Allerheiligsten Dreifaltigkeit“ geweiht worden.

1790 entdeckte Mathias Hammer in den Steierdorfer Wäldern die Steinkohle, mit deren Förderung 1792 begonnen wurde. Durch den Ausbau der Kohlenförderung wurden im Jahre 1846  58 Häuer mit ihren Familien aus Böhmen, aus der Zips und aus der Steiermark nach Steierdorf geholt. 1851 kamen weitere 32 Bergleute mit ihren Familien hinzu.

1858 wurde auf dem Gebiet des heutigen Aninaer Stadtteils mit dem Bau der Aninaer Eisenhütte begonnen, und ein Jahr später wurde die Siedlung mit der Benennung Steierdorf-Anina zur Gemeinde erhoben. Im selben Jahr zählte man im Ort laut Georg Hromadka 2.991 Einwohner, nachdem weitere 112 Hüttenarbeiter aus Böhmen und 35 aus Sachsen mit ihren Familien hier eingetroffen sind. 1862 ließen sich dann noch weitere 1.218 Siedler nieder. 1888 ist laut J. E. Tigla in Anina die Pfarrei  gegründet und 1901 die Kirche dem „Allerheiligsten Herz Jesu“ geweiht worden. Seit 1929 gibt es auch in der Steierdorfer Siedlung Sigismund eine katholische Kirche.

1910 zählte man in Steierdorf-Anina 8.837 Deutsche, die damals einen Bevölkerungsanteil von fast 72 Prozent hatten. Zwanzig Jahre später sank die Einwohnerzahl dieser Gemeinde um etwa 18 Prozent, aber zugleich sank auch der Bevölkerungsanteil der Deutschen auf über 55 Prozent, was in Ziffern 5.562 Personen bedeutete. 1940 stieg die Zahl der Deutschen wieder auf 7.110.

Nach dem 2. Weltkrieg entwickelten sich Anina und Steierdorf zu zwei selbstständigen Gemeinden, um dann 1952 zusammen die Stadt Anina zu bilden. Bei der Volkszählung von 1977 zählte man in der Stadt bei 11.478 Einwohnern (7.311 in Anina und 4.167 in Steierdorf) nur noch 2.125 Deutsche (622 bzw. 1.503). Trotz einer Meldung der Tageszeitung „Timisoara" vom 9. Februar 1995, wonach nach 1980 die Mehrheit der Deutschen Anina in Richtung Deutschland verlassen hätte, bekannten sich hier bei der Volkszählung vom 7. Januar 1992 noch immer 1.432 Personen zum Deutschtum (579 in Anina und 853 in Steierdorf). Damit hätten die Deutschen noch immer einen Anteil von über 12 Prozent von den 11.329 Aninaern, von denen damals 9.381 Rumänen, 240 Ungarn, 77 Zigeuner, 47 Serben und 152 anderer Nationalität waren. Dieser 12-prozentige Bevölkerungsanteil kam aber bei der diesjährigen Steierforfer Kirchweih nicht überzeugend zum Vorschein.

Über das „Glück", das Anina in der „goldenen Epoche" zukommen sollte und über die Misere, die heute dort herrscht, berichtete die Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) vom 31.01.1995 und vom 11.02.1995. Das „Glück" Aninas und seiner Bewohner sollte das in der Nähe errichtete Wärmekraftwerk von Crivina sein, mit dessen Bau 1977 begonnen wurde. Da es mit Ölschiefer betrieben werden sollte, und da für die damaligen Behörden der Umweltschutz noch ein Fremdwort war, sollte der Stadtteil Anina auf das Plateau „Colonovat" umgesiedelt werden, weil seine Bewohner sonst wegen der Luftverschmutzung keine Überlebenschancen gehabt hätten. Hier wurde schon 1977 mit der Errichtung des Wohnviertels „Orasul Nou" (Neustadt) begonnen. Diese „Neustadt" bietet sich heute dem Besucher als eine Geisterstadt. Die meisten der „modernen" Wohnungen der schachtelförmigen Wohnsilos stehen heute leer, nachdem ihre Einrichtungen geplündert wurden. Die Wohnblocks, die im Dezember 1989 noch nicht fertig waren, stehen heute nach fünf Jahren in einem Zustand, in dem sie sich beim Umsturz Ceausescus befanden.

