DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (112)
 A l t - K i s c h o d a

Alt-Kischoda (rum.: Chisoda Veche; ung.: Óteslöd) ist heute nur noch als Kischoda (amtlich: Chisoda; ung.: Kisoda) bekannt. Zu dieser Kürzung des Ortsnamens kam es, nachdem die Nachbargemeinde Neu-Kischoda (rum.: Chisoda Noua; ung.: Újteslöd) in Fratelia umbenannt wurde. Die einstige Gemeinde Alt-Kischoda liegt südlich von Temeschburg, in unmittelbarer Nähe der Großstadt. Östlich von Kischoda liegt der heutige Gemeindesitz Girok, und westlich grenzt die Ortschaft an das heutige Temeschburger Wohnviertel Fratelia, dem einstigen Neu-Kischoda, von dem es durch eine Bahnstrecke getrennt ist.

Nach dem Anschluss des Banats an Rumänien war Alt-Kischoda 1925 eines der 13 Stuhlbezirkssitze des damaligen Kreises Temesch-Torontal. Sowohl Kischoda als auch Fratelia, aber auch Girok hatten damals den Rang einer Gemeinde, mit eigener Kommunalverwaltung. Seit 1950 ist Kischoda ein Dorf (ohne eigene Verwaltung), das der Gemeinde Girok angehört, und Fratelia ist ein Stadtteil Temeschburgs.

Für das Jahr 1910 ist die Zahl der Deutschen aus Alt- und Neu-Kischoda mit insgesamt 969 Personen angegeben, die laut Angaben aus dem Buch „Das Banat und die Banater Schwaben" Band 2 einen Bevölkerungsanteil von 32,3 Prozent gestellt haben sollen. Nach offiziellen Statistiken hatte Alt-Kischoda im Jahr 1900 allein 1.664 Einwohner. 1930 lebten unter den 1.615 Einwohnern Kischodas 399 Deutsche; sie hatten einen Anteil von 25 Prozent an der Gesamtbevölkerung der Ortschaft. Im November 1940 hatten sich hier 401 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren lassen. Bei der Volkszählung von 1977 wurden unter den 2.293 Einwohnern des Dorfes noch 258 Deutsche gezählt. Damit sank ihr Bevölkerungsanteil auf etwas über 11 Prozent. Sie lebten damals neben 1.898 Rumänen, 123 Ungarn, 12 Serben und 2 Sonstigen. Bis zur nächsten Volkszählung, die im Januar 1992 durchgeführt wurde, sank die Einwohnerzahl Kischodas auf 1.829, von denen sich nur noch 72 Personen zum Deutschtum bekannten. Laut Angaben der Heimatortsgemeinschaft Kischoda waren im Februar 1996 nur mehr 37 Deutsche im Heimatort verblieben gewesen.

Über das heutige Leben in Kischoda kann man sich in einem ausführlichen Bericht, der im März 1997 in der rumänischen Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) erschienen ist, informieren. Eine Zusammenfassung dieses Artikels ist einige Wochen später auch in der „Banater Zeitung" (eine Beilage der „Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien") veröffentlicht worden. Das Thema des Berichts war der Zusammenbruch des sozialen Friedens in diesem einst friedlichen Ort. Der Konflikt entbrannte zwischen den Eigentümern der 763 Hektar Ackerfelder und den sechs Schäfern, die im Besitz von etwa 2.000 Schafe waren. Da die 8 Hektar große Hutweide für die 6 Schafherden bei weiten nicht ausreichte, ließen die Schäfer ihre Tiere nachts auf den angebauten Feldern der Bauern weiden. Diese waren wegen der angerichteten Schäden sehr empört. Da aber das nächtliche Weiden kaum nachgewiesen werden konnte, gab es auch keine Möglichkeit, gegen die Beschädigung der Ackerfelder zu klagen. Wenn die Hirten aber doch von den Bauern mit ihren Herden auf deren angebauten Feldern ertappt wurden, reagierten sie aggressiv. Sie vertrieben die Bodenbesitzer mit Stockhieben und mit Hilfe ihrer Hunde. Da die Behörden auch nichts gegen die Missachtung des Privateigentums unternehmen, herrscht im Dorf nur Ärger, Hass und Streit.

