DURCH GEWESENE DEUTSCHE DÖRFER DES BANATS (107)
A l t - B e b a
 
Alt-Beba (amtlich: Beba Veche; ung.: Óbéba) ist heute die westlichste Ortschaft Rumäniens; sie liegt genau im Dreiländereck Rumänien-Serbien-Ungarn. Diese besondere Lage ist durch einen Triplex - einen Grenzstein mit den Staatswappen der drei Länder - gekennzeichnet. Die nächste ungarische Ortschaft ist nur 800 Meter und die nächste serbische 7 km entfernt. Besuchen können die Alt-Bebaer ihre ausländischen Nachbarn noch immer nicht, da es in der Nähe keinen Grenzübergang gibt.
 
Als „deutsches Dorf" könnte aber Alt-Beba nicht bezeichnet werden, 1930 stellten die 346 hier beheimateten Deutschen einen Bevölkerungsanteil von nur 13,4 Prozent. Ihre höchste Zahl erreichten sie 1940, als sich hier 371 Personen als Deutsche registrieren ließen. Bei der Volkszählung vom Januar 1992 bekannten sich in Alt-Beba noch 17 Einwohner zum Deutschtum. Sie lebten damals neben 814 Rumänen, 163 Ungarn und 24 Sonstigen. 1940 lebten Deutsche auch in den heute zur Gemeinde Alt-Beba gehörenden Dörfern: in Kreuzdorf (amtlich Cherestur; ung.: Keresztúr) 50 und in Pordeanu (ung.: Porgány) 21 Personen. 1992 bekannte sich in diesen Dörfern noch je eine Person zum Deutschtum.
 
Die einstige deutsche Bevölkerung wurde in der banater Presse zum letzten Mal im April 1994 nur noch flüchtig erwähnt; ein Bericht aus der rumänischen Tageszeitung „Timisoara" trug damals die Überschrift „Der Ort, wo der Hahn rumänisch, ungarisch und deutsch kräht".
 
Über das aktuelle Leben in Alt-Beba berichteten die rumänischen Zeitungen öfters, die „Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien" begnügte sich aber im Mai 1997 mit der Übersetzung einiger Auszüge aus einer Reportage, die in der Tageszeitung „Renasterea banateana" (Banater Wiedergeburt) veröffentlicht wurde. So wie vor den Dezemberereignissen von 1989 ist Alt-Beba auch weiterhin der Ort, wo Schlepper Menschen nach Ungarn einschleusen. Der Unterschied besteht nur darin, dass man früher rumänische Flüchtlinge über die Grenze schaffte, und heute stammen die meisten aus Afrika und Asien.
 
Ansonsten ist Alt-Beba eine von allen vergessene und verlassene Ortschaft geworden. Der einzige Verkehrsweg ist die 35 km lange Kreisstraße, die in die Kleinstadt Groß-Sankt-Nikolaus führt. In den '60-er Jahren ist die Straße asphaltiert worden, heute besteht sie aber hauptsächlich aus Schlaglöchern. Der nächste Bahnhof liegt im 25 km entfernten Alt-Beschenowa (amtlich: Dudestii Vechi). Als öffentliches Verkehrsmittel gab es hier 1997 einen privaten Bus, der zwischen Alt-Beba und Temeschburg verkehrte, der aber wegen den ständig steigenden Fahrpreisen von immer weniger Fahrgästen ihn in Anspruch genommen wurde. Mit dem zur Gemeinde gehörenden Dorf Pordeanu gibt es nicht einmal eine Telefonverbindung. 1995 waren noch alle Häuser aus Lehm, in den letzten 50 Jahren hatte man hier nur 5 neue Häuser gebaut. In diesen Häusern leben heute nur noch alte Menschen, die Jungen sind in die Städte gezogen. Letztere besuchen ihr Heimatort meist nur im Winter, wenn sie zum Schweineschlachten kommen.
 
1997 hatte man in Alt-Beba auch die Viehzucht betrieben; damals konnte man 311 Rinder, 120 Pferde, 850 Schafe, 1.500 Schweine und 7.700 Geflügel zählen. Aber durch die isolierte Lage der Gemeinde ist es kaum möglich, die landwirtschaftlichen Erzeugnisse abzusetzen. Es spricht sich im Ort herum, dass ungarische Viehhändler diese Lage ausnützen; sie kaufen hier billig das Vieh auf und verkaufen es teuer in Italien. Die Rumänen können dies nicht tun, da im Lande noch immer die alten Gesetze gelten, nach dem der Außenhandel noch immer Staatsmonopol ist.
 
In Alt-Beba gibt es aber auch Bauern mit ausgezeichnetem unternehmerischen Geist, wie Ion Ardelean, der mit viel Raffinesse eine Farm gründete. Er nahm ältere Menschen in Unterhalt und übernahm dafür deren Felder zwecks Bearbeitung. So standen ihm bald 57 Hektar Ackerboden zur Verfügung, von denen er 30 Hektar mit Weizen und 3 Hektar mit Futterpflanzen anbaute. Ardelean richtete seine Farm auch für die Schweinezucht ein, was sich aber als unrentabel erwiesen hat. Trotzdem hält er ständig 100 Schweine und 300 Schafe. Der fehlende Absatzmarkt bringt ihm viele Verluste, so dass er nur mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen in Höhe von etwa 100 DM rechnen kann, während sein Nachbar in Ungarn das Fünffache verdient. Trotzdem ist der Farmer aus Alt-Beba froh, da er seinen Wunschtraum, Besitzer einer Farm zu sein, verwirklicht hat.
 
In den rumänischen Zeitungen des Jahres 1997 wurde auch über die chronische Finanzkrise des Bürgermeisteramtes berichtet. In der Gemeinde konnte deswegen seit Jahren nichts mehr unternommen werden. Zum größten Erfolg jenes Jahres zählte die Instandsetzung des Kulturheimes, das mit ... Essgeschirr für 400 Personen ausgestattet wurde. Hier sollten nämlich alle Hochzeiten der Gemeinde stattfinden. Im Gegensatz zu diesem „kulturellen Erfolg" hatte der Kindergarten, der von 60 Kindern besucht war, keinen eigenen Sitz. Der Kindergarten wanderte nach Bedarf von einem enteigneten Haus zum anderen. Der Bürgermeister Ioan Bohancanu, der auf der Liste der Partei der Sozialen Demokratie Rumäniens (PDSR) mit 518 Stimmen in dieses Amt gewählt wurde, beklagte sich über die noch immer fehlende lokale Autonomie der Kommunalverwaltung.
 
Oktober 1999                                                                                                                Anton Zollner