Das Wärmekraftwerk von Crivina stellte ebenfalls im Dezember 1989 seinen Betrieb ein und bildet heute ein wahrhaftes „Freilichtmuseum" des Desasters aus der „goldenen Epoche". Auch das Wasserwerk Aninas blieb bis heute nur auf dem Reißbrett. Der Zustand des Trinkwassernetzes entspricht jenem des vorigen Jahrhunderts. Die Abwässer fließen ungereinigt in den Anina-Bach und verunreinigen weiter den Fluss Karasch. Auch das gesamte Kanalnetz der Stadt steht vor dem Zusammenbruch. Selbst der Sammelkanal könnte bald versagen, da man gar nicht mehr weiß, wann dieser zuletzt gereinigt und repariert wurde. Der Zustand des Straßennetzes passt auch vollkommen in das heruntergekommene Stadtbild.

All dies sind aber die harmlosesten „Kleinigkeiten" neben der schrecklichen Gefahr, die Anina bedroht. Alle Zeitungen des Banats weisen auf diese Katastrophe hin, aber die Behörden unternahmen bis jetzt absolut nichts für die Rettung der Stadt mit der Begründung, dass kein Geld vorhanden wäre. 1980, als das Wärmekraftwerk in Betrieb ging, achtete man nur auf die Weisungen des „geliebten Sohnes der sozialistischen Nation", je schneller umso mehr Strom zu erzeugen. Die Sicherheitsmaßnahmen wurden so völlig missachtet, und man lagerte die glutige Schlacke direkt auf den Erdboden, der rund um Anina einen großen Anteil von Kohlenstaub und Ölschiefer beinhaltet. Schon 1980 begann dann der Anfang der heutigen Katastrophe, als sich der kohlenhaltige Boden entzündete. Nach 15 Jahren ständigen Brandes, verbreitete sich das unterirdische Feuer auf eine Fläche von etwa 10 Hektar. Bedroht ist in erster Reihe das Stadtzentrum (das Wohnviertel Breiner). Durch die unterirdische Hitze trocknen alle Pflanzen der betroffenen Zone aus, dazu gehört auch der Park der orthodoxen Kathedrale. Aus den durch die Hitze entstandenen Erdspalten dringen nun Rauch und giftige Gase, und die Kathedrale gilt schon als besonders einsturzgefährdet. Die meisten Bewohner haben dieses Wohnviertel in Eile verlassen, geblieben sind nur die Ärmsten. Laut Aussage des Bürgermeisters Béla Balázs verbreitet sich nun das Feuer in das Erdinnere. Man weiß aber auch, dass in den Aninaer Kohlengruben, die tiefsten Europas, sich auch Erdgas befindet, und somit ist es offensichtlich, dass sich Anina praktisch auf einem Vulkan befindet. Eine Erdgasexplosion würde den Untergang des Ortes bedeuten. Dies wäre aber noch immer nicht das Ende der Katastrophe, denn bekanntlich befinden sich im Aninaer Untergrund auch noch radioaktive Erzschichten. Somit droht Anina zu einem Pompeji des Banats zu werden.

Trotz alldem wurde am 11. Juni 1995 in Steierdorf die 123. Kirchweih gefeiert. Doch auch dies geschah im Vorzeichen des Untergangs, diesmal aber des Steierdorfer Deutschtums. Von den 54 Kirchweihpaaren weiß man nicht, wie viele Deutsche waren. Die steyrische Tracht wurde leider nur noch von den Mädeln getragen, die Jungen schämten sich, die kurze Hose anzuziehen. Ansonsten ... Vortänzer waren diesmal die Rumänen Olivia Coman und Danut Balan. Anscheinend sind hier Deutsche nur noch die Gäste aus Deutschland gewesen.

November 1995                                                                                                    Anton Zollner
 

Leserbrief vom 8. Mai 2000:
:-)) toni, pass auf was fiarani nachrichtn weida vabreitest. wenn nua
0,1% vun ten stimmt was tej in die romäinischn zeidungan schreiben, tass
is es schun viel. aso in anina is tes problem mit ten prennanden
schlackenresten schun seit langam bekannt und pai weitem nit so
dramatisch wie in teim artikl im internet. und stimmen tuts ibahaupt
nit, tas tes was mit ta "termo anina" vun da madame ceausescu zu tun
hat. tes sein reste vun an aldn heizkraftweak. ti orthodoxe kiache is
ach nit betroffn und einstiazn tut sie ach nit. soviel zum anfang.
                                                                   Ta Weana (alias Werner Henn)