Da dieser Zustand in den banater Dörfern immer häufiger anzutreffen ist, kann man annehmen, dass die von den Deutschen hier eingeführte Landwirtschaftskultur nun ihrem Ende zugeht. Langsam, aber sicher wird die hier vor der deutschen Kolonisation herrschende Viehzucht wieder heimisch. Die aus anderen Regionen des Landes hierher zugewanderte rumänische Bevölkerung hatte sich in ihren Herkunftsorten keine Kenntnisse über eine moderne Landwirtschaft aneignen können, und so wird sich die Banater Heide in absehbarer Zeit wieder veröden. Dieser Trend ist heute schon in vielen Teilen des Banats erkennbar. Das große zivilisatorische Werk der Banater Schwaben wird bald einer historischen Vergangenheit angehören.

Einige Deutsche lebten schon immer auch im rumänischen Girok (amtlich: Giroc; ung.: Gyüregy), dem Gemeindezentrum, zu dem auch Kischoda gehört. 1910 stellten die hier wohnenden 186 Deutschen einen Bevölkerungsanteil von fast 8 Prozent. Im November 1940 ließen sich 223 Personen als deutsche Volkszugehörige registrieren. Aber auch 1977 befanden sich unter den 2.598 Einwohnern Giroks noch immer 182 Deutsche. Sie lebten hier neben 2.270 Rumänen, 59 Ungarn, 79 Zigeunern und 8 Sonstigen. Aber schon 15 Jahre später, im Januar 1992, bekannten sich von den 2.122 Einwohnern der Ortschaft nur mehr 24 Personen zum Deutschtum. Laut Angaben der zuständigen Heimatortsgemeinschaft waren bis Februar 1996 lediglich 8 Deutsche im Heimatort verblieben. Da die Deutschen in Girok zahlenmäßig niemals ein besonderes Gewicht hatten, sind sie auch nicht in den Zeitungsberichten erwähnt worden.

Aus den offiziellen Statistiken ist zu entnehmen, dass auch in der östlichen Nachbargemeinde Giroks, in Neu-Moschnitza (amtlich: Mosnita Noua; ung.: Mosniczapuszta) einzelne Deutsche lebten. In der vor 1930 neu angesiedelten Ortschaft, die auf der Landstraße Temeschburg - Busiasch liegt, zählte man damals unter den 1.412 Einwohnern 75 Deutsche. 1940 wurden hier nur noch 33 Deutsche registriert. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich von den 1.146 Einwohnern, die meist Rumänen und Ungarn waren, 10 Personen zum Deutschtum. Im zur Gemeinde gehörenden Dorf Alt-Moschnitza (amtlich: Mosnita Veche; ung.: Mosnicza) sind 1940 35 Personen als Deutsche registriert worden, aber 1992 bekannte sich hier niemand mehr zum Deutschtum. Auch im einst ungarischen Dorf Ungarisch-Medwisch (heute: Urseni; ung.: Magyarmedves), in dem heute aber überwiegend (zu 80 Prozent) Rumänen leben, wurden schon 1910 unter den 1.265 Einwohnern 148 Deutsche gezählt. Sie stellten einen Bevölkerungsanteil von fast 12 Prozent. Im November 1940 sind hier 119 Personen als Deutsche registriert worden. Nach dem 2. Weltkrieg sind diese fast vollständig aus dem Dorf verschwunden. 1975, als ich im Dorf regelmäßig und „schwarz" Fernsehgeräte reparierte, lebte hier nur noch eine deutsche Familie. Deshalb ist es auch erstaunlich, dass sich im Januar 1992 in Medwesch, wie man das Dorf allgemein nannte, 10 Personen zum Deutschtum bekannten.

Mai 2000                                                                                                      Anton Zollner